Das letzte Kapitel des «Labyrinths» schien bereits geschrieben – und es war kein Happy End, das verschiedene Medien dem Buchladen am Nadelberg prophezeiten. Doch jetzt, einige Wochen später, sieht alles anders aus: Seit Donnerstag ist die neue «Buchhandlung Labyrinth GmbH» im Handelsregister eingetragen. Es ist ein Neuanfang.

Ein grosser Teil davon geht offenbar aufs Konto von Thomas Rehmer. «Er ist unser Glücksfall», sagt Matthias Staub, langjähriger Mitarbeiter und jetziger Geschäftsführer des Labyrinths. Rehmer ist Mitte fünfzig, arbeitet als Wirtschaftsinformatiker und studiert nebenbei Altertumswissenschaften in Basel.

Vom drohenden Konkurs des Buchladens, der vorwiegend geisteswissenschaftliche Literatur vertreibt, hat er vor einigen Wochen im Internet erfahren. «Am nächsten Tag bin ich in den Laden spaziert und habe mich als Gesellschafter eingekauft», sagt Rehmer. Inzwischen ist er buchstäblich über die Bücher gegangen: Zusammen mit Matthias Staub und zwei anderen Gesellschaftern hat er das Stammkapital von 20'000 Franken aufgebracht, einen Businessplan entworfen und das Geschäftskonzept überarbeitet.

Der belesene Wirtschaftsexperte

Für Rehmer war der Einstieg ins Buchgeschäft eine Impulsentscheidung. Der Buchliebhaber, der nach seiner KV-Lehre «immer nur Software entwickelt hat», erfüllt sich mit dem Laden einen kleinen Traum. Als stellvertretender Geschäftsführer reizt ihn «die Herausforderung, selber einmal an den Hebeln zu sitzen». Laut Geschäftsführer Matthias Staub bringt Rehmer dem Laden zudem «das dringend benötigte wirtschaftliche Fachwissen.»

Staub ist Germanist und seit 23 Jahren im Laden. Die vergangenen Monate bezeichnet er als «schwierige Zeit», 2014 war das schlechteste Jahr seit der Eröffnung vor Dreissig Jahren. Frankenstärke, Online-Konkurrenz und persönliche Missstände einzelner Teilhaber führten in eine scheinbar ausweglose Situation. «Es herrschte Totengräberstimmung, wir suchten verzweifelt nach einem Ausweg.»

Damit waren sie nicht allein: Seit die Probleme bekannt geworden sind, haben offenbar unzählige Unterstützungswillige dem Geschäft einen beträchtlichen Betrag zur Verfügung gestellt – in Form von Krediten, zinslosen Darlehen oder als Geschenk. «Es ist schon mehrmals passiert, dass jemand in den Laden kommt, nur um uns Geld zu geben», sagt Matthias Staub fast schon etwas ungläubig. Auch Rehmer zeigt sich ob der Solidarität erstaunt. Dennoch: Die bisher gesammelten Mittel reichten zwar als «Startgeld» gut aus. «Aber um für die nächsten zwei Jahre gesichert zu sein, müssen wir nochmals rund 100'000 Franken einbringen.»

Knallharte Kalkulationen

Rehmer möchte sich aber nicht bloss auf Hilfe von aussen verlassen. «Wir müssen höhere Umsätze generieren.» Derzeit verhandelt er mit Verlagen bessere Verträge aus, durch die höhere Margen generiert werden sollen. «An unseren Preisen wird sich dadurch nichts ändern, aber wir müssen unser Rabattsystem überarbeiten» – derzeit erhalten Studierende einen Nachlass von zehn Prozent. Ferner will er bis Ende Mai einen Online-Shop aufschalten. Beim alten bleibt, dass für den Verkauf Studierende angestellt werden, «die dem Laden mit ihrem Fachwissen einen erheblichen Mehrwert bieten», wie Rehmer sagt.

Gleichzeitig möchten Staub und Rehmer mit dem Laden näher an ihre Kundschaft gelangen, etwa durch Lesungen in der Buchhandlung. Schliesslich soll der Laden zu einem «Rückzugsort» werden, wie Rehmer sagt: «Wir möchten, dass man ins Labyrinth kommt, ein Buch nimmt, sich hinsetzt und ganz ohne Stress darin schmökert.»