Lange schwarze Haare, dunkel geschminkte Augen, exzentrischer Auftritt. Davon müsste es im Foyer des Musical Theaters nur so wimmeln. Weit gefehlt: Die Rocker - ältere Damen und Herren, aber auch Mitt-Dreissiger - tröpfeln nur langsam und spärlich herein. Man kann sie zwar an zwei Händen abzählen, aber ihre Erscheinung spricht Bände. Neben der schwarzen Haare und den geschminkten Augen tragen sie mit Nieten übersäte Lederjacken und auf ihren T-Shirts ist das schauerliche Gesicht von Alice Cooper aufgedrückt. Sie freuen sich auf ihr Idol: den 64-jährigen Rockmusiker.
Aber sie müssen sich gedulden. Zuerst betritt die Walliserin Stefanie Heinzmann die Bühne. Sieht man sich das Publikum an, könnte man meinen, 90 Prozent der Leute seien wegen ihr gekommen. Die 23-Jährige hat die Zuschauer sofort im Griff. «Es ist speziell für mich, die Vorband von Cooper zu sein. Ich hoffe, ihr habt trotzdem Spass. Ich werd' ihn haben.»

Stephanie Heinzmann im Vorprogramm

Heinzmanns Show ist temperamentvoll. Mit dem von Reggae angehauchten Song «Roots to grow» fordert sie das Publikum erstmals auf, mit den Plastik-Kerzen in der Hand aufzustehen und mitzuwippen. Die Leute bleiben ab dem Zeitpunkt stehen, tanzen, singen, klatschen, rufen ihr zu. Nicht viele Sänger schaffen es an der vornehmen Avo Session, dass das Publikum ab dem dritten Lied für Standing Ovations sorgt.

Wobei: Nicht alle erheben sich. Dies trotz Heinzmanns wuchtiger Stimme und ihrer überzeugenden wie humorvollen Show - ihr Lieblingskommentar: «So schön!» So etwa drei Männer, die dasitzen, ohne mit der Wimper zu zucken. Gekleidet sind sie durchschnittlich. Zu kurze Jeans, Hemd in der Hose, Schnauz. So als würden sie früh morgens übermüdet im Zug zur Arbeit fahren.
Nach einer tollen Performance folgt noch einmal ein Highlight. Stefanie Heinzmanns erfolgreiche Single «Diggin'» holt das Publikum aus allen Reserven. «Das absolut schönste Lied auf der Welt» ist ihre Zugabe: «I Want You Back» von den «Jackson 5».

Pause. Die Stimmung steigt im Foyer. Nähert man sich den Rockern, ist deutlich riechbar: Sie schwitzen vor Freude und Bier haben sie genug getrunken. Von der Decke im Saal hängt ein furchterregender Vorhang. Eine dunkle Höhle, auf einem Stock steckt ein Totenkopf, auf der Leinwand steht geschrieben: «Welcome to the nightmare express».

Pompöse Show

Ein massives E-Gitarren-Gewitter eröffnet Coopers Show, dann springt der Sänger auf die Bühne. Schwarz-rot gestreifter Anzug, Totenkopf-Gürtel, schwarze Handschuhe. Sein Äusseres ist furchterregend, aber harmlos im Vergleich zu dem, was er in der nächsten Stunde noch an- und auszieht. Er stimmt «House of Fire» an. In diesem Moment droht die Situation zu eskalieren. Die Rocker im Publikum stürmen nach vorne, die Securitas stellen sich vor die Bühne. Es stellt sich heraus: Die Jungs und Mädels wollen einfach in der ersten Reihe stehen und mitfeiern - mehr nicht. Für eine Überraschung sorgen die drei zuvor regungslosen Männer. Sie brüllen textsicher mit, bevor auch sie nach vorne stürmen.

Alice Cooper wirbelt seinen Gehstab durch die Luft und schleudert ihn ins Publikum. Die Special Effects - wie etwa Feuerregen - nehmen kein Ende. Cooper wechselt alle paar Minuten seine extravagante Kleidung. Mal trägt er einen goldenen Anzug mit dem passenden Zylinder, mal ist er rabenschwarz, dann erscheint er in einem blutverschmierten Arztkittel, dann in einer pinken Zwangsjacke. Grenzwertig - beim Publikum kommts an. Deswegen macht er im selben Stil weiter und lässt sich auf eine Bahre schnallen, die explodiert. Er verschwindet und erscheint wieder in überdimensionaler Grösse als gruselige Puppe. Auch eine Peitsche lässt er Richtung Gitarristen knallen.

«Welcome to my Nightmare», «Go to Hell», «Feed my Frankenstein» und zum Schluss «Poison». Alice Cooper bietet auf jeden Fall eine Show, die man nicht mehr vergisst.