Dass das Bau- und Verkehrsdepartement die Tramlinie 8 nicht mehr durch die Innenstadt führen will, ist bekannt. Dass dies «möglichst rasch» geschehen soll, wie die Regierung nun schreibt, ist dagegen neu. Um den Centralbahnplatz zu entlasten, prüft das Bau- und Verkehrsdepartement die Variante, den 8er ab Bahnhof analog dem 2er via Kirschgarten über den Wettsteinplatz zu führen, dann vom Messeplatz an den Claraplatz und von dort weiter nach Weil. Dies schreibt die Regierung diese Woche in einer Antwort ans Parlament.

Diese Variante ist neu: Bisher hatten die Verkehrsplaner für den Claragraben geweibelt. Die neue Verbindung zwischen dem Wettstein- und dem Claraplatz ist eines der Hauptprojekte in der sogenannten Tramnetzentwicklung. Der 8er würde dann, so die Pläne, beim Wettsteinplatz abbiegen und könnte so schneller als aktuell die vollgestopfte Innenstadt umkurven.

Allerdings sind die Pläne für den Claragraben stark umstritten. Vor allem die Anwohner befürchten mehr Staus und das Verschwinden von Parkplätzen. Gut möglich, dass letztlich die Stimmbevölkerung über das Projekt entscheiden wird. Mit der jetzt bekannt gewordenen Variante könnten dagegen rasch vollendete Tatsachen geschaffen werden. Der 8er verschwindet aus der Innenstadt und in ein paar Jahren lässt sich der Claragraben als schlaue Abkürzung verkaufen.

Alle gegen Wessels

«Ein Buebetrickli von Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels» sei das, sagt Basta-Grossrat Beat Leuthardt genervt. «Das kommt überhaupt nicht infrage. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir gefordert haben.» Auch André Auderset (LDP) meint: «Die Antwort ist eine Frechheit.» Zumal es im Vorstoss nicht um die Situation im Kleinbasel oder in der Innenstadt gegangen sei, sondern ausschliesslich um die Situation am Centralbahnplatz.

Im Rahmen des aktuell laufenden Gleisersatzes am Bahnhof war vor einem halben Jahr die Frage aufgetaucht, ob dabei nicht die teils chaotische Tram-Situation verbessert werden kann. Der frühere Basta-Grossrat Urs Müller überraschte dabei mit dem Vorschlag einer neuen Gleisverbindung. Auf dem sogenannten Euler-Gleis könnte der 8er künftig am unbelebten nördlichen Ende in Richtung Aeschenplatz abbiegen, parallel zur Gegenrichtung. So müsste das Tram nicht mehr direkt vor dem Bahnhofsausgang quer über den Platz fahren.

Die Idee des Euler-Gleises erzeugte von links bis rechts ein positives Echo. Die Motion, welche die Regierung nun beantwortete, hatten Politiker aller acht Parteien im Grossen Rat unterschrieben – eine kleine Sensation. Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) allerdings zeigte kein Interesse am Vorschlag. Technisch sei der Vorschlag nur schwer umzusetzen und die neue Verbindung würde den Verkehr an der Nauenstrasse stärker behindern.

Neue Konfrontation steht bevor

Am Ende gab Wessels nach. Einerseits, weil sich abzeichnete, dass er mit seiner Einschätzung alleine auf weiter Flur steht. In der Märzsitzung sprachen sich alle Parteien für die Motion aus. Andererseits hatte Alt-Grossrat Urs Müller ein Ass in der Hinterhand. Er hatte gegen den Umbau des Centralbahnplatzes Einsprache eingelegt, sodass massive Verzögerungen beim Grossprojekt drohten. Für den Rückzug liess Müller sich schriftlich zusichern, dass bis Ende Jahr eine Vorlage für das Euler-Gleis ausgearbeitet wird.

In der Regierungsantwort werden diese Pläne nun wieder relativiert. Wessels lässt deutlich durchblicken, dass er nach wie vor kein Fan des Euler-Gleises ist. Auch tritt er auf die Bremse. Statt als Motion soll der Vorstoss vom Parlament nun als Anzug überwiesen werden. Damit hätte die Regierung zwei Jahre Zeit für die Beantwortung. Für Leuthardt keine Option: «Das Euler-Gleis muss bis Ende Jahr geplant sein und bis Ende 2020 gebaut sein», sagt er klar.