Dass gleich drei Gemeinderäte Asche auf ihr Haupt streuen, das passiert selten. So geschehen am Mittwochabend im Riehener Einwohnerrat. Grund dafür ist die Kostenüberschreitung beim Bau des neuen Dorfkerns. Mindestens 200 000 Franken ̶ der genaue Betrag steht noch nicht fest ̶ wurde der Dorfkern teurer als geplant. Der Gemeinderat informierte die Geschäftsprüfungskommission (GPK) und den Einwohnerrat über diese Kostenüberschreitung viel zu spät. Darüber waren sich im Saal alle einig.

Auch Gemeinderat Daniel Albietz (CVP), der die Dorfkernplanung bis zur Abstimmung betreute, gab die Fehlleistung unumwunden zu. «Die Position für Diverses ging im Kostenvoranschlag vergessen. Ich muss politisch die Vorlage verantworten und entschuldige mich für den unvollständigen Kostenvoranschlag.» Auch Tiefbau-Vorsteher Guido Vogel (SP) gab sich reumütig, er hätte als Präsident der Projektsteuerung früher informieren sollen. Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos) gab Verfahrens- und Steuerungsfehler zu. «Es war keinesfalls so, dass man etwas am Einwohnerrat und der GPK vorbeimauscheln wollte», stellte Wilde klar.

«Unsorgfältig, lückenhaft»

Trotz der einsichtigen Gemeinderäte gab es von GPK-Präsident Christian Griss (CVP) eine heftige Rüge. Er sprach von einer «absolut unsorgfältigen Vorgehensweise» von Seiten des externen Planers und von einem «lückenhaften Controlling in der Umsetzung der Gemeinderatsbeschlüsse». Schon vor Beginn der Bauarbeiten im April sei klar gewesen, dass die Kosten überschritten werden, widersprach Griss Gemeinderat Vogel, der sagte, man habe erst vor den Sommerferien die Kostenüberschreitung bemerkt. Die GPK kritisierte, dass gewisse Tätigkeiten, wie das Verschieben des Zäslinbrunnens und die Sanierung des Webergässchens, dem Globalkredit in Kompetenz des Gemeinderats verrechnet wurden und so nicht deutlich erkennbar wären.

Vor allem die Bürgerlichen forderten Aufklärung. Gerade weil solche Kostenüberschreitungen in Riehen in den vergangenen Jahren mehrfach vorkamen, wie Thomas Strahm (LDP) und Andreas Zappalà (FDP) monierten. «Die Fehler sind auf der Verwaltung passiert», sagte Zappalà und forderte die Verwaltungsleitung auf, etwas dagegen zu unternehmen. Dieter Nill (FDP) klagte, dass er als Kleinunternehmer bei einem solchen Vorgehen schon mehrfach Konkurs gegangen wäre. Für EVP-Sprecher David Moor ist es «unerklärlich», dass man die GPK und den Einwohnerrat nicht früher informierte. Er forderte aber das Parlament auf, «den schönen Dorfkern jetzt nicht zu zerreden». Der Einwohnerrat konnte den Zwischenbericht des Gemeinderats nur zur Kenntnis nehmen. Über den fälligen Nachtragskredit muss er zu einem späteren Zeitpunkt befinden.