Für einmal macht das Elsass keine Ausnahme. Wie in ganz Frankreich waren am Samstag und am Sonntag die Massen auf den Strassen, um gegen die Attentate von Paris zu protestieren und sich für die Werte der Französischen Republik und die Meinungsfreiheit einzusetzen.

Die grössten Demonstrationen fanden logischerweise in den drei grössten elsässischen Städten Strassburg, Colmar und Mulhouse statt. In Colmar hatte es schon am Samstag auf Initiative der Mairie eine Versammlung bei einer kleineren Ausgabe der New Yorker Freiheitsstatue gegeben, die sich am nördlichen Stadteingang befindet. Diese war als Zeichen der Solidarität mit den Familien der Opfer mit einem schwarzen Trauerflor geschmückt worden. Die amerikanische Freiheitsstatue in New York stammt vom Colmarer Bildhauer Auguste Bartholdi.

Am Sonntag gab es um die Mittagszeit eine Kundgebung auf dem zentralen Place Rapp, die mit einem spontanen Umzug endete. An der Demonstration nahmen mindestens 10'000 Personen teil, eine Rekordzahl für Colmar.

In Mulhouse stand die Kundgebung gestern Nachmittag auf der Place de la Réunion unter dem Motto des Crayon, des Zeichenstifts – eindrückliche 25'000 nahmen daran teil. Die Zeitung «L'Alsace» hatte aufgerufen, sich für den Anlass eine Zeichnung ihres Zeichners Laurent Salles herunterzuladen und diese mitzubringen. Darauf heisst es frei übersetzt: «Angesichts der Barbarei lasst uns Massenverspottungswaffen benutzten» (Zeichnung links).

40'000 waren es in Strassburg

In Strassburg strömten am Sonntagnachmittag gar 40'000 zur Demonstration. Zwischen 12 und 18 Uhr war der öffentliche Nahverkehr gratis. Im Kulturzentrum im Quartier Neudorf fand am späteren Nachmittag eine interreligiöse Feier mit der Teilnahme von Protestanten, Katholiken, Juden, Buddhisten und Muslimen statt.

Auch ganz in der Nähe von Basel gab es Protest- und Gedenkveranstaltungen. So nahmen in Saint-Louis bereits am Samstag 2000 Personen an einem Schweigemarsch teil – auch dies für die Stadt eine grosse Zahl. Im kleineren Huningue kamen ebenfalls am Samstag 450 Personen zu einer Kundgebung auf der Place Abbatucci, an der auch der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz teilnahm. Bei beiden Anlässen sangen die Teilnehmer zum Schluss spontan die Marseillaise, die französische Nationalhymne.

Zu der für Samstagmittag geplanten grossen Demonstration gegen die Fusion des Elsass mit den Regionen Lothringen und Champagne-Ardennes kamen nur noch 150 Personen auf die Europabrücke zwischen Kehl (D) und Strassburg. Dort waren Slogans wie «Je suis Charlie et Alsacien» zu sehen. Aufgrund der blutigen Ereignisse von Paris hatten etliche Facebook-Gruppen die Demonstration abgesagt. Ferner war ein Anlass für die Aktion, das für Sonntagabend in Strassburg geplante informelle Treffen von François Hollande und Angela Merkel, abgesagt worden.