Frau Fuchs, was bedeutet eine verkehrsfreie Innenstadt für den VCS?

Stephanie Fuchs: Verkehrsfrei ist zu undifferenziert. Autofrei ist wichtig. Die Fussgänger, die Velos und der öffentliche Verkehr sind stadtverträglich. Der durchfahrende Autoverkehr aber gehört nicht hierhin. Die Anlieferung und der Güterumschlag bleiben mit dem neuen Konzept bis 11 Uhr im Schritttempo möglich.

Reine Fussgängerachsen sind dort in Ordnung, wo es viel Laufkundschaft hat. Dass Velofahrer hier absteigen müssen, ist zumutbar. Es ist gut, dass Basel endlich auch eine freundliche, autofreie Innenstadt erhält. Andere Schweizer Städte wie Bern, Winterthur oder Solothurn beweisen, dass dies auch für das Gewerbe wunderbar funktioniert.

Sind Sie mit den Velorouten zufrieden?

Für mich persönlich würde zum Beispiel in der Freien Strasse auch ein Mischverkehr von Fussgänger und Velofahrer funktionieren. Aber das braucht grosse gegenseitige Rücksichtnahme, die durchaus viele Velofahrer erst beweisen müssen. Auf den vorgesehenen Velorouten gilt das Verkehrsregime der Begegnungszone. Der Fussverkehr hat also auch hier Vortritt.

Sind die Vorgaben der verkehrsfreien Innenstadt umsetzbar?

Durchsetzbar ist alles. Die Verkehrsteilnehmer müssen ihre Gewohnheiten ändern. Das erreicht man mit Kontrollen, besser allerdings mit klaren baulichen Massnahmen. Optimal wäre, die Zufahrt würde überall mit versenkbaren Pollern beschränkt. Dies benötigen keine Polizisten, die sicher für qualifiziertere Arbeiten gebraucht werden. Tempo 30 ist in den Quartieren bereits Realität und wer umsichtig fährt, ist innerorts nicht schneller unterwegs. Im Moment wird viel Lärm um die Vorgaben gemacht und die Gegner sind empört. Wenn das Konzept erst einmal umgesetzt ist, dann haben wieder andere Dinge Priorität.

Auto oder Tram: Was empfinden sie als Velofahrerin als mühsamer?

Auf jeden Fall die Autos. Ein Tram ist berechenbar, ein Auto nicht. Besonders mühsam sind die parkierten Autos entlang den Strassen, in welchen sich auch Tramschienen befinden. Wenn dazu noch Türen unvorsichtig geöffnet werden, wird die Situation gefährlich.

Und Tramschienen selbst?

Mit dem Velo über Schienen wechseln ist mühsam und riskant. Ich verstehe nicht, weshalb noch immer keine flexiblen Lamellen existieren, um die Rillen zu füllen. Sie nutzen sich scheinbar zu schnell ab. Dabei würde diese Massnahme viel Platz und Sicherheit für Velos schaffen.

Braucht es mehr Kontrollen im Velo- und Autoverkehr?

Polizeikontrollen wirken durch ihre Häufigkeit, nicht durch die Höhe der Bussen. Der VCS bevorzugt aber bauliche Massnahmen, die sicherstellen, dass das gewünschte Verkehrsregime eingehalten wird. Wenn die vorgesehenen Velorouten attraktiv sind, werden die Velofahrer dort fahren. Steht ein Poller da, ist für Autos von Anfang an klar, dass jetzt eine neue Regel gilt. Es ist schade, dass Basel nicht von andern Städten lernt und auch ein Poller-Pilotprojekt braucht. Besser wäre auch gewesen, an wichtigen Stellen Wechselsignale einzurichten. Damit immer sichtbar ist, was gilt: Güterumschlag am Morgen. Autofrei ab elf Uhr.

Was sagen sie zum Vorwurf, Velofahrer hielten sich generell nie an Verkehrsregeln?

Genauso unsinnig wäre zu sagen, Autofahrer sind alles Raser. Wegen einer Gruppe rücksichtsloser, sind nicht alle Velofahrer Rowdys. Für die Velo fahrenden Rüpel gilt keine Nachsicht. Was stimmt ist, dass Velos – und auch der Fussverkehr – in der Verkehrsplanung noch immer vernachlässigt werden. Der VCS hat dazu die Strasseninitiative «Strassen teilen» lanciert, die genau das ändern will. Damit Velos überall gut vorankommen, ohne Regeln zu übertreten.