Autobahn
Schweizer Raser fahren zu illegalen Rennen nach Deutschland

Die deutschen Autobahnabschnitte ohne Geschwindigkeitsbeschränkung sind belibet Raserstrecken und werden auch als Rennstrecken missbraucht. Illegale Rennen von Schweizern gibt es auch zwischen Weil und Efringen-Kirchen

Peter Schenk
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Schweizer Automobilisten veranstalten immer wieder Rennen ab dem Zollübergang Weil auf der Autobahn.

Schweizer Automobilisten veranstalten immer wieder Rennen ab dem Zollübergang Weil auf der Autobahn.

Martin Toengi

Es läuft immer ähnlich. Zwei oder drei Autos fahren auf der Autobahn nebeneinander, reduzieren ihre Geschwindigkeit bis auf 60 oder 70 Stundenkilometer und geben dann Gas, um zu testen, wer von ihnen schneller ist. Dabei gibt es auch Geld zu gewinnen. Die illegalen Rennen finden auch in baden-württembergischen Grossstädten wie Stuttgart und Karlsruhe statt. Auf den Autobahnen in der Grenzregion seien die Teilnehmer oft aus der Schweiz, berichtete die «Badische Zeitung» kürzlich. Grund ist, dass es hier oft keine Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt.

Demnach hat die Polizei 2015 bislang 39 Anzeigen wegen Beteiligung an solchen Rennen erstattet. In 29 Fällen wurde ein Bussgeldverfahren eingeleitet und in zehn Fällen ein Strafverfahren, weil Unbeteiligte gefährdet wurden. Die Dunkelziffer könne aus Sicht der Beamten deutlich höher sein. Eine genau Statistik nach Herkunftsland gebe es allerdings nicht, teilte ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums der Zeitung mit.

Beliebt für derartige Rennen sind die Autobahnen A81 und A98 im Bodenseeraum bei Singen und Stockach. So gab es laut «Badische Zeitung» Anfang November eine Wettfahrt, bei der sich bei Stockach sechs PWs formiert hatten und auf der Autobahn mehrfach bis zum Stillstand abbremsten und dann massiv beschleunigten. Die Polizei konnte die Teilnehmer am Grenzübergang stoppen. Sie mussten eine Kaution hinterlegen und erhielten eine Strafanzeige wegen Nötigung im Strassenverkehr.

Freie Fahrt bis Efringen-Kirchen

Nördlich von Basel gibt es auf der A5 zwischen dem Autobahngrenzübergang Weil am Rhein/Basel und dem Parkplatz Rheinaue kurz hinter der Autobahnausfahrt Efringen-Kirchen auf rund elf Kilometern keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Es ist ein offenes Geheimnis in Deutschland, dass viele Schweizer auf dieser Strecke gerne testen, wie schnell ihr Auto fährt. Der nächste Autobahnabschnitt ohne Tempolimit kommt dann erst wieder nach der Ausfahrt Freiburg im Breisgau Nord.

Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens ist die A5 für illegale Autorennen zwar weniger geeignet als die erwähnten Autobahnabschnitte der A81 und A98 im Bodenseeraum, aber gegeben hat es sie hier auch schon. «Wir haben vereinzelt illegale Rennen feststellen können», berichtet der Lörracher Polizeisprecher Dietmar Ernst der bz. Einen signifikanten Anstieg habe es allerdings nicht gegeben.

«Am Rennen selbst beteiligen sich meist vier Fahrzeuge. Dies können wir über die installierten Kameras an der Bundesautobahn feststellen. Bei der anschliessenden Gewinnauszahlung sind zirka 30 bis 40 Fahrzeuge vor Ort.»

In der Nacht vom 19. September haben sich offenbar mehrere Personenwagen mit Schweizer Zulassung auf der A5 ein Rennen geliefert, so Ernst weiter. «Hierzu gab es auch eine Anzeige eines genötigten Autofahrers.

Im Anschluss daran wurden in Weil Friedlingen mehrere Autos festgestellt, die der Szene zuzurechnen waren», teilt er mit. Die Schweizer Tuning-Szene hätte ihren Standort tatsächlich von Basel nach Weil am Rhein-Friedlingen verlegt.

Kontrollen intensiviert

Seit intensiven Kontrollen der deutschen Polizei ist sie dort nicht mehr aufgefallen. So würden auf den entsprechenden Autobahnabschnitten «insbesondere Geräuschpegelmessungen, Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachungen durchgeführt.»

Generell habe die Polizei in den Nachtzeiten die Geschwindigkeitskontrollen mittels Handlasergeräten intensiviert. «Durch diese mobilen Komponenten sind wir nicht mehr so einfach auszurechnen. Zudem setzen wir hochmotorisierte zivile Videofahrzeuge ein, um diese Kontrollen durchführen zu können», so Ernst.

Schliesslich kündigt der Lörracher Polizeisprecher an: «Zudem prüfen wir derzeit die rechtlichen Möglichkeiten zur Übermittlung der Verstösse an die Schweizer Behörden. Vereinzelt wurden auch schon Fahrzeuge beschlagnahmt, um weitere Rennen zu verhindern.»