Mehrere tausend Menschen fahren jeden Tag in der Schweiz ohne gültigen Fahrausweis, und in Zukunft könnten es sogar noch mehr werden. Denn was sich in Bern, Biel und Zürich in den letzten Monaten bereits rege verbreitet hat, hat auch Basel erreicht. Die Rede ist von sogenannten «Billett-Kontrolle»-Gruppen auf Facebook. Seit Anfang Mai gibt es die Seite «Billett-Kontrolle Basel», welche bereits über 100 Likes aufweist. Darauf werden Benutzer aufgefordert, Billett-Kontrollen zu melden und andere dadurch zu warnen. Bisher sind rund 15 Meldungen gepostet worden, hauptsächlich in den vergangenen Wochen. «Kontrolle S3 ab Aesch. Sie sind gerade zugestiegen!» lautet eine der neusten Meldungen.

Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB, sieht das Ganze eher gelassen. Die SBB hätten kein Problem mit solchen Facebook-Seiten, zumal man sich nicht darauf verlassen könne. Die Kontrolleure wechseln die Bahn so häufig, dass es unmöglich sei, mitzukommen. Ob es jetzt eine Warnseite gäbe oder nicht, die Konsequenz und Häufigkeit der Kontrollen bleibe genau gleich. Und es gehöre nun mal dazu, dass sich die Leute gegenseitig vor Kontrolleuren warnen. «Trotzdem ist es natürlich den ehrlichen 98% gegenüber unfair, da diese mit ihrem Ticket indirekt für die Schwarzfahrer mitbezahlen.» Auch die BVB sehen keine Gefahr in solchen Facebook-Seiten und werden vorerst keine Massnahmen ergreifen. Schliesslich sei das Ganze nicht illegal. Die BLT meint sogar, die Seiten könnten auch das Gegenteil bewirken, nämlich dass mehr Leute mit gültigem Fahrschein fahren.

Initiant hat ein GA

Überraschenderweise steckt hinter der besagten Seite eine Einzelperson, die ein GA besitzt und selbst nicht schwarzfährt. «Mit dieser Seite möchte ich das Schwarzfahren nicht fördern, sondern darauf aufmerksam machen, dass man doch eine Fahrkarte vor Fahrtbeginn kaufen soll. Ich meine: Auf der Seite gibt man ja nicht an, wann keine Kontrolle stattfindet, sondern wann sich eine ereignet. Ich selbst benutze den öffentlichen Verkehr und möchte nicht erreichen, dass die Billettpreise stetig erhöht werden.» Auf ihrer Facebook-Seite hat sie sich nämlich bereits beklagt: «Mein GA kostet seit Dezember 6000 statt wie bisher 5600 Franken. Die Preise für die Einzelbillette werden dieses oder nächstes Jahr um mindestens 4% erhöht.» Im Gegensatz zu «Billett-Kontrolle Bern» und «Billett- Kontrolle Biel» scheint hinter «Billett- Kontrolle Basel» also tatsächlich ein positiver Hintergedanke zu stecken. Ob man sich auf die Seite verlassen will, ist jedem selbst überlassen. Immerhin drohen Schwarzfahrern Bussen in Höhe von 100 Franken.