Technologie
Schweizer Innovationspark: Basel hat schlechtere Karten als Zürich

Im Tauziehen um die Innovationspark-Standorte könnte die Region Basel den Kürzeren ziehen: Der Schweizerische Innovationspark solle aus Hub- und Netzwerkstandorten bestehen und im Umfeld der ETH in liegen. Das geht auf Kosten von der Region Basel.

Daniel Haller
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Mit Forschung in Biosensorik, Biomaterialien und Bioinformatik will die Region Basel glänzen. istock

Mit Forschung in Biosensorik, Biomaterialien und Bioinformatik will die Region Basel glänzen. istock

Pedro Castellano/istock

Der Bundesrat duscht die Nordwestschweiz kalt: Nein, er wolle nicht darüber berichten, wie er das im letzten Dezember beschlossene Bundesgesetz über Förderung der Forschung und der Innovation (FIFG) in Bezug auf Innovationsparks umsetzen will. Diese Aufgabe habe er der Konferenz Kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren (VDK) übertragen, schreibt er in der Antwort auf das Postulat von Nationalrat Thomas de Courten (SVP).

Das will ein Schweizer Innovationspark

Ein Innovationspark ist ein Campus, auf dem verschiedene Firmen sowie Hochschulen und private Forschungsinstitute gemeinsam marktfähige Produkte von morgen und die Technologien von übermorgen entwickeln. Die Regierungen Baselland und Basel-Stadt und die Handelskammer beider Basel haben den Verein «Schweizer Innovationspark Nordwestschweiz» gegründet. Präsident ist alt Ständerat René Rhinow. Dieser Verein legte im Juni das Konzept «BEST» vor (bz berichtete). Schwerpunkt des Innovationsparks Nordwestschweiz soll die Forschung in den Bereichen Biosensorik, Biomaterialien und Bioinformatik bilden.
Als mögliche Standorte wurden die Areale Bachgraben (Allschwil), Polyfeld (Muttenz), Salina Raurica (Pratteln), EBM/ABB ( Münchenstein/Arlesheim) sowie die Basler Standorte Rosental, Klybeck und Volta Nord/Lysbüchel genannt. (dh)

Dieses Postulat haben quer durch alle Parteien sämtliche Nationalrätinnen und -räte beider Basel – ausser Maya Graf (Grüne), die sich als Ratspräsidentin enthalten muss – unterschrieben, denn es geht um ein gemeinsames Anliegen der Wirtschaft und der Kantonsregierungen beider Basel: den Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz.

«Der Bundesrat schiebt die Verantwortung vor sich her. In der Zwischenzeit schlägt die VDK Pflöcke ein und schafft vollendete Tatsachen», kommentiert de Courten die «unbefriedigende Antwort».

Dahinter steht die Sorge, im Tauziehen um die Innovationspark-Standorte könnte die Region Basel den Kürzeren ziehen: Die VDK hat nämlich beschlossen, der Schweizerische Innovationspark solle aus Hub- und Netzwerkstandorten bestehen. Dabei müssten die Hubs im Umfeld der ETH entstehen, also in Zürich und Lausanne. Dies sei beschlossen worden, «ohne darzulegen, ob dies erfolgversprechend ist und ob als entscheidendes Kriterium nicht vielmehr die Qualität und internationale Exzellenz herangezogen werden müsste», argumentieren die Parlamentarier beider Basel in de Courtens Vorstoss. «Die Region Basel beispielsweise erfüllt als eigentliches Innovationszentrum der Schweiz alle Kriterien eines Hubstandortes.»

Insbesondere stört sich de Courten daran, dass der Bundesrat schreibt, er werde auf der Basis des VDK-Konzepts dem Parlament eine «Finanzierungsbotschaft» vorlegen. Damit wäre das Parlament aus der inhaltlichen Arbeit ausgeschlossen – jenes Parlament, in dem die Nordwestschweiz bisher mit Erfolg lobbyiert hat: Unter tatkräftiger Mithilfe der beiden Mitglieder der Wissenschafts-, Bildungs-und Kulturkommission Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) und Maya Graf (Grüne) ist es den beiden Basel gelungen, im Gesetz zu verankern, dass der Innovationspark Schweiz nicht ausschliesslich – wie ursprünglich diskutiert – auf dem stillgelegten Militärflugplatz Dübendorf entstehen soll, sondern auf mehrere Standorte verteilt wird. Damit wurde es überhaupt möglich, über Standorte zu diskutieren.

«Die Region Basel ist der Innovationsstandort Nummer 1 in der Schweiz», bekräftigt der Basler Volkswirtschaftsdirektor Christoph Brutschin den Anspruch auf einen Hub. Als Mitglied des VDK-Vorstands hält er aber den Ball flach: «Ob Hub oder nicht Hub ist weniger entscheidend als die Frage, was vor Ort geschieht», pflichtet er seinem Berner Amtskollegen Andreas Rickenbacher bei. Die Haltung des Bundesrats sei kein Grund, sich ins Schneckenhaus zurückzuziehen. Im Gegenteil: «Erste informelle Gespräche mit der ETH Zürich zu diesem Thema haben bereits stattgefunden.»

Auch de Courten als Baselbieter Wirtschaftsförderer geht es «nicht ums Prestige des Namensschilds». Vielmehr wehre sich die Region gegen eine «hierarchische Festlegung», dass in Zürich oder Lausanne beschlossen werde, was in Basel zu entwickeln sei. «Die thematische Ausrichtung des Innovationsparks Nordwestschweiz muss von der Industrie, aber auch von den beteiligten Universitäten, Fachhochschulen und den Kantonen gesteuert werden.»