Der Oberwiler CVP-Landrat Pascal Ryf baut eine Volkshochschule für Kinder und Jugendliche auf. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Lukas Alt hat er dazu das Unternehmen Educampus AG gegründet. Ryf bestätigt auf Anfrage der bz den Neueintrag im Schweizerischen Handelsamtsblatt von gestern Montag.

Laut Ryf ist der Campus für schulergänzende Bildung ein schweizweites Novum. Zwar gebe es in der Region Basel viele Freizeitkurse für Kinder und Jugendliche. Diese seien allerdings auf viele unterschiedliche Anbieter verteilt und zumeist teuer.

Auch Kurse in Poetry Slam

Auf ihrem Campus in der Streitgasse unweit des Basler Barfüsserplatzes wollen Ryf und Alt eine Vielfalt an Kursen in den Bereichen Sprachen, Naturwissenschaften, Umwelt und Technik, Kultur, Kunst und Kreativität, Computer und Internet, Schulbildung und Studium, Beruf und Karriere, Gesundheit und Ernährung sowie Mensch, Politik und Gesellschaft anbieten. Dies unter einem Dach und zu erschwinglichen Preisen. Bereits sind einige Computer-Kurse am Laufen; demnächst startet ein Poetry-Slam-Kurs, der vom ehemaligen U20-Schweizer Meister Dominik Muheim geleitet wird.

Laut Ryf will die Schule ab Anfang 2019 zwei bis drei Dutzend Kurse anbieten, mittel-bis langfristig eine dreistellige Zahl – ähnlich der Volkshochschule beider Basel, in deren Stiftungsrat Ryf ebenfalls sitzt. Für den Campus wird ein gemeinnütziger Verein gegründet. Zudem will die Educampus AG innovativ tätig sein und etwa Apps für den Bildungsbereich entwickeln.

Das System der Verbilligungen

In der Finanzierung folgt das Unternehmen dem System der Verbilligungen der Krankenkassenprämien im Kanton Basel-Stadt. Demnach profitieren Familien je nach Einkommen von einer Reduktion der Kurskosten um 30, 60 oder gar 90 Prozent. Das Angebot soll sich dennoch ausschliesslich privatwirtschaftlich finanzieren: «Wir suchen noch weitere Unternehmen, Mäzene und strategische Partner, die unseren Fonds unterstützen», sagt Ryf. Subventionen sind nicht vorgesehen. Mit einer Ausnahme: Der Educampus bietet einen Eltern-Kinder-Deutschkurs für Migranten an und hat dafür ein Fördergesuch beim Kanton Basel-Stadt gestellt. Dieses Angebot wäre ohne staatliche Unterstützung kaum finanzierbar, da die Betroffenen dieses gar nicht oder nur zu einem geringen Teil selber bezahlen könnten», sagt er.

Ryf ist überzeugt, dass das neue Angebot auf fruchtbaren Boden fällt. Der Bedarf nach solchen Angeboten sei riesig. «Kinder und Jugendliche lernen gerne in der Freizeit – viele wollen dies aber nicht in schulischem Umfeld und nicht unter Druck tun», weiss Ryf. Er hat im Juli seine Stelle als Leiter in einer Allschwiler Primarschule an den Nagel gehängt und teilt sich nun die Geschäftsleitung des Educampus mit Partner Lukas Alt. Laut Handelsamtsblatt haben die beiden ein Aktienkapital von 100'000 Franken in die Firma eingeschossen.

Ryf liebäugelt mit Nationalrat

«Ich bin einer, der gerne Gas gibt und selber gestaltet», sagt Ryf. Dies sei als Leiter einer staatlichen Schule nur beschränkt möglich gewesen. Begünstigt hat die Kündigung, dass Ryf als Mitglied der landrätlichen Personalkommission mit vielen Geschäften konfrontiert war, die ihn als Schulleiter betrafen. «Nun kann ich unabhängiger politisieren», sagt Ryf.

Auch will sich der 39-jährige Oberwiler künftig noch stärker einbringen. Ryfs vorrangiges Ziel ist es, bei den Landratswahlen vom 31. März 2019 wiedergewählt zu werden. Dann liebäugelt er mit einem Platz auf der Nationalratsliste der CVP für die Wahlen im Herbst. «Eine Nationalratskandidatur könnte ich mir sehr gut vorstellen», sagt Ryf.