Nun sieht es aber so aus, als könnten demnächst Kinder im Haus an der Münchensteinerstrasse willkommen sein: In Arbeit ist ein neues Konzept, das vorsieht, das Soca vermehrt tagsüber zu öffnen, zum Beispiel für Kinderflohmärkte und weitere Aktivitäten aus dem Quartier.

Diese Idee ist nur ein Strang in einem Bündel von Neuerungen, das ab Mitte Jahr den Soca-Betrieb umkrempelt. Der Handlungsbedarf ist gegeben: Das Jugendkulturzentrum kämpft seit Jahren mit finanziellen Problemen. Umsatz- und Besucherzahlen sind rückläufig, in den letzten Saisons fielen Verluste im fünfstelligen Bereich an. Deshalb hat sich das Soca eine Betriebsanalyse verordnet, die vom Erziehungsdepartement mitfinanziert und von der Firma NonproCons durchgeführt wurde und die der «Schweiz am Sonntag» vorliegt. Der Schlussbericht weist auf Schwierigkeiten hin: Das Image sei «nicht gut», das Haus gelte als «uncool» und die Marktposition sei «nicht ideal».

Vermehrt Plattform für regionale Jugendkultur

Lösungen für diese Probleme bietet die Analyse nicht: Die letzten drei Kapitel – dazu gehört die «Erarbeitung von Entwicklungsvarianten» – wurden von den externen Beratern nicht bearbeitet. Man habe sich entschieden, auf einen Folgeauftrag an NonproCons zu verzichten und stattdessen Coachings durchgeführt, sagt Christian Platz, Präsident der Jugendarbeit Basel (Juar). Diese Organisation, vom Kanton jährlich mit über drei Millionen Franken subventioniert, ist Trägerin des Soca und zahlreicher Jugendhäuser in Basel.

«Wir sind nun daran, für das Soca ein neues Konzept zu entwerfen», sagt Platz. Vorgesehene Neuerungen: Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem bekannte – und für das Haus in der Summe zu teure – Bands im Sommercasino aufgetreten sind, will man nun vermehrt wieder regionaler Jugendkultur eine Plattform bieten. «Wir machen sozusagen zwei Schritte zurück, um einen vorwärts zu kommen», sagt Puccio Mavrici, im Sommercasino an den Konzeptarbeiten beteiligt.

Die Veranstaltungspalette wird breiter: Machten bisher Konzerte den grössten Teil des Programms aus, sollen in Zukunft auch Theater, bildende Kunst und Tanz Platz finden. Auch die Kriterien für Raumvermietungen und das Bildungsangebot werden überarbeitet. Platz sagt: «Wir wollen das Haus vermehrt auch tagsüber öffnen.» Zwar bleibe es ein Jugendkulturzentrum, doch Nutzungen aus dem Quartier seien willkommen. Schon bisher gibt es eine Zusammenarbeit mit dem neutralen Quartierverein St. Alban/Gellert. Diese wird intensiviert – eine Sitzung zum Thema findet kommende Woche statt.

Harter Alkohol an der Bar?

Noch nicht entschieden ist, ob an der Soca-Bar künftig harter Alkohol ausgeschenkt wird: Bisher war dieser verboten. Gemäss der Analyse ist dieses Verbot für einen Teil des Image-Problems verantwortlich, zudem fehlt der Bar eine Einnahmequelle.

Auf das Soca-Team kommt mit der Neuausrichtung viel Arbeit zu. Das Personal dafür fehlt jedoch: Nachdem im Herbst bekannt wurde, dass der langjährige Booker Joel Bader die Kündigung erhalten hat, haben nun auch der Grafiker und der Finanzverantwortliche ihre Stelle verloren. George Hennig, ehemaliger Soca-Leiter und heute in der Geschäftsleitung der Juar, weilt in einer Auszeit. Zu den Gründen schweigen die Beteiligten. Aufgrund «interner Weisungen» äussert sich der Finanzverantwortliche nicht zu seinem Abgang. Wann Hennig zurückkehrt, ist unklar. Platz «hofft», ihn Ende Februar wieder zu sehen. Ob die Stellen neu besetzt werden, ist offen. «Wir müssen jetzt herausfinden, was und wen wir brauchen», sagt Platz.

Bleibt auch herauszufinden, was die regionale Szene braucht, um wieder im Sommercasino anzudocken. Tobit Schäfer, Geschäftsleiter des Popförderers RFV Basel und SP-Grossrat, sagt: «Der RFV würde es begrüssen, wenn das Soca wieder zur Plattform für regionale Bands würde.» Zunächst muss das Soca seinen Platz in diesem Markt wieder finden. Denn andere Veranstalter haben diese Aufgabe übernommen – unter anderem die Juar-eigenen Jugendhäuser.