Der Gang von der hellen Schalterhalle im Basler Centralbahnhof Richtung Elsässerbahnhof SNCF ist höchst unattraktiv. Dunkel, versperrt mit Verkaufsständen - und zuhinterst vergammelt der SNCF-Bahnhof mit Einbauten für den Zoll. Ticketschalter gibt es schon lange nicht mehr. Hier wärmen sich Alkoholiker auf.

Noch vor drei Jahren schwärmten die SBB von den Plänen rund um den Elsässerbahnhof: Ein neues Restaurant, Shopping mit einem grossen und vier kleineren neuen Geschäftslokalen sowie einem neuen Untergeschoss vom Kiosk bei der Schalterhalle bis zum Bahnhof SNCF, das sich auch als Verkaufslokal eignen würde. Zusätzlich soll der Quergang wieder auf seinen zweigeschossigen Originalzustand zurückversetzt und die tiefere Decke, in der sich der Coiffeurladen Lüdi befindet, entfernt werden.

Die Arbeiten, so die SBB im Jahr 2008 hoffnungsfroh, würden bis 2011 beendet sein. Das war aber eine Fata Morgana. Die Situation hat sich in den letzten drei Jahren nicht verändert. Die Planung wurde aufgeschoben. Kein Wunder, wünscht Bahnhofcoiffeur Roland Lüdi, dass die SBB «einmal Nägel mit Köpfen machen sollten».

Zweijähriges Provisorium

Der Coiffeur und andere Mieter sind von einer Erneuerung betroffen: Für Lüdi wie auch für die Filiale der Basler Kantonalbank BKB, für das Geschäft «Drinks of the World» sowie für Basel Tourismus am Bahnhof ist nach Informationen des «Sonntags» ein zweijähriges Provisorium vorgesehen: Auf Gleis 4 neben der Bahnhofapotheke soll für viel Geld ein Gebäude für das Provisorium erstellt werden. Die Räume entlang der Centralbahnstrasse sollen ausgehöhlt und für Büros und Arztpraxen umgebaut werden. Diese Bauerei hätte allerdings zur Folge, dass die Ladengeschäfte des Bahnhofs vorübergehend nicht mehr über die Centralbahnstrasse beliefert werden könnten. Die Logistik müsste an den Meret-Oppenheim-Platz wechseln und die Geschäfte über die einstige Unterführung beliefern.

Nach zwei Jahren Provisorium ist vorgesehen, dass die Mieter in die geplanten neuen Geschäftslokale zurückkehren. Die Migros als grösster Mieter muss nicht wechseln und kann allenfalls ihre Filiale mit dem neuen Untergeschoss vergrössern.

«Noch nicht spruchreif»

Wer erfahren will, ob diese Pläne rund um den Elsässerbahnhof nun ganz oder teilweise ausgeführt werden, stösst auf eine Mauer des Schweigens. Daniela Jäger etwa, Centerleiterin von Railcity Basel, «weiss nichts». SBB-Sprecher Reto Schärli windet sich: «Die Details zum Elsässerbahnhof und zu den Läden sind noch nicht spruchreif.» Selbst Grossmieter wie die Migros geben sich zurückhaltend: Die Migros sei im Gespräch mit den SBB. Sobald für die Eigentümerin Zeit sei, könne man zusammen in die Zukunft schauen, sagt es Migros-Basel-Sprecher Dieter Wullschleger fast schon poetisch. Den «aktuellen Zeitplan» des Umbaus kenne man nicht, sagt ein BKB-Sprecher.

Moderne Einkaufszentren, trendige Läden und tolle Take-aways waren bislang das Erfolgsmotto der SBB. Die grössten 32 Schweizer Bahnhöfe sind zu Einkaufstempeln mutiert. Über 1,5 Milliarden Franken werden umgesetzt, was den Bundesbahnen Mieteinnahmen von über 300 Millionen Franken im Jahr beschert. Das Erfolgsmodell der RailCity-Shopping-Centers ist für die Zukunft gesichert:

Günstigere Provisorien?

Derzeit benutzen täglich rund 900 000 Reisende die Bahn - 2030 sollen es doppelt so viele sein. Allein in Basel zählt man täglich 120 000 Besucherinnen und Besucher des Centralbahnhofs.
Das Shoppen soll den Bahnreisenden noch einfacher gemacht werden: Von 2011 bis 2016 stecken die SBB eine halbe Millarde in neue Shopping- und Dienstleistungszentren von Schweizer Bahnhöfen. Ausgerechnet im Grossbahnhof von Basel kommen die SBB aber mit ihren Plänen nicht voran. SBB-Kenner nennen als Grund, dass die Bundesbahnen ihre finanziellen Mittel künftig mit Bedacht einsetzen müssten: Der teure Unterhalt der Infrastruktur und höhere Tarife für die Nutzung der Schienen machten den SBB finanziellzu schaffen.

In Basel sind die Kosten vor allem für das Provisorium während der Umbauzeit im Westflügel sehr hoch. Offenbar suchen die SBB darum das Gespräch mit der Stadt, um zu prüfen, ob allfällige günstigere Provisorien auch ausserhalb des Bahnhofs möglich wären. Eine Stellungnahme dazu war von den SBB nicht zu erhalten. Offenbar ist aber auch die neue 1.-Klasse-GA-Luxuslounge in Basel noch nicht klar definiert. Details dazu seien nicht spruchreif, sagt SBB-Sprecher Schärli. Knapp vor einem Jahr hatten die SBB noch bekannt gegeben, dass die Lounge im ersten Obergeschoss über dem heutigen Reisezentrum im Jahr 2015 eröffnet werden soll.