Fussball-Schule

Scott Chipperfield: «Ich will, dass der FCB Konkurrenz hat»

Scott Chipperfields Leben dreht sich noch immer um den Fussball.

Scott Chipperfields Leben dreht sich noch immer um den Fussball.

Der 39-jährige ehemalige Spieler des FC Basel hat eine neue Aufgabe gefunden - ein Traum, den er sich erfüllen will. Im März eröffnet er eine Fussball-Schule, Scotty's Soccer School, für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren.

Vor zweieinhalb Jahren hat Scott Chipperfield seine Karriere beim FC Basel beendet. Seither ist es mehrheitlich still geworden um den noch immer erfolgreichsten Spieler der Vereinshistorie. Für dieses Jahr hat der 39-Jährige aber grosse Pläne. Und einen Traum, den er sich erfüllen will.

Scott Chipperfield, was haben Sie die letzten zweieinhalb Jahre gemacht?

Scott Chipperfield: Nicht viel. Ich habe viel Zeit mit meinen Kindern verbracht und bin mittlerweile in meiner dritten Saison beim FC Aesch. In der Saisonpause verbringe ich jeweils drei bis vier Monate in Australien, um meine Familie und Freunde zu sehen.

Wenn die alle in Australien sind, was hält Sie dann in Basel?

Meine Kinder, sie sind noch ziemlich klein. Es gab die Option, nach meinem Abschied beim FC Basel in Sydney weiter Fussball zu spielen, aber ich entschied mich, hierzubleiben. Aber ich vermisse Australien. Das ist normal.

Jetzt haben Sie ein neues Projekt, welches Sie an Basel bindet.

Genau. Ich eröffne im März eine Fussball-Schule, Scotty’s Soccer School, für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Ich werde, zumindest zu Beginn, alle Trainings selber leiten.

Das Trainerdasein ist neu für Sie.

Es ist eine neue Karriere, ja, eine neue Chance. Ich habe noch nie gecoacht. Aber die Art und Weise, wie wir es aufziehen, mit kleinen Gruppen von maximal acht Kindern, ist gut für mich, um in die neue Aufgabe hineinzuwachsen.

Wollten Sie schon immer Jugendtrainer werden?

Ja, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht gedacht, dass ich das in Basel tun würde. Aber ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren versucht, einen «normalen» Job auszuüben. Irgendwie hat nichts wirklich gepasst. Wissen Sie, alles, was ich weiss, hat mit Fussball zu tun. Wenn man seine Karriere nach fast 20 Jahren in diesem Business beendet, gibt es nicht viel anderes, das man tun kann. Oder zumindest für mich nicht (lacht).

Was hat den Ausschlag gegeben, eine eigene Schule zu eröffnen?

Ich habe einem meiner Teamkollegen in Aesch erzählt, dass ich gerne Trainer werden möchte. Er hat mir erzählt, dass es in Aesch viele Englisch sprechende Kinder gibt. Deshalb wird die Schule auch in Aesch sein. Dann habe ich mich entschlossen, dieses Projekt zu starten, und es wurde immer grösser und grösser. Ehrlich gesagt habe ich nicht erwartet, dass so viel Arbeit damit zusammenhängen würde. Wir planen nun schon seit vier, fünf Monaten und sind immer noch nicht ganz fertig.

Ihr Ziel sind Englisch sprechende Kinder. Was, wenn sich ein deutschsprachiges Kind anmeldet? Können Sie genug Deutsch, um es zu unterrichten?

Ja, kann ich! Und für den Fussball reicht es ohnehin aus. Ich spreche ja auch mit meinen Kindern Deutsch, insbesondere mit dem Jüngeren. Er war noch klein, als meine Ex-Frau und ich uns getrennt haben, sodass sein Englisch nicht sehr gut ist.

Haben sich schon Kinder für Ihre Schule angemeldet?

Nein, bis jetzt noch nicht. Wir hatten Probleme mit der Website. Wenn diese gelöst sind, können sich die Kinder, auch jene die bereits mündlich zugesagt haben, anmelden. Und da in Basel viele Kinder auf Wartelisten bei Klubs stehen, weil diese überfüllt sind, bin ich überzeugt, dass Kinder kommen werden.

Ihre Jungs sind auf keiner Warteliste, sie spielen beide bereits in einem Verein. Werden Sie dennoch Ihre Schule besuchen?

Der Jüngere spielt momentan noch in Rheinfelden, aber er wird in meine Schule kommen. Der Ältere jedoch spielt beim FCB und wird auch dort bleiben. Er hatte gerade erst ein grosses Turnier in Deutschland, das super gelaufen ist.

Werden wir ihn also in sechs, sieben Jahren Tore für den FCB schiessen sehen?

Hoffentlich! Bei einem Turnier von YB, , an dem er teilgenommen hat, wurde er auf jeden Fall bereits Torschützenkönig!

Ihre Söhne sind 7 und 10 Jahre alt. Hat deren Alter eine Rolle gespielt bei der Entscheidung, eine Schule für Kinder von 8 bis 12 zu machen?

Klar. Ich gehe immer zu den Spielen meiner Söhne und wollte mit Kindern dieses Alters arbeiten.

Hoffen Sie, dass auch Mädchen in Ihre Schule kommen?

Sicher! Die Schule ist sowohl für Jungs als auch für Mädchen. Wir machen gemischte Teams.

Die Frage drängt sich auf, weil Sie sagen, dass Ihre Inspiration für den Fussball von Ihrer Mutter kam, die eine ziemlich gute Fussballerin war.

Das war sie, genau so wie meine Tante. Heutzutage sind Frauen stark involviert im Fussball, und der Sport wird unter den Frauen immer beliebter. Da kann man nicht mehr sagen: «Sorry, Mädchen sind nicht erwünscht.»

Was ist der Langzeitplan für Ihre Schule?

Ich möchte ein paar gute Kinder zusammenkriegen, vielleicht sogar ein ganzes Team, mit dem ich arbeiten kann. Für mich ist meine neue Aufgabe ein Mix aus Trainieren und Beraten. Ich will sie auf den richtigen Weg bringen, vielleicht sogar jenen in die Super League. Aber das ist der Langzeitplan. Momentan ist die FCB-Jugendförderung konkurrenzlos, die guten Spieler gehen alle dort hin.

Sie kooperieren nicht mit dem FCB?

Nein, sie machen ihr Ding und ich mache meins.

Ist diese Schule ein Schritt weg vom FCB für Sie? Eine Möglichkeit zu beweisen, dass es auch einen Scott Chipperfield ohne den FCB gibt?

Bestimmt, ja. Ich will wirklich versuchen, alles alleine zu machen, um zu schauen, ob ich es schaffen kann.

Wie ist Ihre heutige Beziehung zu Ihrem früheren Verein?

Die ist nach wie vor stark. Ich gehe zu jedem Heimspiel, wenn ich nicht gerade selber ein Spiel mit Aesch habe.

Also haben Sie den Kontakt mit den Leuten vom FCB aufrechterhalten?

In der Vergangenheit nicht wirklich, nein. In letzter Zeit hatte ich aber Kontakt mit Georg Heitz. Mit den aktuellen Kaderspielern habe ich jedoch keinen Kontakt. Man grüsst sich auf der Strasse, das schon, aber ich treffe mich nicht auf einen Kaffee mit ihnen.

Wollten Sie nach Ihrem Rücktritt eigentlich nicht beim FCB bleiben? Als Juniorentrainer beispielsweise?

Ehrlich gesagt, gab es keine wirkliche Möglichkeit, um zu bleiben.

Nicht?

Nein. Die Verantwortlichen dachten wohl, ich gehe zurück nach Australien.

Haben Sie nur mangels Angebot nie damit geliebäugelt, irgendwo Sportchef oder Spieleragent zu werden?

Tatsächlich bin ich momentan so eine Art – nicht Spieleragent –, aber Spielerberater. Ich spreche mit Agenten, die ihre Spieler vermitteln wollen und überzeuge sie davon, dass Basel ein guter Ort wäre. Aber ich bringe sie nicht nur nach Basel, sondern grundsätzlich in die Schweiz. Ich will die Liga stärken, damit der FCB ein bisschen Konkurrenz bekommt (lacht).

Sind das mehrheitlich Australier?

Genau. In Australien gibt es viele junge, talentierte Spieler. Sie träumen davon, in Deutschland oder England zu spielen, also ist die Schweiz das optimale Sprungbrett. Viele machen den Fehler, sofort zu einem grossen Verein zu gehen und kehren dann erfolglos zurück. Man muss die richtigen Entscheidungen treffen. Das habe ich damals geschafft mit dem Wechsel zum FCB.

Vermissen Sie Ihre Zeit beim FCB?

Ich vermisse das Spielen. Aber ich habe neue Teamkameraden in Aesch, und wir haben eine tolle Team-Atmosphäre. Aber natürlich ist das etwas Anderes.

Anders auch deshalb, weil Sie mit dem FCB auf Ihre Idole trafen, Ryan Giggs beispielsweise.

Das war eines der Highlights meiner Karriere. Ich habe sogar ein Foto mit ihm. Er war ein ähnlicher Spielertyp wie ich. Als wir jung waren, waren wir Flügelspieler, und mit dem Alter wurden wir zu zentralen Mittelfeldspielern umfunktioniert. Aber seine Karriere bei Manchester United war natürlich viel grösser als meine.

Sind Sie denn auch United-Fan?

Nein, von Liverpool!

Gegen die Sie ebenfalls spielten.

Diese Episode ist einer der Tiefpunkte meiner Karriere. Als wir in der Champions League mit ihnen in der Gruppe waren, war ich bei beiden Spielen verletzt. Ich bin nicht mal an die Anfield Road gegangen, um mir das Spiel anzuschauen. Aber irgendwann werde ich dorthin gehen.

Sie waren noch nie dort?

Nein. Aber ich hoffe, ich kann mir diesen Traum sehr bald erfüllen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1