Forschung

Schnellere Krebs-Diagnose: Basler Start-up mischt in USA mit

Artidis will ein Gerät auf den Markt bringen, dass Krebs schneller erkennen und Therapien vorschlagen kann.

Fast neun Millionen Franken an Investitionen gesammelt, den Prototyp des Geräts fertiggestellt, Zusammenarbeit mit dem grössten Spital der Welt aufgegleist. «2019 war ein sehr gutes Jahr für uns», sagt Marija Plodinec. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von Artidis. Der Name des Basler Start-ups steht für «Automated and Reliable Tissue Diagnostics». Artidis entstand am Biozentrum in Basel. Basis dafür war die Doktorarbeit von Plodinec. «Wir haben recht schnell gemerkt, dass diese Technologie Erfolg haben kann», sagt sie.

Der Fokus lag vorerst auf der Diagnose von Brustkrebs. Der Nanosensor eines Rasterkraftmikroskops tastet das Gewebe einer Biopsie ab. Er erstellt ein Profil der Zellen und Komponenten. Erkennt der Sensor eine Krebszelle, beurteilt er sie direkt und liefert unmittelbar Therapiemöglichkeiten. «Die Technologie ist eigentlich sehr simpel. Für die Bedienung des Rasterkraftmikroskops bräuchte man mindestens zwei Doktortitel und drei Anleitungen. Unser Gerät hingegen ist komplett automatisiert», erklärt Plodinec. Es steht auf Rollen, «wie eine Ultraschallmaschine» und kann so direkt an das Bett der Patientinnen gebracht werden. Innert höchstens drei Stunden steht der Befund fest.

Mehr Sicherheit für Ärzte für richtige Diagnosen

Indem das Gerät mit klinischen Daten gefüttert wird, erkennt es darüber hinaus, welche Therapien für welche Krebsart angemessen sind. Plodinec stellt klar: «Die Technologie soll den Ärzten nicht etwa die Entscheidungsmacht wegnehmen, sondern ihnen mehr Sicherheit geben, um schnell die richtige Diagnose stellen und über weitere Massnahmen entscheiden zu können.» Das Konzept sei nicht nur Brustkrebserkrankungen vorbehalten. In nächsten Studien will Artidis Krebszellen in Bauchspeicheldrüsen und Lungen untersuchen. «Die Technologie funktioniert mit verschiedensten Geweben, auch über Krebsgeschwüre hinaus», so Plodinec.

Finanziert wird Artidis durch Investoren. Darunter sind Privatpersonen und kleine Firmen. Grosse Institutionen sind laut Plodinec keine dabei. Ein Basler Pharmariese unterstützt das Start-up, mehr dürfe sie nicht sagen.

Studie am Unispital ist «vielversprechend»

Mitte 2016 startete Plodinec mit ihrem Team eine klinische Studie am Universitätsspital Basel. Über 500 Patientinnen nahmen teil. 2019 wurde die Studie laut Plodinec erfolgreich abgeschlossen. Das Unispital publiziert die detaillierten Ergebnisse demnächst. «Wir können schon jetzt sagen: Es ist eine sehr vielversprechende Technologie», sagt Sprecher Nicolas Drechsler. Sie könne den Betroffenen und dem Spital selbst schneller Gewissheit verschaffen. Die dreijährige Studie sei ausserdem zukunftsweisend, da Unispital, Biozentrum und Start-up erfolgreich zusammen gearbeitet hätten.

Auch bei Artidis sorgt die abgeschlossene Studie für gute Zukunftsaussichten. Das Start-up arbeitet neu mit dem Texas-Medical-Center in den USA zusammen, dem grössten klinischen Zentrum der Welt. Zehn Millionen Patienten werden dort jährlich behandelt. Als erstes Schweizer Start-up wurde Artidis ausserdem aus über 140 Bewerbern für das Texas-Medical-Center-Accelerator-Program auserwählt. Plodinec erklärt: «Wir bekommen damit volle Unterstützung für die Entwicklung unseres Produkts, für weitere Studien und für den Eintritt in den klinischen Markt der USA.»

Start-up will im Jahr 2020 weiter wachsen

Ein Büro in den USA hat Plodinec bereits eingerichtet. Ein Teil der 15 Mitarbeitenden wird künftig ganz oder zeitweise dort arbeiten. Schliesslich ist die Zulassung des Artidis-Geräts in den amerikanischen Markt ein Hauptziel für 2020. Plodinec fügt an: «Unser Hauptsitz wird aber in Basel bleiben. Die Schweiz ist ein gutes Umfeld für den Start einer Firma.» Zudem plant das Start-up, bald die nächste Investitionsrunde zu lancieren: Rund 20 Millionen Franken sollen gesammelt werden.

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