Es war ein denkbar schlechter Auftakt für die Basler Herbstmesse. Nicht nur hatte ein Mann mitten während der wilden Fahrt seinen Platz auf dem Karussell «Round up Rounder» verlassen – und sich beim folgenden Sturz schwer verletzt. Nur Minuten zuvor war es auch auf der Achterbahn auf dem Kasernenareal zu einem Unfall gekommen. Bei der Einfahrt krachte ein Wagen des «Rock & Roll Coaster» auf ein weiteres, bereits stehendes Gefährt. Bilanz: nochmals fünf Verletzte. Die Basler Staatsanwaltschaft geht von Problemen beim Bremssystem aus.

Unter den Schaustellern überrascht das gar nicht. Mehrere von ihnen erheben schwere Vorwürfe gegen die Messeleitung. «Die sparen, wo sie können. Auch bei der Sicherheit», sagt ein Bahnbetreiber. «Der TÜV Thüringen, der in diesem Jahr die Kontrollen übernommen hat, hat von Messebahnen keine Ahnung», haut ein anderer Schausteller in dieselbe Kerbe.

Sie alle wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, weil sie befürchten, ansonsten bei der Herbstmesse künftig nicht mehr berücksichtigt zu werden. Und der Anlass sei für alle enorm wichtig. «Mit den Einnahmen aus Basel überlebt man den Winter und bezahlt die anfallenden Reparaturen.»

Einfach Günstigsten genommen

Jahrelang habe sich eine Koryphäe aus München um die Sicherheit gekümmert. Nun aber sei alles anders. «So ist es nicht verwunderlich, dass es zu einem Unfall gekommen ist», führt ein Schausteller aus. Schliesslich sei die Bahn uralt. «Manche Stellen werden mit Kabelbinder zusammengehalten.» Und der TÜV Thüringen kenne nicht mal die modernsten Systeme, sagt ein anderer. «Er war einfach der Günstigste, der offeriert hat, erzählt man sich.»

Den Schweizer TÜV habe sich die Messeleitung dagegen nicht leisten wollen. Dem widerspricht Daniel Arni. Der Leiter Messen und Märkte beim Basler Präsidialdepartement betont, dass sämtliche in der Schweiz akkreditierten Prüfstellen eingeladen worden seien, sich um den Auftrag zu bewerben.

Der TÜV Thüringen habe die Gebrauchsabnahmen zudem schon 2014 und 2015 durchgeführt. «Sein Leistungsausweis ist unbestritten.» Der Schweizer TÜV dagegen habe auf eine Eingabe verzichtet.

Gleichzeitig betont Arni, dass die Achterbahn «Rock & Roll Coaster» sämtliche Sicherheitsanforderungen erfüllen würde – wie alle Bahnen an der Basler Herbstmesse. «Bei allen Bahnen ist die Sicherheit das höchste Gebot.» Der «Rock & Roll Coaster» werde denn auch regelmässig an beliebten Grossveranstaltungen zugelassen.

Besitzer: Anlage hat funktioniert

Auch Besitzer Lutz Vorlop hat seine Achterbahn stets verteidigt. Der «Rock & Roll Coaster» stammt aus den 80er-Jahren. Dennoch handle es sich um modernste Technik. Jedes einzelne Element werde überwacht. Die Anlage habe denn auch korrekt funktioniert: Wegen eines defekten Bremszylinders sei automatisch die Notbremsung ausgelöst worden. Fünf Bremselemente stoppten den Wagen.

Doch auf einem Streckenabschnitt mit zwei weiteren Bremsen sei der hintere, schwerer beladene Wagen mit dem vorderen zusammengeprallt. Fünf von acht Passagieren wurden verletzt. Eine Frau musste ins Spital. Warum der Bremszylinder kaputt gegangen sei, wisse Vorlop nicht. In 50 Jahren habe er das noch nicht erlebt, hatte er gegenüber dem «Blick» erklärt.

Seine Schausteller-Kollegen lassen sich davon nicht überzeugen. «Das Bremssystem funktioniert nicht, das sieht man auf den ersten Blick», sagt einer. Und er stellt die Massnahmen des TÜV Thüringen infrage: «Jetzt stehen zwei Helfer neben der Problemstelle, um die Wagen notfalls manuell zu bremsen», behauptet er.