Strafgericht

Schizophrenie diagnostiziert: Klybeck-Schütze ist schuldunfähig

(Symbolbild)

im November 2014 schoss der Mann abends um 18 Uhr in der belebten Basler Klybeckstrasse mit einem Revolver dreimal auf einen Bekannten.

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Im November 2014 schoss ein Mann mit einem Revolver in der Basler Klybeckstrasse dreimal auf einen Bekannten. Das Basler Appellationsgericht verwandelte die lange Freiheitsstrafe nun in eine therapeutische Massnahme von unbestimmter Dauer.

«Wir sind nicht sicher, ob man das Wahn nennen kann», meinte der Präsident des Strafgerichtes noch im September 2015. Auch die Gutachter waren sich nicht so sicher: Der heute 46-jährige Mann hatte lange die Diagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung und ist für voll schuldfähig befunden worden. Inzwischen kam die Feststellung einer Schizophrenie dazu, und nun ist er rückblickend nicht mehr schuldfähig. Das Basler Appellationsgericht hatte ein neues Gutachten eingeholt und ihn am Freitag mangels Schuldfähigkeit formell freigesprochen. «Ein Expertenstreit ist das Letzte, was einem Strafprozess dient», meinte Staatsanwalt Flavio Noto am Freitag lakonisch.

An der Geschichte ändert das allerdings nichts: Im November 2014 schoss der Mann abends um 18 Uhr in der belebten Basler Klybeckstrasse mit einem Revolver dreimal auf einen Bekannten, der ihn wiederum ein paar Monate zuvor heftig verprügelt hatte. Eine Kugel ging vorbei, eine streifte den Kopf, eine ging in den Oberkörper. Das Opfer hatte einigermassen Glück, leidet allerdings noch heute an den Folgen der Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft verlangte damals einen Schuldspruch wegen versuchten Mordes und eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Das Strafgericht beliess es bei versuchter vorsätzlicher Tötung und verhängte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

Rückfallgefahr ist gross

Die Strafe hat der Mann inzwischen zur Hälfte abgesessen. Doch nun beschloss das Appellationsgericht am Freitag wegen der Rückfallgefahr eine stationäre Massnahme: Es wird nun ein Therapieplatz in einer gesicherten Umgebung für ihn gesucht. Dagegen kann er noch mit einer Beschwerde an das Bundesgericht vorgehen. Die Dauer einer stationären Massnahme ist unbestimmt, jeweils nach fünf Jahren kann das Gericht eine Verlängerung oder den Abbruch beschliessen.

Sollte die Therapie scheitern, muss sich das Gericht irgendwann zwischen der Freilassung oder einer Verwahrung entscheiden. Vor drei Jahren sagte eine Gutachterin noch, eine Behandlung sei bei dem Mann praktisch aussichtslos. Bei einem früheren Aufenthalt in der Psychiatrie ging es ihm allerdings nach der Einnahme von Psychopharmaka schon einer Woche deutlich besser.

Der 46-Jährige hatte bislang immer gesagt, er habe die Schüsse im November 2014 nur deshalb abgegeben, weil er sich bedroht gefühlt habe. Dazu erzählte er Geschichten über geschuldete Drogengelder und Sexvideos, mit denen er angeblich erpresst werde. Die Richter beurteilten diese Aussagen als wenig glaubwürdig. Bei der Schiesserei verwendete er einen Revolver von Smith & Wesson mit Kaliber .38. Diesen hatte er sich von seinem Vater ausgeliehen.

Der 46-Jährige beteuerte dabei eine bestehende Bedrohung für die ganze Familie. Der heute 40-jährige Angeschossene hatte lediglich eine Genugtuung von 5000 Franken statt der verlangten 20’000 Franken erhalten, weil er den Schützen einige Monate zuvor in der Flamenco-Bar beim Claraplatz brutal angegriffen hatte. Dafür wurde er vom Gericht mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten bestraft, dieses Urteil ist inzwischen rechtskräftig. Die Schlägerei war allerdings ebenfalls eine Retourkutsche auf einen vorherigen Schlag mit einem Bierglas, der Angreifer war dabei der spätere Schütze.

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