Erotik

Schweizer Pornostar: «Manchmal wäre ich gerne zwei Tage unsichtbar»

Tamara Joyce lebt in Schaffhausen. Tamara ist ihr bürgerlicher Vorname. Joyce ist ihr Künstlername.

Tamara Joyce

Tamara Joyce lebt in Schaffhausen. Tamara ist ihr bürgerlicher Vorname. Joyce ist ihr Künstlername.

Sie ist die jüngste Pornodarstellerin der Schweiz. Nächste Woche tritt Tamara Joyce an der Basler Erotikmesse «Extasia» auf. Die bz Basellandschaftliche Zeitung konnte aber bereits heute mit ihr über die Kindheit und ihren Job sprechen.

Tamara Joyce, Sie sind die jüngste Pornodarstellerin der Schweiz. Wieso machen Sie das?

Tamara Joyce: Aus purem Spass: Ich habe Freude an Erotik.

Nicht wegen des Geldes?

Das ist ein Teil. Ich arbeite aber auch täglich selbstständig: Ich baue eine Escort-Agentur auf. Somit habe ich allerlei Arbeiten zu erledigen: Büro, Marketing und Vorstellungsgespräche sind nur Teile davon.

Können Sie sich keine Zukunft ausserhalb des Erotik-Geschäfts vorstellen?

Ich habe das KV gemacht und bei einem Automobilgeschäft gearbeitet. Das war sehr interessant, aber die falsche Lehre für mich. Ich hätte lieber etwas anderes gemacht. Aber trotzdem bereue ich es nicht.

Tamara Joyce (18) – die jüngste Pornodarstellerin der Schweiz

Tamara Joyce

Was hat Ihnen nicht gefallen?

Es war alles so stur: Man kommt um acht Uhr ins Büro und geht wieder um fünf. Alles ist verplant, nichts ist spontan. Das langweilt mich. Vielleicht war ich bei der falschen Firma. Vielleicht wäre es in einem anderen Büro spannender gewesen.

Dafür ist es nicht zu spät. Wieso suchen Sie sich nicht eine andere Firma im kaufmännischen Bereich?

Mit gefällt mein jetziger Job. Ich schätze die Selbstständigkeit. Ich entscheide selber, wann ich aufstehen will und wie ich meine Arbeit einteile. Demnach hab ich es auch selbst zu verschulden, wenn mal etwas schief läuft.

Es gäbe auch andere Wege in die Selbstständigkeit. Wieso haben Sie sich für das Pornogeschäft entschieden?

Ich hatte schon viele Kontakte in diesem Business. Mit 17 habe ich in einem Studio als Domina gearbeitet. Dort habe ich viele Leute kennen gelernt, die Escort-Service anbieten. Danach habe ich im Büro eines Bordells gearbeitet und dort ebenfalls viele Frauen und Männer kennen gelernt.

Wie sind Sie da reingerutscht?

Meine Kollegin war Domina. Sie liess mich ausbilden. Das hat mir sehr gefallen.

Waren Sie anfangs nicht skeptisch?

Doch. Wie die meisten Leute hatte ich eine falsche Vorstellung vom Erotikgeschäft. Ich dachte, dass alle viele Drogen nehmen. Aber eigentlich ist es gar nicht so schlimm. Die Leute sollten nicht alles glauben. Klar gibt es Drogen, aber auch in Zürich im Ausgang sind viele Leute auf Drogen. Auch im Erotikgeschäft wird viel Kokain konsumiert. Das machen aber längst nicht alle. Auch ich selbst nicht.

Es lässt sich aber nicht abstreiten, dass Ihre Branche viele Kriminelle anzieht.

(lacht) Nein, wir sind alle viel offener, entspannter, nicht so verklemmt. Wir können über alles reden, ohne dass jemand dumm lacht. Ich habe noch nie einen Schwerkriminellen kennengelernt. Ich würde dies aber nicht ausschliessen wollen.

Sind Sie immer respektvoll behandelt worden?

Ja, ich habe noch keine schlechte Erfahrung gemacht. Das einzige Problem ist, dass in diesem Business viele Leute unzuverlässig sind. Man muss darauf achten, mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten. Sonst wird es mühsam.

Werden die Gagen nicht bezahlt?

Nein, die habe ich immer erhalten. Ich werde manchmal als Tänzerin gebucht. Dann wird eine bestimmte Anzahl Auftritte vereinbart. Manchmal heisst es dann, ich müsse noch länger tanzen. Doch da mache ich nicht mit. Alle müssen sich an die Abmachungen halten. Deshalb mache ich zuerst auch immer einen Vertrag.

In Basel treten Sie an der Erotikmesse Extasia auf. Was machen Sie dort genau?

Ich mache eine Strip- und eine Dildoshow sowie eine Autogrammstunde. Ich freue mich sehr auf all meine Fans und den Kontakt zu den anderen Darstellern.

Was für Leute gehören zu Ihren Fans?

Ganz verschiedene. Junge und Alte. Verheiratete Ehemänner, die Abwechslung suchen. Und erstaunlicherweise immer mehr Frauen.

Möchten Sie alt werden im Erotikgeschäft?

Filme mache ich, solange ich jung und knackig bin. Später will ich mein Escort-Geschäft gross aufziehen. Eventuell werde ich auch hinter der Kamera tätig sein. Vor der Kamera sollen später aber die Jungen sein. Ich finde es nicht erotisch, wenn man das mit fünfzig macht.

Wie haben Ihre Freundinnen und Freunde auf Ihre Pornoauftritte reagiert?

Sehr unterschiedlich. Die guten sind geblieben. Das war gerade gut, um auszusortieren. Jetzt weiss ich, auf wen ich wirklich zählen kann.

Und Ihre Familie?

Nach einem ersten Schock haben es meine Mutter und meine Brüder sehr gut akzeptiert. Sie sehen, dass ich glücklich bin. Mein Vater ist im April gestorben.

Wie war Ihre Kindheit?

Unterschiedlich.

Wird Ihnen die Frage oft gestellt?

Ja.

Der Grund liegt auf der Hand: Man geht davon aus, dass in Ihrer Kindheit etwas schiefgelaufen sein muss.

Ja, das habe ich auch schon gehört. Dieser Psychologe Thomas Spielmann hat das mal im Fernsehen über mich gesagt. Dabei kennt er mich gar nicht. Das finde ich bedenklich. Er ist ein Mann in höherem Alter mit viel Erfahrung. Der soll mal zuerst vor seiner eigenen Türe kehren, bevor er über eine 18-Jährige urteilt, die er nicht kennt. Allgemein kann ich sagen: Es ist nichts schiefgelaufen in meiner Kindheit. Ich hatte schon eher schwierige Familienverhältnisse. Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich das mache.

Sondern aus reiner Freude?

Ja. Ich mache gerne Dinge, die nicht jeder macht. Jetzt bin ich 18 und Pornodarstellerin. Die jüngste der Schweiz.

Am Anfang mag Porno drehen vielleicht Spass machen. Mit der Zeit müssen Sie dabei aber auch arbeiten wie eine Maschine.

(lacht) Der Job macht mir wirklich Spass. Ich habe es nie bereut. Manchmal möchte ich aber schon gerne zwei Tage lang unsichtbar sein. Ich möchte dann, dass sich niemand für mich interessiert. Wenn ich Ruhe brauche, gehe ich in die Ferien. Dann gehe ich irgendwohin, wo mich niemand kennt. Dieses Jahr war ich schon viermal in den Ferien.

Sie geben viele Zeitungsinterviews. Stört es Sie nicht, dass die Leute deshalb noch öfter auf der Strasse auf Sie zeigen?

Ja, das weiss ich schon. Ich gebe aber gerne Interviews. Für meine Verkäufe ist das besser. Das gehört auch zum Job. Ich kann nicht Pornos machen und erwarten, dass ich aus heiterem Himmel Top-Verkaufszahlen habe, wenn mich niemand kennt. Für mich ist das normal. Ab und zu brauche ich aber wie gesagt meine Ruhe. Dann gehe ich weg. Ich kann das zwar jeweils nicht sofort einrichten, aber meistens gehe ich dann ziemlich bald in die Ferien.

Meistgesehen

Artboard 1