Die Schweizer gehen zum Einkaufen gerne über die Grenze, auch immer mehr Hochzeitspaare zieht es ins nahe Ausland, um dort das grosse Fest zu feiern. Spätestens in der Adventszeit hat der günstige Euro nun auch noch den Wirten Sorgenfalten auf die Stirn getrieben: Geraten als nächstes die Weihnachtsessen in den Euro-Strudel?

Diese Frage treibt die Basler Wirte um: «Wir befürchten, dass zunehmend Firmenessen ins Badische oder ins Elsass abwandern», sagt Maurus Ebneter, Mediensprecher des Wirteverbands Basel-Stadt. Zwar steht eine wichtige Woche des Weihnachtsgeschäfts erst bevor, weshalb der Verband keine Zahlen nennen kann. Doch die Versuchung, den Weihnachtsschmaus ins Ausland zu verlegen, sei für Privatpersonen, aber auch für Unternehmen so gross wie nie zuvor, ist Ebneter überzeugt - «schwachem Euro und weggefallenen Personenkontrollen sei ‹Dank›.»

Auch im Baselbiet spüren die Beizer den tiefen Eurokurs, wie Markus Thommen, Präsident von Gastro Baselland, bestätigt. Zum Weihnachtsgeschäft könne er aber nichts Genaueres sagen, da der Verband die Mitgliederbetriebe nicht dazu befragt habe.

Tiefer Euro lockt zu Tisch

In Baden hat man den Anstieg der Schweizer unter den Gästen auch bemerkt. Von einem Ansturm speziell in der Adventszeit will Alexander Hangleiter aber nicht sprechen. Hangleiter ist Geschäftsführer der Dehoga Baden-Württemberg, dem südwestdeutschen Ableger des deutschen Hotel- und Gaststättenbunds. Von seinen Betrieben weiss er, dass diese immer mehr Eidgenossen begrüssen dürfen, «aber schon seit Jahren».

Das bestätigt auch eine Stichprobe im Chinarestaurant «Lotus» in Lörrach. «Wir haben über siebzig Prozent Schweizer Gäste - und auch immer mehr Firmenessen, besonders in den letzten Wochen», gibt ein gestresster Kellner zur Auskunft.

Ein Blick ins Elsass - die andere beliebte Gourmet-Region der Nordwestschweizer: Die «Auberge Neuwiller», rund fünf Minuten von Allschwil entfernt, beziffert den Anteil der Gäste von ennet der Grenze auf über neunzig Prozent. Bei den Weihnachtsessen verzeichnete Marlies Ramboni mehr Anfragen aus der Schweiz. «Aber das spielt keine grosse Rolle», sagt die Pächterin. «Wir haben bereits so viele Schweizer Gäste, dass wir es gar nicht bemerkt hätten, wenn es noch mehr geworden wären.»