Ausstellung

Schwing den Stoffpenis: Im Basler St. Johann wird ein neuer Off-Space eröffnet

Klare Ansage: Der Strap-On von Künstlerin Angela Marzullo.

Klare Ansage: Der Strap-On von Künstlerin Angela Marzullo.

Die Künstlerin Ana Vujic feiert am Samstag die Eröffnung ihrer Ausstellung «The Body is my Canvas» im Ausstellungsraum «Voltage» – und fällt so gar nicht ins Schema einer Cüpli-Kuratorin.

Es ist halb zehn Uhr morgens und Ana Vujic trinkt bereits ihre erste Cola. «Das brauch ich jetzt», sagt sie und zeigt neben sich. Da steht eine grosse Kartonschachtel mit einer Gipsskulptur von Pawel Ferus. Letzte Nacht ist sie angekommen, riesig, extra für die Ausstellung – und immer noch feucht. «Wir standen ewig mit einem Föhn davor.» Vujic lacht.

In einem Tag öffnet hier eine Ausstellung, und es steht schon alles, da ist ein bisschen Föhnen locker ertragbar. Hier, das ist im Atelier an der Basler Mülhauserstrasse, das sich Vuijc mit zwei Musikern teilt. In den beiden Räumen will sie zweimal pro Jahr Ausstellungen organisieren und morgen feiert die erste Eröffnung.

Nix mit Cüpli

Wer Vujic kennt, weiss: Das wird eine spannende Sache. Sie kommt aus der Street-Art, macht dunkle, riesige Tusche-Zeichnungen – und fällt so gar nicht ins Schema einer Cüpli-Kuratorin.

Wo diese Frau Hand anlegt, gibts nahbare Kunst, wünscht man sich. Und wird nicht enttäuscht: Unter dem Thema «The Body is my Canvas» hat Vujic acht Künstler und Künstlerinnen versammelt, die sich mit dem Körper als Leinwand beschäftigen. Das klingt erstmal nach Tattoos, sprich nach Fotos von Tattoos, sprich nach halbinspiriert. Diese Richtung schlägt Vujic zum Glück nicht ein. Stattdessen zeigt sie starke Frauenkünstlerinnen: Eine Videoaufzeichnung der Bielerin Angela Marzullo etwa, wie sie mit Strap-On bekleidet vor einer Leinwand rumtänzelt und mit dem Stoffpenis Farbe auf die Leinwand schmiert.

Schmerzhafte Entblössungen

Oder die Basler Fotografin Eleni Kougionis, von der ein einziges Foto in der Ausstellung hängt. Das Bild verfolgt einen noch Stunden nach dem Besuch: Ein an Leukämie erkrankter Mann, den Kougionis seit Jahren begleitet, mit nacktem Oberkörper, die Spuren seiner Krankheit schmerzhaft entblösst.

Ähnlich eindringlich sind die Malereien von Jerry Haenggli. Der Bieler malt unheimliche Traumszenarien, Menschen in weissen Schürzen, nackte Körper über kalten Kuben. Keine Wonne, aber Kunst, die ihre Fragen direkt und selber stellt, an alle, die kein Saalblatt mit Gedankenstützen brauchen.

Auch Vujic selbst hat für die Ausstellung ein Bild beigetragen. Über 200 Stunden sass sie im hinteren Teil des Raumes und zeichnete direkt auf die Wand. Entstanden ist eine mächtige Zeichnung aus Tusche und Acryl, die eine alte Frau am Spinnrad zeigt, inmitten von Maschinen.

Vujic geht es um den Raum als Körper, um diesen konkreten Raum hier, der früher eine Spinnerei war. Sie zieht ihn in die Länge, macht ihn zur Metapher. Für aussterbendes Handwerk, mächtige Maschinen. Es ist schwer, sich davon loszureissen. Weg mit dem Cüpli, her mit dem Bier!

«The Body is my Canvas», 16. bis 22. Dezember, Ausstellungsraum «Voltage», Mülhauserstrasse 48, Basel.

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