Catch-a-Car
Schon über 1000 Basler schnappen sich das Mietauto im Minutentarif

Seit drei Monaten führt Mobility das Angebot Catch-a-Car, bei dem das Fahrzeug im Gegensatz zum traditionellen Mobility-Angebot überall in der Stadt abgestellt werden kann. Das Angebot kommt an, die Kundenzahl liegt bereits im vierstelligen Bereich.

David Egger
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Catch-a-Car-Wagen beim Wettsteinplatz in Basel.

Catch-a-Car-Wagen beim Wettsteinplatz in Basel.

Juri Junkov

Er glänzt weiss. An seinem Heckspiegel baumelt weder ein Duftbäumchen noch ein FCB-Wimpel. Und zwischen den Vordersitzen liegt nicht einmal eine Kaugummipackung. Der VW up! steht leer auf dem Parkplatz auf der Gundeldinger Seite des Basler Bahnhofs SBB. Auf der Motorhaube steht in einer Sprechblase: «Für CHF 0,37/Min gehöre ich dir!» Der Wagen Nummer 28 von Catch-a-Car wartet auf seinen nächsten Fahrer, an der Windschutzscheibe blinkt grün ein Empfänger, der die Kundenkarten erkennt und so die Türen aufschliesst. Sein Bruder Nummer 56 steht an einem besseren Ort: Am Wettsteinplatz steigt eine Frau in das Auto ein.

Nummer 28 und 56 sind zwei von hundert Wagen, die seit 25. August herumstehen oder fahren, im Rahmen des Pilotversuchs Catch-a-Car der Mobility-Genossenschaft. Die Benutzer der weissen VWs dürfen die Vierplätzer auf allen Anwohnerparkplätzen der Stadt Basel abstellen, im Gegensatz zu den roten Mobility-Autos mit ihren festen Parkplätzen. Das Angebot stösst auf Gegenliebe.

25 000 Franken Anmeldegebühren

«Im vierstelligen Bereich» liegt mittlerweile die Kundenzahl von Catch-a-Car, wie der Pressesprecher der Mobility-Genossenschaft, Patrick Eigenmann, auf Anfrage der bz sagt. Aus den drei zitierten Worten lässt sich herauslesen, dass der Pilotversuch auf gutem Weg ist: Seit Projektstart haben sich bei Catch-a-Car mindestens tausend Kunden angemeldet. Laut Eigenmann nehmen die Kundenzahlen weiter zu. Sie liegen «über den Erwartungen». Die Neukunden bringen Geld: Geht man – vorsichtig – von tausend Anmeldungen aus, hat die Catch a Car AG innert dreier Monate mindestens 25 000 Franken einmalige Anmeldegebühren eingenommen. Das ist ein Start nach Mass.

Zufrieden ist Mobility auch damit, wie die hundert Wagen des Typs VW up! über die Stadt verteilt sind, was wegen der freien Wahl des Abstellplatzes nicht selbstverständlich ist. «Die Autos stehen dort, wo die Kunden sie brauchen», sagt Eigenmann.

Im Bachletten besonders beliebt

Zum Thema wurde die Verteilung der Autos, nachdem «20 Minuten» die Standorte der Autos analysierte. Die VWs würden auf dem Villenhügel statt im Arbeiterquartier stehen, also auf dem Bruderholz statt in Gundeldingen, schrieb die Pendlerzeitung. Allerdings ist die Verteilung der Autos so beweglich wie die Autos selbst: Am Donnerstagabend um 17 Uhr war das Bachletten-Quartier das Königreich von Catch-a-Car: 20 der weissen Autos standen dort. 14 der Autos standen zur gleichen Zeit auf dem Bruderholz, fünf waren es derweil im Gundeli. Dort scheinen die Vehikel mit manueller Fünfgangschaltung in der Tat nicht in Mode zu sein.

Dafür sind laut Eigenmann mehrere Gemeinden in der Region Basel daran interessiert, dass das Geschäftsgebiet auf sie ausgeweitet wird. Welche das sind, will Eigenmann nicht verraten. Aber die Verhandlungen laufen. Sicher ist, dass der Allschwiler Gemeinderat bereits vor Monaten sein Interesse bekundet hatte. Doch dort muss zuerst das Volk über das neue Parkraumkonzept abstimmen.

Die Catch a Car AG mit Sitz in Luzern zahlt für jedes ihrer Autos jährlich 560 Franken an den Kanton, damit die Kunden diese auf den blauen Parkplätzen der Stadt abstellen dürfen. Das macht insgesamt 56 000 Franken. Dafür reichen die einmaligen Anmeldegebühren nicht. Die Autos müssen genutzt werden. Wie oft das geschieht, gibt Mobility frühestens Ende August 2016 bekannt, wenn die Pilotphase abgeschlossen ist. Geplant ist eine wissenschaftliche Studie, die vom Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich erstellt wird. Je nach Studienresultat sollen die VWs von Catch-a-Car künftig auch in anderen Schweizer Städten verkehren – nach Basler Vorbild.

800 000 Franken vom Bund

Auch das Bundesamt für Energie hat grosses Interesse am Projekt. Über die Plattform Energie Schweiz hat es Catch-a-Car mit 800 000 Franken unterstützt, wie die «Handelszeitung» im Juni berichtete. Eigenmann bestätigt diese Angabe. Auch die Firmen Allianz, Amag und die SBB unterstützen die Catch a Car AG. Diese ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Mobility-Genossenschaft.

Aktuell lassen sich die Autos über Smartphones mit Apple- oder Android-Betriebssystem sowie über den Computer buchen. Eine App für Windows-Phone, wie sie zum Beispiel der Taxi-Konkurrent Uber anbietet, ist nicht geplant.

Das Angebot lohnt sich in erster Linie für Kurzstrecken. So ist es zum Beispiel nicht attraktiv, mit einem der weissen VWs shoppen zu gehen: Kommt man aus dem Geschäft zurück auf den Parkplatz, könnte das Auto wieder weg sein. Will man das nicht, zahlt man für jede Minute, in der das Auto rumsteht, 27 Rappen. Das ist mehr als dreimal so viel, wie ein Kurzzeitparkplatz am Euro-Airport kostet. Das teure Parkieren ist der grosse Nachteil der Catch-a-Car-Wagen. Bei Mobility-Wagen fallen eher die Kilometer ins Gewicht.