Noch gehen Kinder und Jugendliche mit bangen Schritten durch den Torbogen in der St. Alban-Vorstadt zur Schulzahnklinik, die sich in einem Innenhof versteckt. Inmitten eines historischen Ensembles steht dort ein mehrfach umgebauter Nutzbau aus den 1950er-Jahren, in dem gebohrt und geputzt wird. Ab August wird das Haus jedoch leer stehen, weil die Schulzahnklinik von Grossbasel in den Neubau auf dem Kleinbasler Rosental-Areal umzieht.

Seit vier Jahren ist die Christoph Merian Stiftung (CMS) Eigentümerin des Gevierts, zu dem im Innenhof auch das Vorstadttheater gehört. Sie hat es vom Kanton im Tausch für Liegenschaften im St. Alban-Rheinweg und am St. Alban-Kirchrain übernommen. Ziel war es, die verschiedenen CMS-Niederlassungen an einem Ort zu vereinen.

Das stattliche Vorderhaus hat die Stiftung bereits im November 2017 als neuen Hauptsitz bezogen. Nun bestätigt sie auf Anfrage, dass das Hinterhaus abgebrochen und durch einen Neubau der Architekten Herzog & de Meuron ersetzt wird. Zahlreiche Abklärungen, auch mit der Denkmalpflege, hätten ergeben, dass ein Neubau sinnvoller sei, erklärt Sprecherin Elisabeth Pestalozzi. Die Stiftungskommission habe einen entsprechenden Planungskredit beschlossen.

Die Wahl der Architekten fiel ohne Ausschreibung auf Herzog & de Meuron, weil die Stiftung mit dem Büro «sehr positive Erfahrungen im Dreispitz» gemacht habe. Für das grossräumige Gewerbegebiet der CMS entwarfen die Basler Architekten bereits 2002 die «Vision Dreispitz».

Vor gut einem Jahr gewannen sie zudem mit dem Vorschlag für drei hohe Wohntürme den Wettbewerb für die Gestaltung der Nordspitze des Areals. Die Verbindungen führen jedoch weiter zurück und geradewegs wieder in die St. Alban-Vorstadt. Denn als die CMS 1994 dem Cartoonmuseum einen Erweiterungsbau finanzierte, waren die gleichen Architekten beauftragt, im engen, von Brandmauern gezäunten Hinterhof eine moderne Ergänzung zu bauen.

Eine hölzerne Ergänzung

Der Annex-Bau für das Cartoonmuseum ist ein Betonkubus geworden, der Ersatz der Zahnklinik sieben Häuser weiter soll nun hölzern werden. Die Vorgabe der Bauherrin CMS, regionales Buchenholz als Bauträger zu verwenden, soll darauf hinweisen, dass sie auch eine grosse Waldbesitzerin sei.

In der Ausgestaltung werden sich die Bauherren hüten, hölzerne Betulichkeit zu inszenieren, dazu ist die Geschichte des Gebäudekomplexes zu problematisch: Zwischen 1941 und 1945 war die St. Alban-Vorstadt 12 der Treffpunkt der Nationalsozialisten und der klassizistische Bau in der Stadt als «Braunes Haus« bekannt. Das heutige Vorstadttheater wurde als Kinosaal genutzt, in dem Propagandafilme von Leni Riefenstahl oder der Hetzfilm «Jud Süss» gezeigt wurden.

Das Kleintheater mit weitgehend unbekannter Vergangenheit soll während der ganzen Bauzeit weiter funktionieren können, sagt CMS-Sprecherin Pestalozzi. Es werde «im Wesentlichen» erhalten bleiben. Da jedoch auch der ganze Innenhof eine neue Gestaltung erhalten wird, dürfte auch der Theaterbau eine bauliche Aufwertung erfahren.

Im Sommer werde das Vorprojekt abgeschlossen sein. Auf einen Zeitplan will sich die CMS nicht festlegen. Es bestehe jedoch ein Interesse, vorwärts zu machen. Schliesslich steht das Gebäude ab Herbst leer, wenn die Löcher der Jugendlichen anderswo geflickt werden.