St. Johann

Schule wegen Baulärm geschlossen – nun reicht es diesen Basler Lehrern

Bleibt für eine Woche zu: Die Primarschule St. Johann veranstaltet eine Projektwoche als Protest gegen den Baustellen-Lärm.

Das Primarschulhaus St. Johann leidet unter Baustellen. Schüler müssen teilweise mit Hörschutz ins Klassenzimmer, um sich zu konzentrieren.

Peter Kobald kann sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal das Fenster seines Schulzimmers aufmachte und nicht vom Lärm fahrender Bagger, Baumaschinen und Presslufthämmer zugedröhnt wurde. Der Schulleiter arbeitet seit dreissig Jahren im Primarschulhaus St. Johann. «Schon damals gab es sehr oft Bauarbeiten rund um die Schule.»

Seit über zehn Jahren ist das Schulgebäude jedoch so stark umgeben von Baustellen, dass es die Lehrerschaft nicht mehr aushält. In zwei Briefen an das Erziehungsdepartement klagten die Lehrer im November 2018 und diese Woche über die andauernde Belastung. Am Mittwochmittag organisierten sie nach Schulschluss eine Protestaktion: Sie brachten farbenfrohe Buchstaben an der Fassade der Schule an, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Die ewige Baustelle

Tatsächlich wurden nahe der Primarschule in den vergangenen zehn Jahren neben zahlreichen Strassenrenovationen auch die Neubauten des UKBB und des Schällemätteli-Campus erstellt. Später renovierte der Kanton die Turnhallen und die Schule. Die ständigen Bauarbeiten und die daraus resultierende Lärmbelastung beeinträchtigt laut den Lehrern den Unterricht stark. So arbeiten zahlreiche Kinder mit Lärmschutzkopfhörern, wenn sie Ruhe brauchen.

Allgemein ist die Konzentration ein Problem. Einige Schüler beklagen sich über Kopfschmerzen und Übelkeit. Der Lärm macht das Durchlüften der Schulzimmer unmöglich, was zu mangelhafter Luftqualität führt. «Entweder man hat zuviel CO2 im Raum oder man kann sich kaum hören», fasst Renato Moesch zusammen. Der Architekt hat zwei Kinder hier in der Schule. Als Mitlancierer der Petition gegen das Tschudiparking, das direkt neben dem Schulhaus geplant ist, zeigt er sich solidarisch. «Das grösste Problem ist in meinen Augen die Planung. Es muss doch möglich sein, diese Bauarbeiten besser zu koordinieren», meint er.

Projektwoche als Protest

Am nächsten Montag beginnt eine Projektwoche, die komplett ausserschulisch stattfindet. Die Lehrerschaft will aufzeigen, dass es kaum haltbar ist, unter solchen Zuständen im Klassenzimmer zu unterrichten. Die Schulklassen werden die vier Aussichtspunkte der Stadt Basel erkundigen.

Unterdessen bedauert das Lehrerkollegium, nicht mehr Unterstützung vom Erziehungsdepartement zu erhalten. Renato Moesch findet, dass das Departement seine Fürsorgepflicht nicht wahrnimmt. «Wir erhalten zwar verständnisvolle Antworten, sehen aber keine Änderungen», sagt der Schulleiter. Das Departement sagt, dass es «im Gespräch mit allen Beteiligten» bleibe und sich mit der Lehrerschaft einig sei, dass «unter diesen Umständen an normalen Unterricht nur selten zu denken» sei.

Die Situation dürfte während der nächsten Jahre andauern. Für den Bau des Tschudi-Parks müssen das naheliegende Fussballfeld und ein grosser Teil des Pausenplatzes aufgerissen werden. Gegenüber der Schule kommt das neue Universitätsgebäude des Departements Chemie zu stehen. Hinter dem neuen Biozentrum wird das alte abgerissen, an der Spitalstrasse kommt die Tramlinie 11: Peter Kobald wird noch lange nicht unbeschwert das Fenster seines Schulzimmers aufmachen können.

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