Bruderholz

Schlammschlacht für eine Stromleitung, die sich lohnt

Flüssiger Boden sieht bei der Verarbeitung aus wie Beton, verfestigt sich aber hinterher zu normalem Boden, der sich dicht an die Rohre anschmiegt. Kenneth Nars

Flüssiger Boden sieht bei der Verarbeitung aus wie Beton, verfestigt sich aber hinterher zu normalem Boden, der sich dicht an die Rohre anschmiegt. Kenneth Nars

EBM und IWB setzen bei der Leitungs-Modernisierung auf ein neues, umweltschonendes Verfahren. Es ist schneller, günstiger und ökologischer.

Eruptiv stösst das Rohr braunen Schlamm aus. Was aussieht, als leide der Betonmischer unter Durchfallattacken, ist eine in der Nordwestschweiz erstmals angewandte Methode, den für den Leitungsbau aufgerissenen Graben wieder zu füllen. «Schneller, günstiger und ökologischer», erklärte Gregor Leonhard im Namen der IWB an der Medienkonferenz auf dem Bruderholz das neue Verfahren.

Swissgrid, Alpiq, IWB und EBM modernisieren derzeit das Unterwerk Froloo in Therwil, durch das die Region Basel mit Strom aus Gösgen, Leibstadt und den Wasserkraftwerken in den Alpen versorgt wird. Dabei erneuern und verstärken sie auch die 40-jährigen Leitungen, die vom Unterwerk Froloo nach Basel, Münchenstein und Schweizerhalle führen. In diesem Zusammenhang werden zwei von drei Freileitungen auf dem Bruderholz in den Boden verlegt: 24 Kunststoffrohre von insgesamt 120 Kilometer Länge werden die unterarmdicken Kabel dereinst aufnehmen.

Gleich wie der Boden daneben

Zuerst müssen die Rohre in den Boden. Dieser besteht aus drei Schichten: Humus, Unterboden und mineralischem Untergrund. Der Aushub der beiden ersten wird vor Ort neben dem Graben gelagert. Das Material der tiefsten Schicht wird normalerweise abtransportiert und später zum Auffüllen wieder verwendet.

Hier aber bringt man den Untergrund zum Rüstplatz, wo er mit einem sogenannten Schaufelseparator feinkörnig gemahlen und dabei statisch aufgeladen wird. Dann wird Kalk, das Tonmineral Bentonit und Zementbestandteile hinzugemischt, bevor im Betonmischwagen Wasser hinzukommt.

Die flüssige Masse wird dann zwischen und über die im Graben verlegten und fixierten Rohre gegossen, wo er sich verfestigt, indem das Wasser mit den mineralischen Zusätzen wie bei Gips reagiert. Vorteil: Es werden alle Hohlräume ausgefüllt, der Boden senkt sich später nicht mehr und muss nicht mit Maschinen verdichtet werden. Zudem lassen sich durch die Zusätze die Eigenschaften steuern. So mischt man für Stromleitungen Flüssigboden, der später besonders gut Wärme ableitet. Zudem versichern die Fachleute, der Boden habe in Zukunft die gleiche Stabilität wie der unberührte Boden daneben. Dies sei für Leitungsbau in Ortschaften unter Strassen besonders wichtig, erklärt Olaf Stolzenburg vom Ingenieurbüro Logic in Leipzig. «Wenn sich der Boden im Leitungsgraben gleich verhält wie der Boden daneben, ist die Strasse stabiler und praktisch unkaputtbar.» Zudem würden die Anwohner weniger durch die mechanische Verdichtung gestört und die Bauzeit verkürzt.

Ressourcensparend

Auf dem Bruderholz hingegen kommt keine Strasse über den Graben, sondern Unterboden und Humus werden wieder eingebaut. Auch hier sieht Stolzenburg technische Vorteile, etwa indem sich das Wasser im Boden gleich verhalten wird wie vor dem Leitungsbau und somit nicht ein unterirdischer Entwässerungskanal entsteht.

Insgesamt sparen IWB und EBM durch das neue Verfahren 10 bis 15 Prozent der Kosten, vor allem durch die Vermeidung von 1400 Lastwagenfahrten, die auch durch Wohngebiete geführt hätten.

Auch Roland Bono vom Amt für Umweltschutz und Energie steht dem Flüssigbodenverfahren positiv gegenüber, da es Ressourcen spare. So sei neben weniger Lastwagenfahrten auch weniger Deponieraum nötig. Zudem würden keine umweltkritischen Stoffe eingesetzt. Er schränkt allerdings ein, dass sich die Methode zwar fürs untere Baselbiet und das Laufener Becken mit den Lössböden eigne, dies kaum auf die lehmig-steinigen und felsigen Böden des Oberbaselbiets zutrifft.

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