«Morgen seid ihr alle tot», hatten Unbekannte auf einen Spiegel in der Damentoilette gekritzelt. Die Amokdrohung hatte 2010 an der Aescher Sekundarschule Neumatt für Aufregung gesorgt. Stundenlang markierten Polizisten Präsenz. Kein Einzelfall: Immer wieder kommt es an Schulen in der Region zu Amokankündigungen. In Magden war ein Schüler wegen einer Drohung suspendiert worden. Und auch am Basler Wirtschaftsgymnasium kam es schon zur Amokdrohung.

Grosse Aufregung gab es zuletzt im August an der Uni Basel. Ein 24-Jähriger hatte einen Polizei-Grosseinsatz ausgelöst, weil er mit einem Sturmgewehr im Kollegiengebäude unterwegs war. Das Ganze stellte sich jedoch als blinder Alarm heraus: Der Dienstpflichtige war unterwegs zum Obligatorium. Und dennoch: Experten warnen, dass die Schweiz kaum auf ewig von Schulmassakern verschont bleiben wird.

Basel-Stadt startete als erstes

Das wissen auch die Behörden. Landesweit rüsten die Schulen auf. So hat etwa die Stadt Bern soeben die Installation eines Amok-Alarmierungs-Systems abgeschlossen. Rund 1500 Schulzimmer verfügen nun über ein Alarmgerät. Kostenpunkt: drei Millionen Franken. Mit zwei verschiedenen Signaltönen wird vor einem Brand oder einem Amoklauf gewarnt. Die Töne müssen klar unterscheidbar sein, denn die beiden Notsituationen verlangen völlig unterschiedliches Handeln: So lernen Schüler, bei einem Feueralarm geordnet das Gebäude zu verlassen. Im Falle eines Amoklaufs könnte das verheerende Folgen haben. Dann ist es wichtig, sich in ein sicheres Zimmer zurückzuziehen und einzusperren. Parallel zum standardisierten Alarmsystem werden die Lehrpersonen daher mit einer Sprach- oder Textnachricht über die Art der Gefahr informiert.

Führend punkto Sicherheit aber ist Basel-Stadt. Der Kanton hatte schon 2013 damit begonnen, für rund fünf Millionen Franken die Schulen mit einem dreistufigen Alarmsystem aufzurüsten. «Besonders nach den Vorkommnissen an US-Schulen wurden bei Umbauten oder Renovationen in Basler Schulhäusern solche Anlagen eingebaut», sagt Polizeisprecher Andreas Knuchel. Der Alarm kann an sogenannten Auslösestationen im und um die Schulgebäude ausgelöst werden. Bei den Alarmtönen handelt es sich um drei verschiedene Tonfolgen. Eine bedeutet «Abwarten», eine «Räumen» und eine weitere «Bedrohung». Alle unterscheiden sich deutlich vom Pausengong. Zudem werden regelmässig Übungen durchgeführt. Weiter werden zusammen mit der Kantonspolizei Schulungen zum Thema «Bedrohungsmanagement» abgehalten.

Grosses Umrüsten liegt nicht drin

Ganz so weit ist Baselland noch nicht. Von den 21 Sekundarschulanlagen, die der Kanton vor fünf Jahren von den Gemeinden übernommen hat, sei erst ein Teil auf dem neusten Stand, erklärt Petra Schmidt. Die Schulanlagen seien sehr unterschiedlich ausgestattet. Es sei aber erklärtes Ziel, alle Schulanlagen mit «zweckdienlichen technischen Ausrüstungen» auszustatten, betont die stellvertretende Generalsekretärin der Bildungsdirektion. Meist erfolge dies im Rahmen von Neubauten oder Sanierungen.

Ähnlich sieht es bei den Gymnasien aus. So waren etwa in Liestal zahlreiche bauliche Mängel entdeckt worden: Türen klemmten, bei Notausgängen bestanden Engnisse und bei einem Ereignis konnten Schüler und Lehrer nicht über Lautsprecher gewarnt werden. Die Mängel wurden im Zuge der Gym-Sanierung Punkt für Punkt behoben. Andere Schulen müssen länger warten. Ein grosses Umrüsten liegt für die Baudirektion nicht drin. «Bei sämtlichen bestehenden Bauten alles auf einmal neu aufzurüsten, wäre finanziell nicht zu bewältigen», sagt Schmidt. In einigen Fällen kann das noch Jahre dauern.