Ein Schwede, der in Berlin einen Basler Film dreht: Im ersten Moment klingt die Beschreibung von Stefan Asang etwas verwirrend.

Der 42-jährige Regisseur weilt zurzeit in Basel, um mit Autor Herbert Blaser die Vorbereitungen für seinen ersten Spielfilm zu besprechen. «Cruor» heisst das zu verfilmende Werk, das aus der Feder des Berner Autors Blaser stammt und bereits als Hörbuch existiert.

Die Geschichte, die sich um den Heiligen Gral und die zwiespältige Rolle der Kirche dreht, spielt grösstenteils in Basel. Die Dreharbeiten finden allerdings in Berlin statt.

«Um in Basel zu filmen, wäre ein kleinerer sechsstelliger Betrag nötig gewesen», erklärt Asang, «das können wir uns nicht leisten.»

Deshalb ist der Regisseur momentan damit beschäftigt, die Basler Originalschauplätze zu besichtigen und Aufnahmen anzufertigen, die später für den Film verwendet werden.

«Heutzutage findet ein Grossteil der Arbeit sowieso im Studio statt. Mit Bluescreen lässt sich viel anstellen», sagt er verschmitzt. Für die Produktion konnte Asang bereits bekannte Schauspieler engagieren: Unter anderem sind Michael Kind («Der Untergang») und Nachwuchsschauspieler Frederic Böhle mit von der Partie. Auch Model Marie Nasemann, bekannt aus der Sendung «Germany’s next Topmodel», hat sich einen Part im Film gesichert.

Umso erstaunlicher ist es, dass Asang erst vor drei Jahren begann, als Regisseur tätig zu sein. Damals hatte er ein eigenes Reiseunternehmen und drehte nebenbei seine ersten Musikvideos.

Metal-Bands engagierten ihn für schockierende Videos, die wegen viel Gewalt und nackter Haut heute auf Youtube verboten sind. «Ein bisschen Provokation ist okay», sind sich Regisseur und Autor einig und grinsen.

Recherchen führten nach Basel

Wahrscheinlich wird auch der neue Spielfilm gewisse Grenzen überschreiten, ist eine der Hauptaussagen in Blasers Story schliesslich die, dass die Bibel auf faktischen Unwahrheiten beruht. Ein spannender Bibel-Thriller – das klingt ganz nach Dan Brown.

«Er ist tatsächlich der europäische Dan Brown», bezeugt Asang sofort. Mit einem Unterschied: «Dan Brown verfolgt eine gewisse amerikanische Political Correctness. Wir müssen das nicht.» Blaser macht aus seiner abwehrenden Haltung gegenüber der Religion kein Geheimnis.

Unverblümt gibt er zu, in einer Sekte aufgewachsen zu sein. «Mit 19 habe ich dann realisiert, dass nicht alles so ist, wie ich es als Kind bedingungslos geglaubt habe. Damals ist für mich eine Welt zusammengebrochen», erzählt er.

Ein Teil des Glaubenskonflikts im Film sei durchaus autobiografisch. Dass «Cruor» hauptsächlich in Basel spielt, liegt an Blasers historischen Recherchen.

«Im französischen Troyes, nicht weit von Basel entfernt, liegt der Ursprung der Parzival-Erzählung um die Suche nach dem Heiligen Gral», erklärt er.

Ein anderes historisches Zentrum ist laut Blaser, der sich auf Parzivalforscher Werner Greub bezieht, die Arlesheimer Ermitage. Basel liege zwischen den zwei sagenumwobenen Orten und sei so der ideale Schauplatz für den Film.

Bis auf die Zeitung nachgestellt

Ganz so einfach wie zu Beginn erwähnt ist es allerdings nicht, die Basler Innenstadt in Berlin nachzustellen. «Wir dürfen nichts vergessen», erzählt Asang. «Kauft jemand an einem Kiosk eine Zeitung, so muss der Kiosk natürlich ein «k» tragen wie hier in Basel und die Zeitung eine örtliche sein.»

Auch die Tramgeräusche seien hier anders als in Berlin. «Bei uns quietscht es, bei euch klingelt es mehr», fasst der Regisseur zusammen.

Noch ist der fertige Kinofilm allerdings in weiter Ferne. Am 15. April nächsten Jahres beginnen die Dreharbeiten, in die Kinos kommt der Film voraussichtlich im Herbst 2014.