Selbst mit Megafon kommt die Stimme nicht gegen den Wind an. Nur Fetzen der Rede trägt der Wind in die hinteren Reihen der Demonstranten vor dem Rathaus. Was dort lauthals gefordert wird, lässt sich aber auch im Regenstakkato vernehmen: ein Umdenken in der Politik, ein Umdenken für das Klima. Die Umstehenden quittieren mit lauten Parolen: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut».

Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg geht am Freitag nicht mehr zur Schule. Sie schwänzt und demonstriert stattdessen. Ihrem Vorbild folgten schweizweit tausende Schülerinnen und Schüler. Auch in Basel gingen am Freitag wohl gegen tausend Jugendliche auf die Strasse. Das erste Mal seit den Demonstrationen gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003 ertönte schweizweit, ja weltweiter Protest von Jugendlichen. Dieses Mal nicht gegen Krieg, sondern gegen den Klimawandel. Oder wie sie selber sagen würden: «Für den einzigen Planeten, den wir haben.»

Für die 15-jährige Schülerin Salma Ibrahim ist klar, warum sie die Schule schwänzt, um auf dem Marktplatz zu demonstrieren: «Ich kämpfe hier gegen den Klimawandel, da ist es mir auch wert zu schwänzen.» Sie könnte sich gar vorstellen, dass sie, der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg folgend, nicht das letzte Mal auf der Strasse war. «Wir werden das hier durchziehen», sagt Ibrahim. 

21. Dezember 2018: Hunderte Schüler demonstrierten in der Innenstadt.

Hunderte Schüler demonstrierten in der Innenstadt.

Kapitalismuskritik und Klima

«There is no Planet B», «Natur statt Matur», «Don’t destroy our World»: Die Inschriften auf den Plakaten sprechen eine deutliche Sprache. Vielleicht hat hier gerade eine Generation ihr politisches Erweckungserlebnis. So wie schon der Vietnamkrieg, der Bau von Atomkraftwerken oder die beiden Golfkriege frühere Generationen politisiert hat.

Lautes Klatschen brandet immer wieder auf. Es wird gejohlt, gejubelt, wenn die Redner besonders markige Worte aussprechen. Danach setzen sich die Jugendlichen in Bewegung. «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut», ertönt wieder während die Demonstration in Richtung Kleinbasel läuft. Der Regen peitscht den Jugendlichen ins Gesicht. Grimmig trotzen sie dem Wetter und skandieren weiter ihre Parolen.

Thunberg, der eigentlichen Initiantin des Schuleschwänzens für das Klima nehmen nicht alle ihr Engagement ab. Sie hielt am Klimagipfel in Polen eine vielbeachtete Rede. Im Anschluss erntete sie zwar viel Lob, doch auch einiges an Kritik. Ideologisch verblendet sei sie, ja gar instrumentalisiert sei sie geworden, hiess es aus der politischen Ecke, die den Klimawandel nicht wahrhaben wollen.

Tatsächlich vermischt sich an der Demonstration in Basel Klimaaktivismus mit Kapitalismuskritik: «Natur vor Profit», beschrieb ein Schild das Motto. Eine 18-jährige Schülerin sagt: «Es ist allen bewusst, dass es wärmer wird. Trotzdem wird nichts gemacht.» Die Politik verschliesse die Augen vor dem Klimawandel. Es ginge nur um Profit.

«Wir hier in der Schweiz merken halt noch nicht so viel vom Klimawandel», sagt ein 19-jähriger Schüler. Es müsse aber gehandelt werden, bevor es zu spät ist. Am besten mit Gesetzen, sagt er. Sonst mache die Menschheit leider nichts. Und er bedauert die im Bundesparlament abgeschmetterte Abgabe auf Flugzeugtickets.

Sind auch die Basler Schülerinnen und Schüler ideologisch instrumentalisiert worden? Nützen sie die Demonstration als gute Ausrede, um die Schule zu schwänzen? Diese Vorwürfe dürften auch gegen sie erhoben werden. Wie gegen Thunberg. Die aller Kritik zum Trotz weitermacht mit ihrer Mission.

Auch in Bern versammelten sich Hunderte streikende Jugendliche für den Klimaschutz:

Jugendliche streiken schweizweit für das Klima (21. Dezember 2018)