Machtkampf

Schüler des KV Basel: «Es herrscht eine Scheissegal-Stimmung»

«Kein abwechslungsreicher Unterricht»: KV-Schüler beklagen das schlechte Lernklima am KV.

«Kein abwechslungsreicher Unterricht»: KV-Schüler beklagen das schlechte Lernklima am KV.

Lehrlinge registrieren die Unruhen an ihrer Schule – diese beeinflussen die Unterrichtsqualität.

Nach den Berichten der bz über die Zustände am Basler KV meldeten sich mehrere Schülerinnen und Schüler. Der Grundtenor: Die schlechte Stimmung in einem grossen Teil des Kollegiums übertrage sich auch auf den Unterricht. Die Rückmeldungen aus der Schülerschaft sind jedoch differenziert. Sie schlagen sich weder auf die Seite der aufständischen Lehrer noch auf jene der Schulleitung.

Alle aber reden von einem Machtkampf zwischen diesen beiden Lagern, in dessen Mitte sich die Schüler vernachlässigt sehen. In mehreren Müsterchen aus dem Schulalltag schildern die Schüler, wie ihnen die Ansprechpersonen für ihre Bedürfnisse fehlen. «Ich hatte ein Problem mit dem Abschlusszeugnis, das die Schule so nicht anerkennen wollte. Die Lehrer gaben mir zwar recht, wollten sich aber aus Angst vor der Schulleitung nicht für mich einsetzen», erzählt ein Schüler. Also habe er sich mit seinem Anliegen an die Leitung gewandt, wo er sich aber nicht ernst genommen fühlte. Ein anderes Mal ging es um eine nachzuholende Prüfung, dann wieder um fehlende Unterlagen. In einem Fall soll eine Lehrerin in der letzten Stunde einen Film gezeigt haben, was die Schulleitung unterbrach und dabei die Lehrerin vor versammelter Klasse zusammenstauchte.

Seit einigen Wochen macht sich zudem eine neue Haltung unter den Lehrern beliebt: Möglichst unter dem Radar der Schulleitung zu fliegen. «Die Lehrer tun alles, um nicht aufzufallen», sagt ein Schüler. In einem Fach sieht der Unterricht deshalb immer gleich aus: Buch aufklappen, Text lesen, dann Aufgaben lösen. «Da könnten wir gleich zu Hause bleiben.» Es herrsche eine «Scheissegal-Stimmung», pflichtet ihm ein anderer Schüler bei. Das hat einen Grund: Im Januar gab Rektorin Marianne Schneider bekannt, dass sie nächstes Jahr pensioniert werde. «Nun sitzen die Lehrer ihre restliche Zeit ab, nach dem Motto: Schauen wir mal, was danach kommt», sagt ein Schüler. Bemängelt wird auch, dass durch die Strukturen am KV die Fluktuation der Lehrkräfte zugenommen habe. «Damit müssen wir uns immer wieder an neue Lehrer gewöhnen, Kontinuität ist damit nicht gewährleistet.» Auch die Schüler spüren indes den Spardruck: «Früher hatten wir bei Ausfällen eine Aushilfe – heute fallen manche Stunden einfach ganz aus», sagt ein Schüler.

Es ist eine ungute Entwicklung. Denn bereits so hat das KV ein Qualitätsproblem. «Die Durchfallquoten der HKVBS sind im schweizerischen Vergleich im B- und M-Profil durchschnittlich und in der EBA und im E-Profil am höchsten», heisst es in einem internen Dokument vom Januar, das der bz vorliegt. Dies lässt sich zwar relativieren, denn «in städtischen Gebieten ist die Gymnasialquote höher, entsprechend ist der Anteil der starken Schüler kleiner als auf dem Land», erklärt Dorothea Tiefenauer, Sprecherin des kaufmännischen Verbandes Schweiz. Dennoch: Dass das Basler KV nicht die gewünschte Leistung hervorbringt, hat auch die Schulleitung erkannt. Sie reagiert darauf mit zwei Massnahmen: «Um dies zu verbessern, müssen die 1. – 3. Semester im E-Profil schärfer benotet werden», heisst es im Protokoll einer Lehrerkonferenz vom 18. Januar dieses Jahres.

«Wie in der DDR»

Zudem will die Schulleitung das Kollegium stärker überwachen. Zwischen März und April will Schneider offenbar Klassenbesuche durchführen. Geplant sind Gespräche mit den Schülern – die Lehrer müssen dabei allerdings draussen bleiben, wie sie sich in einem Brief an die bz mit dem dramatischen Titel «Zustände wie in der DDR» beklagen. Thema der Unterredungen zwischen Schulleitung und Schülerschaft sind «Rückmeldung zu Lernerfolg in der Klasse», «Disziplin in der Klasse», aber auch «Wohlfühlen an HKV» und «Rückmeldung an Schulleitung allgemein». Damit dürfte das Klima am Basler KV noch frostiger werden. Bereits letzte Woche hat die bz berichtet, wie sich manche Lehrer ungerecht behandelt fühlen. Schulleiterin Marianne Schneider würde kritische Lehrer bei der Pensenverteilung benachteiligen. Zudem habe sie die Wege, sich über die Zustände zu beschweren, blockiert. Schneider konterte die Vorwürfe und führte die Unstimmigkeiten auf Massnahmen zurück, die sie aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation treffen müsse. Sie war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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