Strafgericht
Sechs Jahre Betrug, zehn Jahre Untersuchung – trotzdem muss der Verurteilte nicht hinter Gitter

Der Fall eines Bauunternehmers, der sich eine goldene Nase verdiente, weil er Arbeiter schwarz schuften liess, beschäftigte die Staatsanwaltschaft fast elf Jahre.

Patrick Rudin
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Ein 59-jähriger Bauunternehmer wurde nach über 10 Jahren Untersuchung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. (Symbolbild)

Ein 59-jähriger Bauunternehmer wurde nach über 10 Jahren Untersuchung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. (Symbolbild)

KEYSTONE

Bald elf Jahre läuft das Strafverfahren, am Dienstag nahm es im Basler Strafgericht ein Ende: Der 59-jährige Bauunternehmer akzeptierte die teilbedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten, zumal er den unbedingten Teil von acht Monaten bereits in Untersuchungshaft abgesessen hat. Die Untersuchung hat in der Wirtschaftsabteilung der Basler Staatsanwaltschaft über Jahre hinweg massiv Ressourcen gebunden: Im September 2005 führte man in der Baufirma des Mannes eine erste Hausdurchsuchung durch, das Verfahren nahm seinen Lauf.

Erst später wurde klar, dass der Mann seine Betrügereien unter weiteren Firmenmänteln weiterführte, im Januar 2009 kam er für acht Monate in Untersuchungshaft, die Zahlungsflüsse diverser Firmen wurden von Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft über zwei Jahre hinweg überwacht. Nach der Entlassung aus der Haft wurden andere Fälle bevorzugt behandelt, weil Haftfälle immer Vorrang haben.

Ein Leben in Saus und Braus

Im Jahr 2015 schliesslich wollte der heute 59-jährige Mann ein abgekürztes Verfahren: Das bedeutet ein umfassendes Geständnis gegen eine Strafmilderung. Kurz darauf einigten sich Staatsanwalt und Verteidiger auf eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 27 Monaten, nun korrigierten beide Parteien ihren Antrag wegen der inzwischen verflossenen Zeit auf 22 Monate: Das Dreiergericht genehmigte am Dienstag diesen Deal. «Eigentlich sind 22 Monate zu wenig für das, was Sie gemacht haben, das muss man schon sehen. Aber auch im normalen Verfahren wäre nach dieser Zeit mit einer erheblichen Reduktion des Strafmasses zu rechnen», sagte Gerichtspräsident Dominik Kiener dazu.

Der 59-Jährige war eine Art Generalunternehmer: Er zog Bauaufträge an Land und vergab diese an weitere, von ihm indirekt kontrollierte Firmen. Arbeiter wurden schwarz bezahlt, um Steuern oder Sozialversicherungen scherte man sich nicht, und auch Buchhaltungen wurden kaum geführt. Die saftigen Differenzen bezog der 59-jährige in bar und investierte das Geld in teure Autos wie Dodge Viper, Hummer H2, zwei Ferraris und diverse Mercedes. Dazu in eine 6,5-Zimmer Terrassenwohnung, ein zwölf Meter langes Motorboot sowie in Prostituierte und Casinos.

Heute arbeitet er für seine Frau

Der genaue Deliktsbetrag bleibt wegen der Barzahlungen unklar, er dürfte aber mehrere Hunderttausend Franken betragen. Die Anfänge der Delikte liegen im Jahr 2003. Sichergestellt hat man beim Mann noch 60'000 Franken, damit wurde immerhin ein Teil der Verfahrenskosten von 100'000 Franken gedeckt. In den Subfirmen, in denen Buchhaltungen geführt wurden, gab es für die privaten Ausgaben fingierte Rechnungen für angebliche Arbeiten.

Die nötigen Firmenmäntel kaufte der Unternehmer jeweils für kleine Beträge, die nötige Mindesteinlage leistete er aber nie. Nach Firmenkonkursen wurden Fahrzeuge rasch auf neue Firmen übertragen. Nach Aussen führten Bekannte die Firmen, er lernte die Leute beispielsweise in der Sauna oder in Nachtclubs kennen.

Er selbst hat bereits seit 1986 Schulden von über einer Million Franken, gegenüber dem Betreibungsamt verschwieg er seinen Lebenswandel seither stets. Heute arbeitet er immer noch in der Branche, allerdings als Angestellter, die Firma gehört seiner Frau. «Da läuft alles korrekt. Es gibt auch keine Betreibungen», betonte er vor Gericht.

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