Strafgericht

Scientology-Gegner Manfred Harrer von Basler Strafgericht verurteilt: «Die Information ist meine Waffe»

Scientology-Gegner verurteilt.

Scientology-Gegner verurteilt.

Das Basler Strafgericht hat am Freitagmorgen den Scientology-Gegner Manfred Harrer zu 90 Tagessätzen à 40 Franken verurteilt. Ihm wird bedingter Strafvollzug mit einer Probezeit von drei Jahren gewährt. Der Beschuldigte hatte vor über drei Jahren mehrfach versucht, Scientologen davon abzuhalten, Passanten anzuwerben.

Harrer und seine Begleiter wirken nervös, aber bestimmt, als sie sich wenige Minuten vor der Urteilsverkündigung vor dem Gerichtssaal versammeln. Der stadtbekannte Scientology-Gegner lässt immer wieder einen Spruch fallen und verschwindet kurz vor 09.00 Uhr noch für einen kurzen Moment auf der Herrentoilette.

Der Strafbefehl enthält eine Vielzahl an Vorwürfen gegen Manfred Harrer. Vorwürfe, die er grösstenteils bestreitet oder rechtfertigend zu korrigieren versucht. So eröffnet die Richterin dann auch die Urteilsverkündigung. Harrer habe die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten und behauptet, bei seinen Interventionen immer genug Abstand gehalten zu haben. Es sei stets alles im Rahmen gewesen. Die Anklage musste sich dann auch auf Aufzeichnungen der Privatkläger berufen. Diese seien laut der Richterin «anschaulich und übereinstimmend» und die geschilderten Nachstellungen plausibel beschrieben worden. Die Privatkläger seien ausserdem auch um Sachlichkeit bemüht gewesen. So beispielsweise in einer Schilderung, die ein Einschreiten Harrers beschreibt, bei welchem er ein Gespräch unterbinden wollte und dabei eine Glasflasche in der Hand hielt. Ein Privatkläger relativierte in der Gerichtsverhandlung, dass es sich dabei auch um eine Pet-Flasche hätte handeln können. «Sie dürfen keine Selbstjustiz üben», versucht die Richterin Harrer ins Gewissen zu reden.

«Überzeugungstäter» Harrer zu 90 Tagessätzen verurteilt

Während der gesamten Urteilsverkündigung wirkt Harrer ruhig. Es scheint, als habe er mit einer Verurteilung gerechnet. Sicherlich kamen dem «Aktivisten», wie er sich selbst nennt, die zahlreichen Posts auf seinem öffentlichen Facebookprofil nicht entgegen. Die schwersten Delikte, für die Harrer verurteilt wurde, sind dann auch die zahlreichen Drohungen und Nötigungen, die laut der Richterin meist «planmässig» abliefen. Dass es teilweise nur beim Versuch einer Nötigung blieb, sei grösstenteils nicht dem Beschuldigten zu verdanken. Harrer wurde folglich wegen Nötigung, übler Nachrede, Drohung und Beschuldigung verurteilt, strafmildernd wirkte sich allerdings die zu lange Verfahrensdauer von über drei Jahren aus, weshalb die Strafe von über hundert auf 90 Tagessätze à 40 Franken herabgesetzt wurde. Es wird ihm ein bedingter Strafvollzug mit einer Probezeit von drei Jahren gewährt. Zwei der Privatkläger muss er ausserdem eine Genugtuung bezahlen, eine Parteientschädigung über 3'000 Franken und die Verfahrens- und Urteilsgebühren tragen. Harrer sei ein «Überzeugungstäter», wie die Richterin sagte. Das Wort «Wiederholungstäter» wäre auch nicht ganz unpassend, liegen doch dem Gericht laut der Richterin anscheinend bereits wieder neue Anzeigen vor.

«Barmherzig» nennt Harrer das Urteil gegen ihn, als er und seine Anwältin sich erheben, um den Gerichtssaal zu verlassen. Mit dem Urteil könne er sich abfinden, er wisse, dass er «grenzwertig» sei. Aktivisten müssten grenzwertig sein. Das Urteil sei zweitrangig, wichtig sei ihm die öffentliche Aufmerksamkeit für seine Sache, diese habe er ja bereits vor dem Prozess bekommen. Auch Harrers Anwältin nimmt das Urteil zur Kenntnis, wird dieses aber noch im Detail anschauen. Scientology selbst scheint mit dem Urteil zufrieden zu sein, wie der bz per Mail mitgeteilt wird. Harrer werde jetzt hoffentlich zur Einsicht kommen und seine kriminellen Aktivitäten einstellen. Es gebe ausserdem noch zahlreiche weitere pendente Strafverfahren. Harrers Anwältin dementiert dies, es seien keine Verfahren hängig.

«Die Information ist meine Waffe», sagt Harrer im Flur des Strafgerichts. Sie wird wahrscheinlich auch nach dem heutigen Urteil seine Waffe bleiben. Harrer und seine «Gewaltfreien Aktivisten gegen Sekten und ihre Publikationen im Internet» ziehen geschlossen und bestimmt von dannen.

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