Am Samstag ist Bündelitag. Der Stellenmarkt für Pädagogen und Pädagoginnen tritt in die heisseste Phase. Knapp sechs Wochen bleiben den Schulleitungen, die offenen Stellen zu besetzen – dann sind die Sommerferien vorbei, die Schülerinnen und Schüler stehen wieder auf der Matte.

Das Gerangel um die letzten freien Lehrpersonen ist gross. Der Stellenmarkt ist in der ganzen Schweiz angespannt. Das spüren auch die beiden Basel. Alleine der Landkanton hat derzeit über vierzig Stellen ausgeschrieben. Die Schulen im Baselbiet suchen querbeet alles: von der Klassenlehrerin für die Primarschule über den Kleinklassen-Lehrer bis zur Elektro-Lehrperson an der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule in Muttenz.

Experten gefragt

Als angespannt, aber nicht dramatisch bezeichnet Monique Juillerat die Lage. Die Mediensprecherin der Baselbieter Bildungsdirektion sagt, es sei an sich nichts Ungewöhnliches, dass vor den Sommerferien noch Personal gesucht werde. Trotzdem: «Es ist derzeit schwierig, Schulleitungen für die Primarschulen zu finden. Auch Heilpädagoginnen und -pädagogen sind rar. Das ist schon seit Jahren so.»

Basel-Stadt hat weniger Stellen ausgeschrieben, etwas mehr als ein Dutzend. Im Stadtkanton sind ebenfalls spezialisierte Tätigkeiten gefragt, etwa «Fachexperten für den Fachbereich Deutsch» oder eine «Fachperson Logopädie, 40 bis 50 Prozent».

Laut Simon Thiriet, Sprecher des Basler Erziehungsdepartements, ist die Situation gleich wie in den Vorjahren. «Die grössten Herausforderungen bestehen traditionellerweise bei den heilpädagogischen Berufen.»  In beiden Basel fällt auf: Die ausgeschriebenen Positionen sind meist niederprozentig.

Pensionierte ins Schulzimmer

Der Lehrermangel werde sich weiter zuspitzen, sagt Beat Zemp. Der Präsident des Dachverbandes der Schweizer Lehrkräfte LCH und ehemalige Lehrer am Gymnasium Liestal sprach im Radio «SRF» von einer «dramatischen Entwicklung». In fünf Jahren werde ein historischer Höchststand bei den Schülerzahlen erreicht.

Das Wachstum ist auch in der Nordwestschweiz beeindruckend. Zwischen 2008 und 2018 stieg in Basel-Stadt die Zahl der Klassen an den öffentlichen Schulen um fast ein Drittel. Im Baselbiet wuchert der Bildungssektor weniger stark, jedoch erleben einzelne Gemeinden eine regelrechte «Primarschülerschwemme», etwa Binningen.

Der zuständige Gemeinderat Philippe Meerwein sagt zur bz: «In den letzten zehn Jahren verzeichneten wir bei den Primarschulen ein Wachstum von 50 Prozent. Auch wenn man das eine zusätzliche Primarschuljahr infolge von Harmos abzieht, ist das Plus noch immer beachtlich.» Als Reaktion bleibt dem Gemeinderat nur, in Mauern zu investieren. So will Binningen im Zentrum einen neuen Schulcampus bauen.

In Kantonen wie Bern ist die Situation derart prekär, dass die Bildungsdirektionen erwägen, Lehrkräfte aus dem Ruhestand zurück zu beordern. In den beiden Basel bestand bislang kein Bedarf an solchen Notfallszenarien.