Invasion

Schuppige «Einwanderer» gefährden die Rhein-Fauna

Die Uni Basel untersucht im Rhein vorkommende Arten von Grundeln - kleine invasive Fische, die wohl mit Schiffen eingeschleppt werden. Mit ihren Fallen fischen die Forscher Laich aus dem Wasser, um die Fortpflanzung der «Einwanderer» zu unterbinden.

Ein Morgenschwumm im trüben Hafenwasser von Kleinhüningen zu machen: Auf diese Idee kam gestern kein Mensch. Dafür die Schwarzmeergrundeln. Der invasiven Fischart ist im acht Grad warmen (oder doch eher kalten), stehenden Wasser wohl. Die bis zu zehn Zentimeter langen Fische schwimmen dem Boden entlang - und beschäftigen mit ihrem Dasein eine Forschungsgruppe der Universität Basel.

So kommt es, dass Anouk N'Guyen, Masterstudentin in Sustainable Development, geübt die Reuse aus dem Wasser zieht und den Morgenschwumm von neun Kessler- und fünf Schwarzmundgrundeln abrupt beendet. N'Guyen ist zufrieden mit dem ersten Fang, obwohl eine volle Reuse eigentlich ein schlechtes Zeichen ist.

«Seit wir die Feldarbeit Mitte März wieder gestartet haben, konnten bereits 226 Kessler- und 91 Schwarzmundgrundeln gefangen werden», sagt N'Guyen. Das zeigt, dass sich die Population der invasiven Grundeln, welche die hiesige Rhein-Fauna gefährden, bereits vergrössert hat.» Zwei Mal wöchentlich werden an fünf Stationen die Reusen geleert. Gestern radelte Anouk N'Guyen mit insgesamt 30 Grundeln zum Institut zurück.

Laichfallen seit März im Test

Dort werden die Fische unter die Lupe genommen. Das Erbgut wird analysiert, um zu untersuchen, ob sich die verschiedenen Populationen durchmischen. Dass dem nicht so ist, liegt nahe: Im Hafen von Kleinhüningen und beim Kraftwerk Birsfelden leben höchstwahrscheinlich zwei genetisch unterschiedliche Populationen. Diesen Sommer wird zudem das Verhalten der Grundeln im Strömungskanal und in verschieden salzhaltigem Wasser untersucht.

Mit der Feld- und Laborarbeit will die sechsköpfige Forschungsgruppe mehr über die Grundeln erfahren:

• Was man weiss: Zwei Arten der invasiven Schwarzmeergrundeln sind innert kurzer Zeit im Rhein aufgetaucht. Im Juni 2011 wurde die erste Kesslergrundel gefangen. Letzten Sommer wurde dann bereits die zweite Art entdeckt: die Schwarzmundgrundel.

• Was man ahnt: Die Grundeln legen schwimmend vermutlich keine grossen Distanzen zurück. Laut N'Guyen gilt momentan die Hypothese, dass der Laich an Schiffsrümpfen haftet und eingeschleppt wird.

• Was man hofft: Mit geeigneten Massnahmen der Invasion entgegenzutreten. Dabei geht es nicht um Ausrottung, sondern darum, die Population klein zu halten, um die Ausbreitungswahrscheinlichkeit zu minimieren. «Prävention ist bei invasiven Arten am besten und günstigsten», sagt Anouk N'Guyen.

Bis entschieden ist, welche Massnahmen am effizientesten sind, wird weitergeforscht. Und gebastelt: So sieht der Prototyp einer Laichfalle simpel aus: In ein Velokörbli wurden Blumentöpfe, Rohrstücke und Steine gelegt. Ein Gummizug hält das Ganze zusammen. «Die Grundeln laichen am liebsten in höhlenartigen Strukturen. Da die Männchen den abgelegten Laich bewachen, hat man oft das Glück, nicht nur den Laich zu fangen, sondern auch den Fisch», erklärt N'Guyen.

Die Fortpflanzung zu unterbinden, sei eine Möglichkeit, die Populationen klein zu halten. Seit März sei bereits vier Mal Laich entfernt worden. N'Guyen: «Somit ist belegt, dass sich die Grundeln im Hafen reproduzieren und die Laichfallen sich eignen.»

Gestern Morgen befand sich in den Höhlen kein Laich, dafür verirrten sich 14 Kamberkrebse in die Töpfe. Doch auch diese Tiere sind unerwünscht. Denn die invasive Art verbreitet die Krebspest.

Meistgesehen

Artboard 1