Erst hatte Martin Reidiger gar nicht übersetzen wollen. Der Rheinpegel ist seit Tagen zu tief, um sicher von einem Ufer ans andere zu gelangen, ohne wie wild rudern zu müssen. Mit einem vollen Boot, dachte der Fährimaa, könne es aber klappen. Es klappte schlecht: Wenige Meter vor dem Ziel machte die Fähre keinen Wank. Die Schulklasse an Bord wurde bereits ungeduldig. Da lief Berufskollege Markus Schneider zufällig vorbei und erkannte die missliche Lage des Fährimaas. Als Immer-Schwimmer packte Schneider beherzt seine Badehose aus und stieg in den Rhein. Mit einem Weidling überbrückte er von der Fähri zum Steg und liess die Schüler hinüber zum Ufer laufen.

Diese Szene hat sich vergangene Woche zugetragen. Sie steht beispielhaft für die Situation, wie sie sich derzeit am Basler Rhein präsentiert. Es hat zu wenig Wasser. Besonders blöd trifft es die Wildmaa-Fähre zwischen Solitude und St. Alban. Der Grund dafür liegt am Boden des Rheins: Die Schweizerischen Rheinhäfen und das Basler Tiefbauamt baggern derzeit die Schifffahrtsrinne aus. Mit dem Aushub gestalten sie die Uferzone um. Dabei sollen Buhnen und Inseln für die Fische, für die Sonnenanbeter hingegen ein kleiner Strand entstehen. Den Projektverantwortlichen war bewusst, dass diese Umgestaltung den Flusslauf in der Uferzone verändern wird, sie suchten deshalb im Vorfeld das Gespräch mit verschiedenen Nutzern. Doch mit diesen Auswirkungen hatte wohl niemand gerechnet.

Pläne zeigen die geplanten Buhnen im Kleinbasel. bz-Archiv/BVD

Pläne zeigen die geplanten Buhnen im Kleinbasel. bz-Archiv/BVD

Rund vierzig Meter oberhalb des Fähristegs auf Kleinbasler Seite befindet sich eine dieser kleinen Buchten. «Das führt zu einem Widerwasser. Im Moment bleibe ich etwa 30 Meter vor dem Steg stehen», sagt Fährimaa Reidiger. Mehrere Tage konnte er deshalb seinen Dienst nicht anbieten, auch gestern fuhr die Fähri nicht. «Vergangene Woche war katastrophal», pflichtet ihm Schneider bei. Zwar spürten auch die anderen Fähren die Auswirkungen der Trockenheit, doch keine so krass wie die Dalbefähri.

Ausfallentschädigung oder nicht?

Das zuständige Baudepartement hat von der Lage Notiz genommen. «Das aktuelle Problem ist bekannt und wird genau beobachtet», sagt Sprecher André Frauchiger. Das Tiefbauamt glaubt, dass sich die Situation mit dem Ende der Bauarbeiten im November wieder entspanne. Wirklich mit diesen Auswirkungen rechnen konnte wohl niemand, zumal sich die anhaltende Trockenheit nicht prognostizieren liess. Entsprechend macht sich das Tiefbauamt auch keine Vorwürfe. Auf die Frage, ob man solche Konsequenzen vorausgesehen habe, antwortet Frauchiger: «Der Fähriverein war Teil der Begleitgruppe der Kiesschüttungen. Er hat in diesem Gremium seine Anliegen eingebracht. Sie wurden bei der weiteren Planung berücksichtigt.» Widersprüchliches ist zu hören, wenn es um Reidigers Entschädigung durch den Betriebsausfall geht. Der Fährimaa sagt, das BVD habe ihm eine solche in Aussicht gestellt. Frauchiger dementiert eine Nachfrage der bz mit «grundsätzlich nein».

Vor einem Jahr machte die «Schweiz am Wochenende» das Unterfangen als Vorzeigeprojekt bekannt, das auf elegante Weise mehrere Probleme gleichzeitig löst und Fische wie Fischer, die Schifffahrt und Rheinschwimmer gleichermassen befriedigt. Inzwischen scheint die Ausbaggerung der Schifffahrtsrinne jedoch seit einigen Wochen vom Pech verfolgt. So verzögerte sich im Sommer der Start der Arbeiten gleich zweimal. Erst fehlte beim dieselbetriebenen Bagger der Partikelfilter. Und als es dann endlich losgehen konnte, hing die Hydraulik kaputt.