Noch schnell die Drämmli-Türe schliessen und dann am besten die Augen – mehr können die Comité-Mitglieder nicht mehr machen, als sie am Mittwoch zur schönsten Cortège-Rushhour von der Olympia überfallen werden. 

Die wilden Fasnächtler, kostümiert als Stadtindianer, bewerfen die Comité-Mitglieder mit schwarzen Räppli und zünden 2,5 Kilo Rauchpulver vor dem medial viel beachteten Posten am Steinenberg. 

Die einen Comité-Mitarbeiter schauen grimmig drein, die anderen lüpfen den Hut oder lassen sich zu einer Umarmung hinreissen, und eine Dame zieht den Fasnächtlern lachend ihr Klemmbrett über den Kopf.

Es sind die einzigen rund zehn Cortège-Minuten, die die Olymper an dieser Fasnacht absolvieren. Gemäss ihres diesjährigen Sujets «Drnäbe» verbringen sie die drey scheenschte Dääg für einmal abseits von Route und Regeln.

Am Klosterberg stehen sie ein, biegen nach ihrer kurzen, aber heftigen Begegnung mit dem Comité am Steinenberg widerrechtlich links ab und kehren dem Cortège dann via Kohlenberg den Rücken.

Sprengmeister Tinguely

Inspirieren lassen hat sich die Clique für ihr rebellisches Sujet und die Aktion am Mittwochscortège von den Kuttlebutzer. Anno 1974 war es Jean Tinguely, der in seinem ersten Jahr mit der Clique als Comité-Sprengmeister fungierte. Unter dem Titel «Bumm» jagten die Kuttlebutzer auf dem Marktplatz das Comité in die Luft und liessen es Räppli und Federn regnen.

Eine Fasnacht «drnäbe» – das könnte ja auch daneben gehen. Olympia-Fasnachtschef Dario Conti zieht aber eine positive Bilanz. «Viele Olymper sind sehr begeistert», sagt er am Mittwochnachmittag. Jahrelang habe man immer alles gleich gemacht, jeder Halt war vorprogrammiert. Die wilde Fasnacht ist erfrischend.

Fasnächtler, die die Fasnacht vermissen

Aber klar, es gebe auch kritische Stimmen in der Clique, Fasnächtler, die die Fasnacht vermissen. Doch jene Cliquenmitglieder, die das wilde Fasnacht machen geniessen, seien in der Überzahl. Das Geniessen ist es auch, was die Olympia in diesem Jahr in den Vordergrund stellen: «Wir wollen für uns Fasnacht machen, nicht für die anderen», sagt Conti.

Und so kam es, dass die Clique etwa am Montag um 12.30 Uhr loszog, unter den verwirrten Blicken der Beobachter, und sich im Löwenzorn e Hampfle Comité-Schnitzelbängg gönnte. Ihre Laterne schickten sie mit Blechtrommlern und Blockflötenspielern auf die Route, während der Rest auf der Fähri gestaffelt den einen oder anderen Marsch spielte.

Olympia-Blaggedde: Aus 1000 wurden 3500

Und auch die Plaketten-Aktion ging auf: Die Olymper verzichten in diesem Jahr auf Comité-Subventionen und haben stattdessen eine eigene Blaggedde verkauft. «Wir haben damit gerechnet, dass rund 1000 Stück weggehen», sagt Conti. Doch diese seien schon nach drei Tagen verkauft gewesen. 3500 sind schliesslich produziert worden.

Nur eine Regel haben die Olymper aufgestellt: die anderen nicht beim Fasnacht machen stören. Und so ist der Rauch rasch verpufft und der Cortège-Auftritt verhallt, kaum hat er angefangen.