Sicherheit

Schützenmatte: Der Park mit den zwei Gesichtern

Nachts kann es im Schützenmattpark ungemütlich werden.Juri Junkov

Nachts kann es im Schützenmattpark ungemütlich werden.Juri Junkov

Am Tag ist der Schützenmattpark bevölkert von spielenden Kindern und flanierenden Spaziergängern. Wenn es dunkel wird, ist der Park alles andere als gemütlich. Zwei Sexdelikte innert einer Woche werfen Fragen zur Sicherheit in der Schützenmatte auf.

Am Tag bevölkern lachende Kinder, entspannte Zeitungsleser und picknickende Müssiggänger die Schützenmatte im Basler Bachletten-Quartier. Wenn die Sonne untergeht, kann es im beliebten Stadtpark aber ungemütlich werden.

Regelmässig kommt es zu Überfällen und Gewaltakten. Letzte Woche wurde eine junge Frau nachts auf dem Heimweg von zwei Männern vergewaltigt, die sich im Gebüsch versteckt hielten. Gleichzeitig ist die Schützenmatte ein beliebter Treffpunkt der Basler Schwulen, die selber immer wieder Opfer von Straftaten werden.

Sicherheit ist vieldiskutiertes Thema

Das Problem ist bekannt: «Wir verfolgen die Sicherheitslage im Park sehr genau», sagt Johanna Gloor-Bär, Co-Präsidentin des Quartiervereins Bachletten-Holbein. Im Verein habe man die Sicherheit des Parks schon oft diskutiert und auch, ob man sie in der Quartierzeitung thematisieren wolle.

Doch: «Wenn man ein Problem öffentlich macht, erwarten die Leute auch eine Lösung. Aber die zu finden, ist schwierig», bedenkt Gloor-Bär.

Basel steht nicht alleine da

«Wo Dunkelheit ist, gibt es Leute mit unlauteren Absichten», sagt auch Peter Gill von der Basler Staatsanwaltschaft, «wir haben immer wieder Probleme in den Parks.» Er betont, dass unsichere Parkanlagen kein spezifisches Basler Phänomen seien, sondern ein generelles.

Auch sei die Schützenmatte nicht krimineller als andere Grünflächen in der Stadt. Doch: «Die Schützenmatte ist halt ganz offen», sagt Gill. Anders als etwa beim Kannenfeldpark gibt es keine eingrenzende Mauer, weshalb der Park von allen Seiten zugänglich ist.

Gegen mehr Polizisten

«Es wird schon patrouilliert, aber wir können nicht einen Polizisten die ganze Nacht in einen Park schicken», sagt Gill. Und auch die Dunkelheit sei ein Problem, das sich nicht so einfach lösen lässt: «Man kann den Park nicht beleuchten wie ein Stadion.»

Das sieht auch Quartierpräsidentin Gloor-Bär so. Eine bessere Beleuchtung des Parks habe man schon als mögliche Massnahme diskutiert. Aber: «Das ist schlecht für die Umwelt.» Auch Sicherheitskameras oder eine stärkere Polizeipräsenz stossen im Quartierverein auf Skepsis. «Das schreckt die Schwulen im Park ab», meint Gloor-Bär, «Für die muss es schliesslich auch Platz haben. Wir sind sonst schon ein eher ruhiges Quartier.»

Bessere Sicht ermöglicht

Trotzdem bleibt der Verein am Thema dran. So hat dieser etwa mit der Basler Stadtgärtnerei Kontakt aufgenommen. Diese hat Massnahmen ergriffen, um die Sicht im Park zu verbessern. «Wir haben ältere grössere Eichen herausgenommen, die undurchsichtig sind», sagt Grünflächen-Leiterin Yvonne Aellen. Ausserdem seien jeden Morgen Stadtgärtnerei-Mitarbeiter im Park, um die Hinterlassenschaften der Nacht zu beseitigen, bevor die Kinder kommen: «Wir räumen viel Müll weg, aber auch Spuren der Homosexuellen-Szene, wie etwa gebrauchte Kondome.»

Schnell ändern wird sich die Situation auf der «Schütze» also nicht. Staatsanwaltschaftssprecher Gill rät deshalb: «Grundsätzlich sollte man nachts nicht in die Parks gehen.» Das gelte sowohl für Frauen als auch für Männer, denn «Männer werden häufiger überfallen». Wenn man auf dem Heimweg sei, «soll man einfach aussen vorbeilaufen.»

Auch im Quartier weiss man das: «Wir sagen unseren Kindern, dass sie abends nicht im Park abmachen sollen», sagt Johanna Gloor-Bär. Sie nimmt es gelassen: «Der Park hatte schon immer zwei Gesichter.»

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