Hotellerie
Schock nach Baselworld-Aus: Hotelkonkurse befürchtet

Baselworld-Aus trifft die Hotels empfindlich. Wenn es die Baselworld künftig nicht mehr gibt, könnten Hotels einen Umsatzrückgang von bis 20 Prozent ihres Jahresumsatzes verzeichnen. Das würde wohl zu Konkursen führen.

Leo Eiholzer
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Bereits ein Relikt aus der Blütezeit? Das 5-Sterne-Hotel von Mövenpick im Baloise-Hochhaus soll im Sommer öffnen.

Bereits ein Relikt aus der Blütezeit? Das 5-Sterne-Hotel von Mövenpick im Baloise-Hochhaus soll im Sommer öffnen.

Kenneth Nars

Eine Stunde, nachdem die ersten Schock-Schlagzeilen erschienen waren, loggten sich die Mitglieder des Basler Hoteliervereins am Dienstag in ein Videomeeting ein. Die Marken Rolex,
Patek Philippe, Chopard, Tudor und Chanel hatten kurz zuvor angekündigt, sich von der Baselworld zu verabschieden. Die Uhren- und Schmuckmesse ist – zumindest in der heutigen Ausprägung – am Ende. Sie war nicht nur traditionsreich, sondern auch umsatzstark, vor allem für die Hotels in Basel.

Dieser Umsatz könnte nun wegfallen. «Es ist ein herber Schlag, eine Hiobsbotschaft», sagt Raphael Wyniger, Vorstandsmitglied des Hoteliervereins. «Wir mussten nach dem Schock zunächst die Emotionen auffangen». Was waren das für Emotionen? «Bedauern, Wut, Enttäuschung», sagt Wyniger.

Hotel im Baloise-Park soll dennoch funktionieren

Gibt es die Baselworld künftig nicht mehr, könnten Hotels laut Wyniger bis zu 20 Prozent ihres Jahresumsatzes verlieren. «Wir befürchten, dass einige Hotels ihren Betrieb einstellen müssten», so der Hotelier des Jahres 2015. Auf seine eigenen Hotels, die Teufelhof-Gruppe, angesprochen, sagt Wyniger nur, für diese sei die Baselworld ebenfalls sehr wichtig.

Der Elefant im Raum ist derweil ein Hochhaus. Im 89 Meter hohen Gebäude im Baloise-Park unweit des Bahnhofs SBB entsteht zur Zeit ein neues Luxushotel der Oberklasse. Betreiben wird es die Mövenpick-Gruppe. Das Hotel scheint zugeschnitten auf Baselworld-Besucher – es soll ein Business-Hotel im Fünfsterne-Segment werden. Geplant sind 264 Zimmer – doch wer soll sie alle belegen? Der französische Hotelriese Accor, der hinter Mövenpick steht, verweist auf die heutige Eigentümerin, die Baloise. Diese ist vom Erfolg des Hotels überzeugt: Basel werde eine tolle Destination bleiben, die Logiernächte stiegen seit Jahren kontinuierlich.

Vorwürfe gegenüber der Messe will Hoteliervereins-Vorstand Wyniger noch keine erheben: «Im Moment gilt es, konstruktiv zu sein, und die Ereignisse erst mal zu reflektieren.» Er blickt bereits in die Zukunft: «Wir Hoteliers können uns natürlich verändern und müssen uns anpassen, sollte die Uhrenmesse verschwinden.» Ob und wie man sich neu aufstellt, müsse Basel als Destination gemeinsam diskutieren – inklusive dem Regierungsrat.

Der Basler Hotelkönig Rudolph Schiesser konstatierte bereits vor der Hiobsbotschaft ein Problem mit Luxusmessen wie der Baselworld – Schiesser war lange Jahre Direktor des «Les Trois Rois» und ist heute Verwaltungsratspräsident der Basler Vorzeigeadresse: «Basel ist keine Luxusstadt», sagt er. «Wir sind momentan das einzige Fünfsternehotel. In der Stadt kann man die Besucher der Baselworld eigentlich nicht so unterbringen, wie man es müsste.» Zürich und Genf hätten sich in dem Bereich sehr stark entwickelt – «eine dritte Stadt braucht es eventuell nicht», sagt Schiesser. Für das Aus der Baselworld sei das Fehlen von Luxushäusern aber nicht verantwortlich.

Bordeaux für 500 Fr. statt ein günstiger Weisswein

Der mögliche Umsatzrückgang werde «einschneidend» sein. Für seine Hotels – dazu gehört auch das Airport Hotel – geht er von minus 10 Prozent aus. Schiesser erklärt, warum die Baselworld so wichtig ist für den Umsatz: «Es geht nicht um die Übernachtungen. Das Hotel kann man auch ohne Baselworld zu der Zeit zu 60 bis 70 Prozent füllen», sagt er. «Die Messebesucher geben mehr Geld aus. Anstatt ein normaler Weisswein wird ein Bordeaux für 500 Franken die Flasche bestellt.»

Die Baselworld war bisher finanziell mit Abstand die wichtigste Messe in Basel. Sie brachte jeweils eine Milliarde Franken Wertschöpfung. Schiesser sagt: «Während der Baselworld waren Hotels im Baselbiet, in Solothurn, in Lörrach ausgebucht. Eine Swissbau oder eine Igeho können das nicht aufwiegen.»

Mit dem Weggang der sechs grossen Marken sei bereits viel Prestige verloren gegangen, ist sich Schiesser sicher. «Dabei sind wir eine Messe- und Kongressstadt.» Eine Wandlung zur Richtung Freizeittourismus wäre «schwierig und langwierig». Gemäss Zahlen des Hoteliervereins macht das Messegeschäft rund 30 Prozent aus,
Geschäftsreisen 40 Prozent.