Ja, die Fasnacht, das war einmal. «Da gehe ich nicht mehr hin», sagen gleich mehrere Passanten in einer Umfrage in der Basler Innenstadt. Zu viele Leute, zu langweilig, und sowieso macht man das eher auf dem Land. Die Urteile der Befragten sind vernichtend. Eine Fusion zur Fasnacht Nordwestschweiz wäre eine Möglichkeit, die Fasnacht wieder attraktiv zu machen, rät ein junger Herr.

Gefragt hatten die Verantwortlichen des Forschungslabors «La Fuddi da». Sie haben vom Fasnachtscomité den Auftrag bekommen, der Fasnacht neues Leben einzuhauchen. «Make the Fasnacht great again», heisst es für Professor Luzius Stryttmatter, Dr. Dr. Heinzelmann und Dr. h.c Gianni Schlomberger. Die Fasnacht soll gemäss Comité eine «neue, geniale Ausstrahlung» erhalten. Gesucht ist auch ein CEO, ein Carneval Excellent Ollrounder.

Das Labor «La Fuddi da» ist eine hoch angesehene Adresse der Wissenschaft. Dass die drei Forscher vom Fach sind, beweisen die beiden von ihnen programmierten Prototypen Melanie und Rosmarie. Sie folgen ihnen aufs Wort, ja auf jede Handbewegung. Ob am Klavier, mit Cello, Akkordeon oder der Stimme - auf den Ton genau sorgen sie für musikalisches Augenzwinkern.

Präsidenten ausser Kontrolle

Mit Wortakrobatik und in bester Reimkunst listen die drei Forscher auf, was die neue Fasnacht haben muss. Genderneutralität ist Pflicht, Negro Rhygass wird zu Migros Räbgass, und am Oobe Guggemusig, das isch sowieso grusig. Die drei Forscher machen dies so charmant, dass nicht einmal der angefressenste Schränzer sauer sein könnte.

Die Fasnacht wieder great zu machen, ist aber gar nicht so einfach. Das merkt Professor Luzius Stryttmatter spätestens beim Schnitzelbank-Casting. Weder «Sherkan und Balkan», das «Veganerli» noch der auf Pointen versessene Amerikaner können überzeugen. «Absolute Blindgänger», lautet das vernichtende Urteil. Die Forschung harzt zusehends. Professor Luzius Stryttmatter, Dr. Dr. Heinzelmann und Dr. h.c. Gianni Schlomberger sehen sich immer wieder zu Eigenlob gezwungen.

Mit einem Video versuchen sie, das Publikum von ihren Forschungsleistungen zu überzeugen. Ob Bettwaren-Fischer, der lachende Schneider-Ammann oder Tennisgott Federer beim Geigenspiel – wirklich überzeugen können sie damit niemanden. Die Lacher haben sie aber auf ihrer Seite. Dass die von ihnen programmierten Kim Jong Un und Donald Trump «ausser Kontrolle» geraten sind, spricht auch nicht gerade für sie.

Trottoirgeflüster und Säbelrasselei

Aber das Fasnachtscomité erwartet endlich Ergebnisse, auch wenn sie mehr als dürftig sind. Ein Hochgesang auf Männercliquen im Stil von Y.M.C.A. kann doch nicht alles sein? Das denken sich auch Melanie und Rosmarie und gehen auf die Strasse. Sind sie zuvor in MeToo-Manier von den drei Forschern unterdrückt worden, mucken sie nun auf. Die Forschung nimmt eine unerwartete Wendung. Der Knall ist programmiert.

Schaabernagg & Lumpepagg (Roland Suter, Walo Niedermann und Heinz Margot als Forscher, Bettina Urfer und Barbara Schneebeli als programmierte «Müsli») ist 90 Minuten Wortspielereien, Situationskomik und gelungene Satire. Vom lokalen Trottoirgeflüster bis zum globalen Säbelrasseln – nichts wird im Teufelhof ausgelassen. Schaabernagg & Lumpepagg beweisen, dass Fasnachtsmusik nicht nur aus Trommeln, Piccolos und schränzenden Guggen bestehen muss und dass bei diesem herrlichen Spiel ein übertriebenes Bühnenbild nur stören würde.

Als dann auch noch Udo Lindenberg und Stefan Eicher die Bühne betreten und ihre bekanntesten Hits in Fasnachtslieder umwandeln, tobt das Premierenpublikum. Wortwitz, Musik auf höchstem Niveau und ein Spiel der Gestik und Mimik, das allen voran Heinz Margot bis ins Extreme beherrscht, bieten Unterhaltung pur. Make the Vorfasnacht great again!


Schaabernagg & Lumpepagg: Noch bis 2. März im Theater Teufelhof.