Eigentlich wäre es ganz einfach. Die Basler Künstlerin Anmari Mëtsa Yabi Wili könnte mit ihrem Frachtschiff «Lorin» im Hafenperimeter anlegen und loslegen. Das wollte sie bereits per Anfang Juli. Aber die Schweizerischen Rheinhäfen erteilten dem Projekt eine Absage.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von Wili und der Hilfsorganisation Help for Refugees Basel. Sie möchten aus dem Frachtschiff einen Begegnungsort machen, den Flüchtlinge mitgestalten können. «Es ist mir wichtig, die geflüchteten Menschen in ihren Qualitäten abzuholen, damit das unbeschäftigte Zeit-Tot-Schlagen durch motivierende Aktivitäten ersetzt wird», sagt Wili. «Das Bild von ausgeschlossenen Flüchtlingen ist dringend mit Bildern von integrierten Angekommenen zu ersetzen.»

In der «Lorin» hätten die Flüchtlinge zum Beispiel die Möglichkeit, eine Band zu gründen oder ein Theater einzustudieren – zusammen mit Menschen aus Basel. «Uns ist es wichtig, dass ein Austausch stattfindet, dass Vorurteile abgebaut und Kontakte geknüpft werden», sagt Markus Stocker von Help for Refugees. Das Frachtschiff biete zudem genug Platz für Ausstellungen und Benefiz-Events. Gleichzeitig können sich in der «Lorin» Hilfsorganisationen aus der Region vorstellen und einmal im Monat werden Hilfsgüter gesammelt.

Innenansicht

Innenansicht

Hafen ist Gewerbe vorbehalten

Mit dem Projekt «Lorin goes Help for Refugees» stosse sie grundsätzlich auf offene Ohren – auch beim Kanton Basel-Stadt, sagt Wili. Das Problem sei, dass die Schweizer Rheinhäfen das 44 Meter lange Frachtschiff nicht im Hafen möchten, ausser für ein paar Ausnahmen wie zum Beispiel «Lorin’s Promenade through the Art Basel 16» diesen Sommer.

Wili hat schon mehrere Gesuche für einen Liegeplatz am Hafen gestellt und immer wieder Absagen erhalten. «Wir können ihr keinen langfristigen Liegeplatz zur Verfügung stellen», sagt Simon Oberbeck, Mediensprecher der Schweizerischen Rheinhäfen. Der Grund für die Absage ist immer derselbe: Die Häfen seien der gewerblichen Grossschifffahrt vorbehalten.

In einem Email an Wili, das der bz vorliegt, wird Hans-Peter Hadorn, der Direktor der Rheinhäfen noch deutlicher: «Gerne halte ich noch einmal fest, dass es im gesamten Hafengebiet der SRH keine Möglichkeit eines dauernden Liegeplatzes für die MS Lorin gibt. Bitte bemühen Sie unsere Mitarbeitenden nicht mehr in dieser Frage.»

Wili sucht deshalb seit bald einem halben Jahr zusammen mit den Verantwortlichen beim Kanton nach alternativen Anlegestellen am Basler Rheinufer. «Ein riesiger Aufwand für alle Beteiligten», sagt sie. Vor allem weil alle Instanzen, die das Gesuch behandeln, zum Schluss kämen, dass die beste Lösung für die «Lorin» im Hafenperimeter schon bereitliege. «Im Gegensatz zu den Schweizerischen Rheinhäfen läuft mein Projekt beim Kanton auch unter Gewerbe», sagt Wili.

Auf eine Anfrage der bz bestätigt Baudepartement-Sprecher Marc Keller laufende Gespräche, will sich aber zu Details nicht äussern. Eine andere Anlegestelle, die derzeit geprüft wird, liegt oberhalb der Wettsteinbrücke auf Höhe der Römergasse. Die Auflagen am bewohnten Rheinufer sind aber strenger als am Hafen, es muss auch mehr Rücksicht genommen werden: «Die Anwohner an der Römergasse könnten sich zum Beispiel gestört fühlen», sagt Wili, auch wenn keine lauten Partys bis in die frühen Morgenstunden geplant seien. Zudem müsse das Schiff ins Stadtbild passen, was heissen könnte, dass sie ihr «Lorin» für viel Geld umbauen müsste.

Und weil Wili das Schiff zur Sicherheit zusätzlich zu den Ankern auch noch an Pollern am Ufer befestigen möchte, befürchte die Rheinpolizei, dass das Seil zur Stolperfalle für Fussgänger werden könnte.