Baloise Session
Schottische Band Texas um Frontfrau Sharleen Spiteri gibt klar den Ton an

Die schottische Band Texas brach am Samstagabend in der Messehalle die Herzen und die Zurückhaltung des Publikums. Die 45-jährige Frontfrau Sharleen Spiteri ist ein Energiebündel und rockt die Bühne

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Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri bringt von Anfang an viel Energie mit auf die Bühne.

Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri bringt von Anfang an viel Energie mit auf die Bühne.

bz

1989 ist das Zauberwort: Kaum hat Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri in den Saal gerufen: «kommt mit zurück ins Jahr 1989», wandelt sich die Stimmung komplett. Endlich sieht die Sängerin das Publikum vor sich, das sie sich von Anfang gewünscht hat: stehend, mitklatschend, mitwippend, mitsingend.

Immer wieder hat sie zuvor versucht, die Zuhörer von den Stühlen zu reissen, auf dass während der Songs und auch dazwischen brodelnde Konzertatmosphäre herrsche. Doch keine ihrer höflichen bis nicht mehr so höflichen Sticheleien hat Erfolg gezeigt. Dabei hat die schottische Band von Anfang an mit ihren ansteckend melodiösen Popsongs überzeugt, in denen Sharleen Spiteris Stimme klar den gefühlvollen Ton angibt.

Doch offenbar sind die Songs vom neuen, dieses Jahr veröffentlichten Album «The Conversation» noch nicht so bekannt. Dabei passt zum Beispiel gerade «Detroit City» zu diesem sommerlichen Tag in der Stadt. Auch auf die ersten Takte von «In Our Lifetime» - ein grosser Hit von Texas um die Jahrtausendwende - wird nicht gross reagiert.

Die Songs des Debütalbums ziehen

Dabei ist Spiteri nun so richtig in Fahrt. Die 45-Jährige ist ein Energiebündel und rockt die Bühne, ob mit «Big World» oder «I've got a Feeling». Eindrücklich aber auch das ruhigere «Dry Your Eyes», das laut Spiteri nach einer Nacht voller Alkohol und Gesprächen rund um Scheidung entstanden ist. Die sechs männlichen Bandmitglieder bleiben mehr oder weniger im Hintergrund und sorgen für den satten Sound.

Und dann gibt die Sängerin das Stichwort 1989: das Jahr, als das Debütalbum «Southside» veröffentlicht worden ist. Das Publikum wird wieder jung und springt, wie auf Kommando auf, als «I Don't Want a Lover» ertönt.

Dies war die erste Single der Band. Die Zuhörer erkennen dann auch wieder die Kirchenglockeneinlagen von «Summer Son» und lassen sich davon gar zum Hüpfen verleiten. Nun funktionieren sogar spätere Songs wie «Black Eyed Boy». Zweimal lässt sich Texas zum Schluss herausklatschen. Dies dürfte Sharleen Spiteri mit dem Basler Publikum versöhnt haben.

Hepburn: zu wenig Bühnenpräsenz

Bescheidener gibt sich Alex Hepburn - und meint schon in der Mitte ihres Auftritts: «Jetzt fühlt es sich an wie ein Gig.» Obwohl es bei ihr deutlich ruhiger im Saal bleibt. Das hat unter anderem mit ihrer Bühnenpräsenz zu tun, an der die Debütantin, die im Frühling ihr erstes Album herausgegeben hat, noch arbeiten muss.

Im Gegensatz zur quirligen Spiteri wirkt die fast zwanzig Jahre jüngere Londonerin, die aber ebenfalls schottische Wurzeln hat, zu behäbig, eher wie eine ältere Diva.

Zudem ist ihre Musik relativ düster: Sie singt von den Schattenseiten des Lebens und schwankt stilistisch zwischen Blues, Rock und Soul. Doch mit ihrer markanten Stimme - die schon mit jener von Janis Joplin verglichen worden ist - bringt sie den Schmerz ihrer Songs wunderbar zum Tragen.

Da vergisst man alles rundherum und schwelgt in den Emotionen. Beinahe zu Tränen gerührt lauscht man dem letzten Song «Angelina», der eigentlich hätte «Angel» heissen sollen, wie die Künstlerin erklärt, und in dem sie ihres verstorbenen Vaters gedenkt.

Alex Hepburn - übrigens schön unterstützt von zwei Background-Sängerinnen - gefällt besonders mit ruhigen Versionen von «Broken Record», «Under» und «Pain Is». Sie zeigt mit Neneh Cherrys «Woman», dass sie auch andere Songs wunderbar interpretieren kann. Schade, dass an diesem Abend der Sound manchmal etwas zu laut ist. Ein bisschen weniger hätte die musikalischen Feinheiten sowohl von Hepburn als auch von Texas besser erklingen lassen.