Die Schienen am Steinenberg sind in einem «alarmierenden» Zustand, wie Bruno Stehrenberger, Leiter Infrastruktur der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), am Freitag vor den Medien sagte. Um weder Sicherheit noch Netzstabilität zu gefährden, sei eine Auswechslung jetzt zwingend.

Festgestellt hatten die BVB die Mängel Ende 2015. Im vergangenen Winter hatten wöchentlich Schienenbrüche von einem Schweissteam notdürftig geflickt werden müssen, wie die für die Sanierung zuständige Projektleiterin vor Ort ausführte. Besonders gelitten hätten die Weichen. Diese wiederum haben lange Lieferfristen.

Mit rund 950 täglichen Durchfahrten gehört der Steinenberg zu den am stärksten beanspruchten Abschnitten des Basler Tramnetzes. Gemäss Stehrenberger liegt die Lebensdauer der Schienen dort bei zehn Jahren.

Letzte Sanierung vor 11 Jahren

Letztmals waren die Gleise am Steinenberg 2006 saniert worden. Damals wurde ein schalldämpfendes Federsystem eingebaut, um die Konzerte im Stadtcasino vor Tramgerumpel zu verschonen. Dieses System erschwert indes nun die Sanierung. Die alten Gleise können nur schrittweise und mit erhöhten Lärmemissionen ausgebaut werden.

Die Kosten für die Sanierung der 525 Schienenmeter, darunter acht Weichen und vier Kreuzungen, werden auf 2,9 Millionen Franken veranschlagt. Die Vollsperrung ist vom 9. bis am 28. September vorgesehen. Ein Ersatzbus-Angebot ist - mit Ausnahme des 3ers - wegen Platzmangels nicht möglich. Details für die Umleitungen werden noch ausgearbeitet.

Zusätzliche Herausforderung ist laut BVB, dass diese Bauarbeiten nicht in Schulferien stattfinden – dann wären weniger Personen in der Innerstadt unterwegs. Aufgrund von schon geplanten Baustellen, etwa in der Greifengasse und auf der Mittleren Brücke, sei für die dringende Sanierung nur ein kurzes Zeitfenster möglich geblieben.

Über Hälfte der BVB-Gleise mit Schäden

Insgesamt bestehe auf dem Netz der BVB ein «riesiger» baulicher Nachholbedarf, hielt Stehrenberger fest. Dies sei auf Versäumnisse der letzten Jahre zurückzuführen. Nur 43 Prozent der Schienen befänden heute in einem «annehmbaren» oder «guten» Zustand. Bei 21 Prozent sei der «wirtschaftlich beste Zeitpunkt für einen Ersatz» überschritten.

Nach Investitionen von 43 Millionen Franken in diesem Jahr wollen die BVB daher bis 2020 jährlich rund 35 Millionen Franken in den Gleisersatz investieren. 2015 waren dafür noch 12,5 Millionen Franken aufgewendet worden, im vergangenen Jahr 17 Millionen.

Die Sanierungen sollen gemäss BVB mit dem normalen Investitionsbudget des Bahnbaus bewältigt werden. Konkrete Projekte würden derzeit erarbeitet. Neben dem Steinenberg gebe es zurzeit indes keine Gleisabschnitte, die einen gleich «alarmierenden» Zustand aufweisen oder einen solchen demnächst erreichen würden.

In den nächsten Jahren komme «einiges auf die Stadt zu», sagte Stehrenberger weiter. Dieser Schritt sei aber nötig, um in einen normalen Instandhaltungs-Rhythmus zu kommen. Ziel sei, bis 2020 den Anteil an nicht «schadhaften» Schienen im BVB-Netz auf 60 Prozent zu erhöhen. «Krisenübungen» wie am Steinenberg wolle man so künftig vermeiden.

Zweite Etappe der Elisabethenstrasse

Ebenfalls dieses Jahr wird die geplante zweite Bauetappe in der Elisabethenstrasse durchgeführt, wie die BVB zusammen mit dem Bau- und Verkehrsdepartement am Freitag weiter ausführten. Nach dem Abschnitt Elisabethenanlage bis Klosterberg in den Jahren 2014 und 2015 wird nun der Abschnitt Klosterberg bis Bankverein umgestaltet.

Die 3,5 Millionen Franken teuren Bauarbeiten werden vom 10. Juli bis Ende November ausgeführt. Ab dem 7. August wird der Trambetrieb in der Elisabethenstrasse in Richtung Bahnhof SBB eingestellt. Ab Ende Septemberfahren dort drei Wochen in beiden Richtungen keine Trams.