Der 33-jährige Asylbewerber aus Syrien hält seit Jahren die regionale Justiz auf Trab, und sein Verteidiger beschwor die fünf Richter am Montag, trotz der «kochenden Volksseele» das Augenmass zu wahren. Sein Wunsch ging in Erfüllung: Der wilde Ausraster auf der Notfallstation des Basler Kantonsspitals vom Juli 2013 wurde lediglich als einfache Körperverletzung in drei Fällen eingestuft – nicht als schwere Körperverletzung oder gar versuchte Tötung. Das Gericht verhängte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

Patient würgte eine Pflegerin

Der Mann war im vergangenen Sommer als Patient in der Notfallstation. Als die Pflegerin ihm zur Entlassung seine Kleider zurückgab, fehlte das Portemonnaie. Er habe bei der Einlieferung wohl keines dabei gehabt, beschied man ihm auf Nachfrage. Der heute 33-Jährige flippte aus und schlug die Frau, später ging er auch auf andere Spitalangestellte los, würgte die Pflegerin und versuchte sie zu beissen. Erst ein zufällig anwesender Boxtrainer konnte den tobenden Mann fixieren. Die Ironie der Geschichte: Das Portemonnaie des Mannes wurde später im Spital gefunden.

Staatsanwalt Flavio Noto sagte am Montag, der Mann habe jede Person brutal attackiert, die sich ihm in den Weg gestellt habe. Er forderte nicht nur eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, sondern auch eine Verwahrung des Mannes. Laut einem aktuellen Gutachten leide der 33-Jährige an einer schweren, langfristig unbehandelbaren Persönlichkeitsstörung.

Doch das Gericht wollte nicht so weit gehen: Es gäbe bei den Opfern keine Hinweise auf eine unmittelbare Lebensgefahr, und man könne bei dem Mann auch nicht auf eine Tötungsabsicht schliessen, sagte Gerichtspräsident René Ernst am Dienstag dazu. Sein Verschulden wiege schwer, er habe mit ungehemmter Brutalität angegriffen.

Doch auch seine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit musste das Gericht mit 50 Prozent ins maximal mögliche Strafmass von 4,5 Jahren einrechnen – so gelangte man zu 20 Monaten. «Selbstverständlich ohne Bewährung, die Prognose ist äusserst schlecht», sagte Ernst.

Mann hat gewalttätige Geschichte

Der 33-jährige Mann ist ein Problemfall: Im Februar 2008 schnitt er sturzbetrunken einem Mitbewohner im Asylbewerberheim Münchenstein mit einer Rasierklinge die Halsschlagader auf, das Baselbieter Strafgericht verurteilte ihn deshalb 2009 wegen eventualvorsätzlich versuchter Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren. Er gab damals an, in Syrien als Kurde gefoltert worden zu sein. Kurz vor dem damaligen Prozess stürzte er sich aus einem Fenster und verletzte sich schwer: Sein Asylgesuch war abgelehnt worden.

Später wurde er wegen Brandstiftung verurteilt, weil er seine Gefängniszelle angezündet hatte. Seit September 2012 war er wieder auf freiem Fuss. Ein anderer Gutachter sagte damals, das Rückfallrisiko sei äusserst gering, solange er sich vom Alkohol fernhalte. «Diese optimistische Prognose hat sich als falsch erwiesen», meinte René Ernst jetzt dazu.

Das Kantonsspital hatte nach dem Vorfall seinen Sicherheitsdienst aufgestockt, dessen Mitarbeiter sind nun rund um die Uhr im Einsatz.