Der Bau der 92 Meter langen imposanten römischen Badeanlage in Badenweiler begann 75 nach Christus. «Aquae Villae» (Wasserstadt) sollen die Römer damals den heutigen Kurort genannt haben. Ständig floss frisches, 26,5 Grad warmes Thermalwasser in die ein Meter tiefen Becken.

Man vermutet, dass Männer und Frauen damals getrennt das Bad benutzten. Grosse Teile der Ruhe- und Schwitzräume sind ebenso erhalten wie Reste einer Art Heissluftheizung, die ständig befeuert werden musste, um mit der Fussbodenheizung die technische Voraussetzung für das antike Thermalbad zu schaffen. Es muss auch ziemlich laut zu gegangen sein, wie Seneca in einem Brief an seinen Freund Lucilius klagte. Mit dem Ende des Römischen Reiches endete vorerst auch die Badekultur.

Spektakuläres Glasdach

Die Anlage wurde erst unter Markgraf Carl Friedrich von Baden 1784 wiederentdeckt und ausgegraben. Seit 2001 schützt eine spektakuläre Glasdachkonstruktion das Kulturdenkmal – die Besichtigung kostet zwei Euro, zudem werden regelmässig Führungen angeboten.

Ende des 19. Jahrhunderts entstand unweit der Ruine ein neues Thermalbad, das mehrfach ausgebaut wurde: die heutige Cassiopeia Therme. Sie wird von Gästen aus Frankreich sehr geschätzt. Ansonsten sind die meisten ausländischen Gäste Schweizer, die zudem auch oft in Badenweiler übernachten. Ein kleiner Tipp: Wer die Therme besucht, der muss die ersten drei Stunden im Parking Schlosspark nicht bezahlen.

Was 1758 mit der Pflanzung einer Nussbaumallee am Hang der Burgruine bescheiden begann, hat sich heute zu einem eindrücklichen Kur- und Schlosspark entwickelt. Aufgrund des milden Klimas wächst hier neben alten Eichen und Linden eine grosse Sammlung fremder Gehölze, darunter auch mächtige Mammutbäume.

Das Tourismusbüro, das sich im Kurhaus befindet (Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa/So 10–13 Uhr), gibt einen ausgezeichnet Plan zum Kurpark ab, auf dem neben Gebäuden auch die Standorte von 100 verschiedenen Bäume eingezeichnet sind. Auf der Rückseite werden in einem Botanischen Wegweiser zu jedem Baum Informationen zu Herkunft, Wuchs, Blättern und Blüten gegeben.

Unterhalb der Burgruine liegt der Hildegard-von-Bingen-Garten. Die Äbtissin lebte von 1098 bis 1179 und verfügte über ein umfangreiches Wissen in Heilkunde. Auf den Beeten entlang einer Stützmauer wird eine Vielfalt von über 100 Kräutern, Bäumen und Sträuchern gezeigt, deren Heilkräfte Hildegard von Bingen entdeckt und schriftlich festgehalten hat.

Wunderschöner Ausblick

Von der Burgruine hat man einen wunderschönen Blick auf den Ort, die Rheinebene und die Vogesen – der steile Aufstieg lohnt sich also. Der erhaltene Kern der Burg stammt noch aus dem frühen 12. Jahrhundert. Ursprünglich diente sie dem Schutz der umliegenden Silbergruben und kam 1503 in den Besitz des Markgrafen von Baden. 1678 sprengten französische Besatzer die Burg. Sie wurde nie wieder aufgebaut und erst 1982 und 2004 erneuert und saniert und so für den Tourismus nutzbar.

Im Kunst Palais, schräg gegenüber vom Kurhaus, finden regelmässig Ausstellungen und sonntags Matinées statt (www.kunstpalais-badenweiler.de). Leider ist das Café derzeit geschlossen.

Offen hat dafür das Café Grether, seit 1891 vor Ort. Die Patisserie liegt gegenüber der Thermen (Sofienstrasse 2) und bietet täglich ausser am Ruhetag Dienstag auch für 8.50 Euro ein Tagesmenu mit Beilage und Dessertüberraschung an.

Generell ist das kulinarische Angebot in Badenweiler eher durchschnittlich, was nicht schlecht heissen soll. Einer der Gesprächspartner nannte es «rustikal». In der Luisenstrasse 12, die vor der Cassiopeia Therme abgeht, befindet sich das chinesische Restaurant Mandarin, das von Montag bis Freitag günstige Mittagsmenus von acht bis neun Euro anbietet, am Abend allerdings kostet ein Gericht in der Regel schon das Doppelte.

Eine Alternative ist da eventuell La Bottega Toscana, Luisenstrasse 7. Hier bietet Fabio Vallini nicht nur italienische Feinkost, sondern auch die eine oder andere kleine warme Speise an.

Livemusik in Hotelbar

Einen Abstecher wert ist die Bar des Fünfstern Hotels Römerbad (Schlossplatz 1), das einen Hauch von altem Luxus atmet und dabei sehr vertretbare Preise hat. So kostete ein frisch gepresster und schön servierter Orangensaft gerade 4.50 Euro. Die Bar ist täglich von 12 Uhr bis Mitternacht und am Wochenende auch länger geöffnet. Ab 22 Uhr gibt es Piano-Livemusik. Offiziell heisst das Hotel von 1825 nun Panacée, Grand Hotel Römerbad. Im Oktober 2013 wurde es von einem thailändischen Investor gekauft. Laut dem freundlichen Herrn vom Empfang sind die finanziellen Sorgen von früher Geschichte und es wurde bereits in die Erneuerung von Zimmern investiert.

Wer mit dem Auto unterwegs ist und Richtung Kandern zurückfährt, sollte im Ortsteil Sehringen Station machen. Hier gibt es im Café & Bistro Mondweide (beim Restaurant Grüner Baum die Strasse hoch und dann rechts) feine Kuchen und auch einige warme Gerichte wie verschiedene Quiches. Am Mittag hat die Mondweide meistens zu (offen Do 17–22 Uhr, Fr/Sa 14–22 Uhr, So 10–18 Uhr).

Mit dem öV die Regionalbahn Richtung Freiburg bis Müllheim nehmen und dort in den Bus 111 umsteigen (www.rvf.de).

Mit dem Auto ist die kürzeste und schönste Strecke über die A98 Richtung Lörrach, Ausfahrt Kandern, dann Richtung Badenweiler. Für die gut 30 Kilometer benötigt man 45 Minuten. www.badenweiler.de