Strafgericht
Schizophrene geht mit dem Messer auf den «Teufel» los

Weil sie glaubte, dass ihre Mutter der Teufel ist, ging eine schizophrene Frau mit einem Messer auf sie los. Das Basler Strafgericht schickt sie in die geschlossene Klinik zur Behandlung.

Patrick Rudin
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Die schizophrene Frau muss nach der Messerattacke auf ihre Mutter in die «Geschlossene». (Symbolbild).

Die schizophrene Frau muss nach der Messerattacke auf ihre Mutter in die «Geschlossene». (Symbolbild).

pd

«Du bist der Teufel», schrie die 36-jährige Frau und stürmte mit einem Messer in der Hand quer durch die Zahnarztpraxis via Behandlungszimmer ins Büro: Dort sass ihre Mutter, das Ziel des Angriffs. Diese umschloss sofort die Schnittkante des Messers mit ihren Fingern und konnte so die Attacke abwehren. Es blieb nach einem längeren Gerangel am Boden bei Verletzungen an ihrer Hand. Ein Berufskollege konnte die Tochter am Boden festhalten, bis die Polizei eintraf.

Auslöser für die Tat vom vergangenen Januar war kein Familienstreit, sondern Wahnvorstellungen der Tochter. Wie Gutachter später feststellten, leidet sie wohl seit ihrem 25. Altersjahr an einer paranoiden Schizophrenie. Noch wenige Stunden zuvor hatte die Mutter ihre Tochter in der Basler Universitären Psychiatrischen Klinik besucht: Die 36-Jährige war wegen ihrer Schizophrenie bereits in stationärer Behandlung, allerdings in einer offenen Station. Nach dem Mittagessen entwickelte sie offenbar Wahngedanken und machte sich auf den Weg zum Arbeitsplatz der Mutter.

Das Messer organisierte sie sich unterwegs: Beim Hotel Rochat spazierte sie unbemerkt durch den Speisesaal in die Hotelküche, borgte sich ein 21 Zentimeter langes Brotmesser und ging dann zur Zahnarztpraxis.

Im Basler Strafgericht waren sich am Dienstag Staatsanwalt und Verteidiger einig, dass die Frau schuldunfähig ist und in eine Klinik gehört: Die drei Richter sahen das ebenso und ordneten eine sogenannte Massnahme an. Wie Gerichtspräsident André Equey sagte, habe die Frau im konkreten Fall mit den unkontrollierten Messerbewegungen auf den Oberkörper den Tod der Mutter in Kauf genommen. Vorläufig kommt für die Unterbringung nur eine geschlossene Abteilung infrage. Der Gutachter sieht bei der Frau eine hohe Rückfallgefahr.

Der erste Vorfall dieser Art

Die mildere Variante einer ambulanten Therapie ist derzeit kein Thema. Der Verteidiger betonte indes, in der Vergangenheit habe es bisher noch nie einen solchen Vorfall gegeben, deshalb sei sie damals ja auch in der offenen Abteilung untergebracht gewesen. Die Frau ist verheiratet und hat eine Tochter.

Vor Gericht sagte sie, solche gefährlichen Gefühle oder Gedanken würden sich niemals gegen ihre eigene Tochter richten. Der Angriff auf ihre Mutter tue ihr leid. Sie akzeptiert die derzeitige medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung in der Klinik.

Theoretisch können alle Beteiligten das Urteil noch weiterziehen, faktisch wurde die Massnahme in der geschlossenen Klinik allerdings von niemandem bestritten.