Strafgericht

Schuldspruch: Basler Kadermann der Bank Coop verurteilt

Ein hoher Kadermann der Coop Bank hat über Monate hinweg einen Anlagebetrüger gedeckt.

Ein hoher Kadermann der Coop Bank hat über Monate hinweg einen Anlagebetrüger gedeckt.

Ein hoher Kadermann der Coop Bank hat über Monate hinweg einen Anlagebetrüger gedeckt. Dafür wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das Gericht verurteilte den Mann zu 18 Monaten auf Bewährung. Der Staatsanwalt hatte 24 Monate gefordert.

Es sind die Sorgfaltspflichten für die sogenannten Finanzintermediäre, die dem 59-jährigen Mann juristisch zum Verhängnis wurden: Das Geldwäschereigesetz schreibt etwa den Banken vor, verdächtige Gelder aus unsauberen Quellen zu melden – und genau dies hatte der Angeklagte über Monate hinweg unterlassen.

Konkret ging es um eine Kundenbeziehung zur Coninvest Finanz AG mit Sitz auf den Marshall Islands und einer Adresse in Zug, auf deren Konten beträchtliche Summen verschoben wurden.

Vermutlich durch einen Irrtum bei der Adressierung gelangte ein Darlehensvertrag zwischen einer Frau aus Deutschland und der Coninvest zur Coop Bank in Basel und damit in die Hände des Angeklagten. Auffällig war daran, dass in dem Vertrag von Zinsen in der Höhe von 42 Prozent die Rede war.

Interne Kontrolle deckte auf

Er habe schon gedacht, das sei «sportlich, ambitiös», meinte der Angeklagte dazu gestern vor Gericht, und er habe auch darüber nachgedacht, wie lange eine Firma solche Ausschüttungen finanzieren könne. Gemeldet hatte er diese höchst dubiose Tatsache allerdings nicht, sondern er legte den Vertrag einfach ins Kundendossier.

Die interne Kontrolle der Bank wurde allerdings im Januar 2008 auf eine Bartransaktion in der Höhe von 165'000 Franken aufmerksam und fragte nach.

Was danach genau geschah, blieb unklar – jedenfalls fiel niemandem der fehlende Handelsregister-Auszug der Firma auf. Tatsächlich war die Firma in Zug nie eingetragen. Laut dem Angeklagten wusste die Compliance-Abteilung der Bank von dem Vertrag mit den dubiosen Zinsen. Die Coop Bank wiederum betonte, vom Darlehensvertrag keine Kenntnis gehabt zu haben.

Erst als sich im Mai 2009 ein Rechtsanwalt eines Geschädigten aus Deutschland schriftlich an die Bank wandte, kam Bewegung in die Sache: Die Bank meldete die Verdachtsmomente der entsprechenden Aufsicht des Bundes.

Für den Verteidiger des Mannes stellte sich die Sache anders dar: Die Compliance-Abteilung der Coop Bank habe zu lange abgewartet und dann dem Anlageberater quasi als «Bauernopfer» die ganze Schuld aufgebürdet. «Sie haben drei Monate gebraucht, um eine Anfrage der Staatsanwaltschaft zu beantworten.

Offensichtlich wollte die Bank eine Bedrohung durch eine Zivilklage der Geschädigten Anleger abwenden», argumentierte der Verteidiger. Allein über das Konto der Coop Bank sind über acht Millionen Euro geflossen.

Das Gericht wollte davon aber nichts wissen. «Für eine Vertuschung seitens der Coop Bank gibt es keine Anhaltspunkte», betonte Gerichtspräsident Marc Oser in der Urteilsbegründung. Das Gericht verurteilte den Mann zu 18 Monaten auf Bewährung. Der Staatsanwalt hatte 24 Monate gefordert.

Angeklagter fordert Genugtuung

Der Verteidiger hatte betont, nebst einem mehrjährigen Strafverfahren habe sein Mandant auch den Verlust seiner Arbeitsstelle sowie einen Reputationsverlust als Geschäftsmann hinnehmen müssen. Er hatte eine Genugtuung von 10'000 Franken gefordert – dies wurde mit dem Schuldspruch allerdings hinfällig. Sowohl der Staatsanwalt wie auch der Verurteilte können das Urteil noch weiterziehen.

Der Drahtzieher der Coninvest Finanz AG wurde in dem gesamten Verfahren ebenfalls als Zeuge befragt. Die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen war allerdings kräftig umstritten.

Wegen Betrugs sitzt der Deutsche inzwischen im Gefängnis: Das Landgericht Stuttgart hatte ihn im Jahr 2011 wegen Betrugs zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

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