Es gibt sie noch immer, die Grüsel-Badigäste. Sie tragen unter den trendigen Surfer-Shorts zusätzlich Unterwäsche, springen mit den Strassenkleidern ins Wasser und verschmutzen dieses massiv. Zwar ist die Wasserqualität in den Bädern der Region gut. Dies aber nicht zuletzt deshalb, weil die Badmeister ein besonders wachsames Auge auf die Unterhosen-Bader werfen.

Fünf Jungs hat der Joggeli-Badmeister Stephan Wagner bereits am Morgen des gestrigen Hitzetags zurück in die Umziehgarderobe geschickt. «Die Jugendlichen haben oft das Gefühl, dass es für einen Besuch in der Badi nicht unbedingt eine Ausrüstung braucht», erklärt der Badmeister.

Das Problem: Die modischen Shorts seien nicht fürs Baden geeignet. «Bei den Surfer-Modellen fehlt das Innenfutter, darum werden Unterhosen darunter angezogen», sagt Wagner. Diese Beobachtung macht der Badmeister bereits seit mehreren Jahren. Diese Saison ist ihm ein neuer, unhygienischer Trend aufgefallen: Oft würden Jugendliche unter den Badehosen noch einen klassischen Bade-Slip tragen.

Es sind aber nicht nur die Jungs, welche offenbar mehr auf die Mode als auf die Hygiene achten. «Auch die Mädchen schauen den coolen Surferinnen ab, wie sie mit Bikini-Oberteil und Shorts auf dem Surfbrett stehen», bemerkt Wagner.

Dass es schon bald ein Verbot für locker-luftige Shorts geben soll, ist für aber Wagner unwahrscheinlich. «In Frankreich darf nur noch in engen Badehosen gebadet werden - bei uns gibt es keine solchen Vorschriften.»

Dresscode in Bettingen

Falsch: Die erste Verbotstafel der Region hängt bereits im Gartenbad Bettingen (siehe Bild). «Im Wasser müssen anliegende Shorts getragen werden», bestätigt Gerhard Poschmann. Der Bettinger Badmeister ist zufrieden: Das Verbot werde grundsätzlich eingehalten. Schliesslich gelte es auch schon seit sechs Saisons.

Das Verständnis dafür war aber nicht immer vorhanden, wie sich Gemeindeverwalterin Katharina Näf Widmer erinnert: «Vor allem bei den Teenies gab es zu Beginn ziemlichen Klamauk.» Der Hauptgrund, der den Gemeinderat im Jahr 2008 zu diesem Beschluss bewog, war die Hygiene. Doch auch Fasern und «Fuseli» - gerade von Baumwoll-Textilien - führten dazu, dass der Filter öfters als normal gereinigt werden musste.

Verbot bleibt die Ausnahme

Bettingen hat die unhygienischen Badegäste erzogen. Ein weiteres Verbot wird in nächster Zeit kaum folgen. «Das würde gar nicht gehen», sagt Markus Hänggi, Betriebsleiter des Gartenbads Aesch. Eine Badehose-Kontrolle könne man nicht durchführen, sagt er - und zeigt auf die vielen Gäste, welche ins Bad strömen.

Ob sich ein Verbot durchsetzen lässt oder nicht: Kommt es zu einem 70er-Jahr-Revival, so könnte sich das Grüsel-Problem von selbst lösen. Sobald ein Promi wieder in hautengen Badehosen herumläuft, werden die heute so modernen Surfer-Shorts plötzlich altmodisch - und aus den Gartenbädern verschwinden.