Kommentar

Schein und Sein im linken Stadtkanton

Das dürfte nicht in einem linken Kanton wie Basel-Stadt passieren. (Symbolbild)

Das dürfte nicht in einem linken Kanton wie Basel-Stadt passieren. (Symbolbild)

Wer sich ein Bild davon machen will, wie gut es Basel geht, sollte mal einen Morgen im Kantonsparlament verbringen. Es gibt keine Ungerechtigkeit in unserem System, die den Politikern verborgen bleibt. Sie fordern mehr Steuerabzüge für die Armen, den Schutz der Velofahrer auf den gefährlichen Strassen und eine aktive Rolle des Staats bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Jüngster Luxus-Exzess ist der gestern überwiesene Vorstoss, wonach der gendergerechte Schulunterricht gefördert werden soll. Dies notabene, obwohl es bereits jetzt in der Lehrerausbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz ein eigenes Fach zum Thema Gender und Rollenbilder gibt.

Umso verstörender wirken die Ungerechtigkeiten, die im linken Stadtkanton hinter der Fassade geduldet werden. Zum einen setzt sich die Verwaltung stillschweigend über das Bundesgerichtsurteil hinweg, bei Klassenlagern von den Eltern nur maximal 16 Franken pro Tag zu verlangen. Viel schlimmer wiegt, dass sie den aufmerksamen Eltern, die sich beschweren, die Differenz bezahlen. Wer bleibt auf der Strecke? Die Bildungsunterschicht. Diejenigen Eltern, die vom Urteil des Bundesgerichts nichts gehört, womöglich Migrationshintergrund haben und kaum Deutsch sprechen. Diejenigen, die Mühe haben, die Klassenlagerbeiträge zusammenzukratzen. Genau diejenigen, für die sich Basel-Stadt einsetzen sollte, wenn er für sich in Anspruch nehmen will, ein linker Kanton zu sein.

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