Coronavirus

Schon dieses Wochenende wird eine Bewährungsprobe: Warum Ostern die Behörden nervös macht

Einigermassen beruhigende Nachrichten per Videokonferenz: Kantonsarzt Steffen und Gesundheitsdirektor Engelberger.

Einigermassen beruhigende Nachrichten per Videokonferenz: Kantonsarzt Steffen und Gesundheitsdirektor Engelberger.

Die obersten Basler Coronabekämpfer geben sich zwar zuversichtlich – warnen aber auch vor Nachlässigkeit.

Der Zeitpunkt für die grosse Tele-Medienkonferenz des Basler Gesundheitsdepartements war nicht zufällig gewählt: Es naht der Frühling, es nahen die Ostertage. Deshalb wurden die obersten Coronabekämpfer des Stadtkantons unter Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) gestern nicht müde zu betonen, dass die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus von der Bevölkerung weiterhin strikt eingehalten werden müssen. «Wir können keine Entwarnung geben», sagte beispielsweise Kantonsarzt Thomas Steffen. «Würden wir jetzt in unseren Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie nachlassen, wäre ein exponentielles Wachstum weiter möglich», so Steffen.

Schrittweise mehr Intensivbetten

Es gab anderseits aber auch viel Positives zu hören. Zunächst das Lob an die Bevölkerung aus dem Mund des Gesundheitsdirektors: «Durch Basel ist ein Ruck gegangen», sagte Lukas Engelberger. Die Methode des Social Distancing funktioniere weitgehend, die Wachstumskurve des Virus flache ab.

Gleichzeitig konnte Engelberger vermelden, dass die Spitäler gut vorbereitet seien: Der Kapazitätsausbau funktioniere, die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Spitälern klappe reibungslos. «Wir haben für alle Patienten mit dringendem Bedarf ein Spitalbett», sagte Engelberger – und meinte damit alle Patienten, nicht nur die am Coronavirus Erkrankten.

Auch Peter Indra, Leiter Gesundheitsversorgung der Basler Spitäler, kann angesichts der aktuellen Entwicklung seinen Teil zur Beruhigung beitragen: Die Anzahl der Beatmungsplätze für Coronapatienten werden in Basel aktuell 20 zusätzliche Intensivbetten mit Beatmungsgeräten bereitgestellt. Diese Kapazitäten können stufenweise auf 70 erhöht werden und befinden sich grösstenteils im Universitäts- und im Claraspital. In den anderen privaten und öffentlichen Spitälern stünden insgesamt 650 Betten in Isolierstationen, die für Coronapatienten reserviert sind. Gestern befanden sich 117 Personen wegen des Virus in einem Basler Spital in Pflege, 16 davon auf der Intensivstation. Peter Indra warnte aber auch: Je mehr Betten belegt sind, desto länger würden die Schichten für die Pflegerinnen und Pfleger.

Mehr jüngere Betroffene als zu erwarten war

Selbst von Seiten der Polizei gab es positive Signale. Kommandant Martin Roth sagte, der Grossteil der Bevölkerung halte sich an die Vorgaben zur Eindämmung des Virus. Seit März mussten die Ordnungshüter 70 Bussen à 100 Franken aussprechen. Laut Roth funktioniert die «soziale Kontrolle» in der Bevölkerung gut. Sprich: Es melden sich «zahlreiche Personen», die auf Verstösse gegen das Versammlungsverbot hinweisen. Über die Ostertage wird die Polizei, so Roth, vor allem in der Basler Innenstadt grosse Präsenz zeigen. Dieses Wochenende wird, angesichts der guten Wetterprognosen, quasi zum Testlauf für die Feiertage.

Im Gespräch mit dieser Zeitung weist Kantonsarzt Thomas Steffen auf eine «Basler Besonderheit» hin: Unter den Corona-Infizierten befänden sich mehr jüngere Personen unter 50 Jahren «als zu erwarten gewesen wäre». Steffen führt das dies darauf zurück, dass Mailand oder Strassburg, zwei vom Virus stark betroffene Städte, beliebte Ausflugs- und Reiseziele gewesen seien. Zudem werde in Basel mehr als an anderen Orten getestet. Entsprechend würden mehr leichtere Fälle unter tendenziell jüngeren Personen festgestellt.

Danach gefragt, ob sich bei den in Basel positiv Getesteten gewisse Muster der sozialen, kulturellen oder geografischen Herkunft erkennen liessen, verneint Steffen. Das Virus sei für eine solche Analyse zu hoch ansteckend und verbreite sich zu rasch. Rückblickend gesehen sei es «ein grosses Glück», dass die Behörden die Basler Fasnacht abgesagt haben. Auch deshalb sei die Region Basel möglicherweise bisher «kein grosser Coronaherd» geworden.

Corona-Infektionen in der Krisenorganisation

Nach der gestrigen Medienkonferenz wurde ausserdem bekannt: Mehrere Mitglieder der Kantonalen Krisenorganisation Basel-Stadt (KKO) sind am Coronavirus erkrankt. Dies bestätigt Polizeikommandant und Krisenstableiter Martin Roth auf Anfrage. «Wir haben auch viele Personen mit Kundenkontakt bei uns», sagt er. Da seien Fälle zu erwarten gewesen. Mitarbeiter, die mit den infizierten Personen direkten Kontakt gehabt haben, müssen für fünf Tage in Quarantäne. Die Arbeit des Krisenstabs sei aber aufgrund der Fälle nicht beeinträchtigt, so Roth. «Alle Funktionen haben Stellvertretungen.» Bei den Sitzungen, an denen jeweils 20 bis 30 Schlüsselpersonen teilnehmen, würden immer zwei Meter Abstand eingehalten. «Wir versuchen ausserdem, persönliche Treffen aufs Nötigste zu beschränken und Vieles mit Videokonferenzen zu besprechen», sagt Roth. Beim Baselbieter Krisenstab gab es bisher noch keine Fälle. 

Verwandte Themen:

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

Meistgesehen

Artboard 1