Spass und Hitze passen prima zusammen. Während sich Erwachsene bei guten 30 Grad zufächeln, herrscht am Sonntagnachmittag in der Unterführung Schützengraben/Schützenmattstrasse eine Stimmung zwischen Baustelle und Schulhof. Der Eingang Schützengraben, der bisher eher an ein dunkles, miefendes Loch erinnerte, wird bunt.

Jamiro, Noah, Anand, Marius und Luca füllen Flächen, ziehen Linien nach und schieben zwischendurch zum Durchatmen die Masken auf die Stirn. Die bunte Graffiti-Figur «Superlisapotter 11», an der fünf 11- bis 13-Jährige mit Spraydosen arbeiten, ist ein Projekt der Abteilung Gleichstellung des Präsidialdepartements Basel und am Sonntagnachmittag noch am Entstehen. Eine Mischung aus Harry Potter, Superwoman, Fussballgott und Comicfigur nimmt Form an.

«Ihr seid eine Crew»

Die Konturen hat die Graffitikünstlerin Merlina vorgegeben, welche die Figur mit den Kindern erarbeitet hat, der Rest ist Teamarbeit. «Ich habe ihnen gesagt: Ihr seid eine Crew. Ihr macht das zusammen», erklärt Merlina später. Wer was macht, ist nicht abgesprochen, die Zusammenarbeit klappt trotzdem problemlos.

«Kopf, Hals, Arme, Mund…» Nach kurzem Wortgewirr kommt der Reihe nach, wer was beigetragen hat. Das Superfrauen-Trikot ist rot-blau. FC Basel, oder? Nein, Neymar da Silva vom FC Barcelona, gekennzeichnet mit der Nummer 11. Muss man wissen.

Bei der Frage, warum sechs Jungs eine Frau porträtieren und weshalb das Gesicht der Figur an Lisa Simpson erinnere, wird resolut das Wort abgeschnitten. «Egal, ob Mann oder Frau, beide können cool sein», findet Anand. «Nervig können beide sein», ergänzt sein Kumpel und nickt. Projektleiterin Michela Seggiani, die vorbeigekommen ist, um das Graffiti im Entstehen zu beobachten, grinst vom Zuschauerplatz auf der Unterführungstreppe. Alles richtig gemacht.

Farbe schon eingetrocknet

Merlina streckt eine farbbekleckste Hand entgegen. «Wir machen jetzt eine kleine Pause», verkündet sie der Graffiti-Gruppe, «und nachher mit Volldampf weiter.» Gelernt, erklärt die gebürtige Baslerin, hätten ihre Schüler eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass man nicht einfach so drauflossprayen kann, dass es beim Sprayen verschiedene Düsen, die «Caps» und verschiedene Geschwindigkeiten gibt und dass die Farbe leicht verläuft. «Das langt mit Gelb, sonst tropf es!», ruft sie, denn genau das ist gerade fast passiert – die Ansage mit der Pause hat nur halb geklappt. Als nächstes pustet Merlina eine «Cap» frei, eine andere lässt sich nicht mehr retten, weil die Farbe schon eingetrocknet ist.

Was Chancengleichheit bedeutet, wüssten die Kinder überraschend genau, berichtet Marisa Rigas von der Abteilung Gleichstellung, welche die Gruppe angeleitet hat. Vom gegenseitigen Respekt über die grausame Behandlung von Homosexuellen in anderen Ländern bis zur Verteilung in der Arbeitswelt. Das Fazit der Gruppe: «Verschiedene Leute haben verschiedene Fähigkeiten.»

Ganz fertig ist die mutige Superlisa mit dem Zauberstab noch nicht, am nächsten Samstag wird weitergesprayt. Ab 17.30 Uhr wird das Kunstwerk dann mit einer Vernissage feierlich eingeweiht.

Vernissage «Superlisapotter 11» Samstag, 17. September, 17.30 Uhr