Als hätte eine Bombe eingeschlagen. So beschreibt Sandra Soland, Kommunikationsbeauftragte des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB), den Anblick, den das Areal des ehemaligen «Kispi» nach dessen Besetzung vom vergangenen Samstag bietet. «Wir sind schockiert. Jede Scheibe, jede Türe ist zerstört. Da war blinde Wut dahinter.» Auch Polizeisprecher Klaus Mannhart ist fassungslos: «Es ist schäbig, was hier passiert ist.»

Vor drei Tagen hat das anonyme Aktivisten-Netzwerk «DeRIVAt» das einstige Kinderspital besetzt. Was eine friedliche Aktion hätte sein sollen, endete in einer Katastrophe. Neben der Zerstörung stürzte vor Mitternacht ein 18-jähriger Partygänger aus dem Fenster (die bz berichtete) und verletzte sich schwer.

Unmittelbare Folge der Zerstörung: Das UKBB reicht Strafanzeige gegen Unbekannt ein. Es wurden brauchbare Medizinalgeräte zerstört, führt Soland aus. «Die Geräte wären in den nächsten Tagen nach Osteuropa, Marokko, Iran und Afghanistan weitergegeben worden.» Auch Immobilien Basel-Stadt hat einen Strafantrag wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gestellt.

«Geschehen hat Eigendanamik angenommen»

Eigentlich aber wollten die Organisatoren ein Ausarten dieser Art vermeiden. Kurz vor der Besetzung nämlich fragten sie Sibel Arslan, Grossrätin des Grünen Bündnisses, an, ob sie die Vermittleraufgabe zwischen Behörden und Aktivisten übernehme. «Ich habe am Nachmittag der Polizei die Anliegen der Aktivisten überbracht und umgekehrt», erklärt sie ihre Aufgabe. Dies sei friedlich vonstattengegangen.

Als Arslan am späten Abend noch einmal vorbeiging, habe sich die Situation vor Ort total verändert. «Das Geschehen hat eine Eigendynamik angenommen, die die Organisatoren nicht mehr im Griff haben konnten», erklärt die Grossrätin. Für die Zerstörung seien nicht die Aktivisten verantwortlich, sondern Partybesucher, die zu einem späteren Zeitpunkt hinzugekommen seien, ist sie überzeugt. «Diese Leute haben den politischen Gedanken mit dem Wunsch nach mehr Freiraum ausgeblendet.»

Gefahrenrisiko unterschätzt

Die Tatsache, dass unter anderem Arslan im Vorfeld von der «illegalen» Besetzung wusste, verärgert Polizeisprecher Klaus Mannhart. «Bei solchen illegalen Veranstaltungen spielt man mit der Masse, und Eingeweihte nehmen in Kauf, dass ein Unglück passiert.» Arslan hingegen weist diese Anschuldigung zurück, denn sie habe lediglich auf eine Anfrage reagiert. «Ich habe die illegale Party nicht befürwortet. Ich habe aber gespürt, dass die Organisatoren sich einen friedlichen Verlauf wünschen.» Und dafür trage sie als Volksvertreterin schliesslich die Verantwortung.

Dass die eigentlichen Besetzer das Gefahrenrisiko unterschätzt haben, dieser Meinung ist Stadtentwickler Thomas Kessler. Den Aktivisten hätte klar sein müssen, dass eine öffentliche Party Besuchermassen anziehen würde. Zwischen 2000 und 3000 Leute waren auf dem Areal. «Für eine solche Veranstaltung ist das Gebäude des ehemaligen UKBB zu riesig. Es ist mehrstöckig, verwinkelt und verfügt über Kellerräume.» Hätte er gewusst, dass eine Besetzung des UKBB geplant war, hätte er das Gespräch mit den Organisatoren gesucht und über die Risiken informiert. «Ich kann Klaus Mannharts Wut verstehen.»