Bundeshaus
Sebastian Frehner wirbt in Bundesbern mit Schwimmsäcken für Basel

Sebastian Frehners Lobbying-Gruppe hatte gestern ihren ersten Anlass in Bern. Durch sie soll der Region Basel in Bundesbern mehr Gehör verschaffen werden. Der organisierte Stehlunch war schlussendlich vor allem ein Treffen der SVP.

Moritz Kaufmann
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«Die CVP ist aus dem bürgerlichen Lager ausgetreten», sagt Sebastian Frehner. Er will nicht mehr mit der CVP zusammenarbeiten. Archiv Ken

«Die CVP ist aus dem bürgerlichen Lager ausgetreten», sagt Sebastian Frehner. Er will nicht mehr mit der CVP zusammenarbeiten. Archiv Ken

Kenneth Nars

Im Nobelhotel Schweizerhof in Bern liegen die Tüten mit den Basler Läckerli für die Gäste bereit, und das Buffet wird gerade aufgetischt. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner schaut ein bisschen ratlos umher. Zu tun gibt es nichts mehr. Alles ist parat für den ersten Anlass der von ihm gegründeten und präsidierten parlamentarischen Gruppe Region Basel.

Als er vor ein paar Wochen zusammen mit der Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter seine Lobbying-Pläne vorstellte, erntete er vor allem von linker Seite Skepsis bis offene Ablehnung. Eine Gruppe, der nur Bundesparlamentarier beitreten können, welche sich für die Interessen der Nordwestschweiz stark machen, bringe nichts - so der Tenor.

Banken sponsern den Anlass

Frehner jedoch hielt an seinem Projekt fest. Gestern fand nun der erste Anlass statt: ein Stehlunch mit einem Kurzreferat von Herbert Kumbartzki, CFO der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Finanziert wird der Anlass von der Basler Bankenvereinigung und dem Basler Arbeitgeberverband. Kostenpunkt: 5000 bis 6000 Franken für die Saalmiete und das Zmittag. «Wir bezahlen keine Löhne», hält Samuel Holzach, Präsident der Bankenvereinigung, ausdrücklich fest.

«Wir wollten zum Auftakt ein Thema behandeln, das brennt», sagt Frehner zum Referat. Banken interessiere auch Parlamentarier aus anderen Kantonen. Und diese herzulocken, ist schliesslich das Ziel. Das ist allerdings auch nicht ganz einfach. Während der Session in Bern finden jeden Tag verschiedene Infoanlässe und Lobbying-Treffen statt. «Wir stehen in Konkurrenz zum VBS. Die organisieren heute Mittag auch etwas», erklärt Frehner.

Der Zeitplan ist eng. Um Viertel vor eins findet die letzte Abstimmung im Bundeshaus statt. Um halb drei Uhr nachmittags sind Fraktionssitzungen. Dazwischen muss der Stehlunch mit rund 45 Minuten Vortrag Platz finden. «Ich habe auch noch nicht so viel Erfahrung mit so was», gibt Frehner zu.

Die ersten Eingeladenen treffen ein. Auf der Gästeliste stehen rund 30 Parlamentarier. Auch Christoph Blocher ist darunter, taucht aber nicht auf. Andere grosse Abwesende sind Basler Politiker wie der Basler CVP-Mann Markus Lehmann oder die Baselbieter Grüne Maya Graf, die beide Mitglieder von Frehners Gruppe sind. Überhaupt stammen die meisten Anwesenden aus der SVP.

Ein Schwimmsack als Geschenk

Kurz vor Referatsbeginn taucht dann doch noch ein Linker auf: Beat Jans von der Basler SP, der sich im Vorfeld ebenfalls skeptisch gezeigt hat, ob Frehners Gruppe etwas für Basel erreichen könne. Ob er sich wohlfühlt unter all den SVPlern? «Was man nicht alles macht für die Region», weicht er aus. Dann fügt er noch an: «Wenn künftig ein paar SVPler für unsere Region stimmen, wäre das ja Mal was Neues.»

Das findet auch Elisabeth Schneider-Schneiter: «Die SVP im Baselbiet hat sich in der Vergangenheit ja nicht besonders für die Region eingesetzt.» Sie meint damit insbesondere Caspar Baader, der bekannt dafür ist, lieber für die SVP-Linie als für die regionalen Interessen zu stimmen.

Besagter Baader streckt derweil am Buffet die Köpfe mit anderen SVP-Grössen zusammen. Die Stimmung ist gut, und Sebastian Frehner scheint sich auch zu entspannen. Seine Begrüssungsansprache hält er jedenfalls gut gelaunt. Auch das Referat zum Bankenplatz Basel kommt gut an. Zum Schluss gibts für alle einen von Basel Tourismus gesponserten Schwimmsack. Dann hetzen die Parlamentarier auch schon zum nächsten Termin. Es war ein ganz normaler Lobbying-Mittag in Bern.