Urteil

Sechs Schüsse an der Brombacherstrasse, ein Schwerverletzter: Schütze muss für acht Jahre ins Gefängnis

Bei der Schiesserei gab es einen Schwerverletzten.

Bei der Schiesserei gab es einen Schwerverletzten.

Alle Beteuerungen um eine angebliche Notwehr waren vergeblich: Das Basler Strafgericht verurteilte den 32-Jährigen Schützen von der Brombacherstrasse (bz vom Donnerstag) wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Als Strafmass setzten die fünf Richter eine Freiheitsstrafe von acht Jahren fest.

Er hatte auf zwei Männer geschossen und einen davon an den Unterschenkeln verletzt. Das Opfer arbeitete als Kranführer, leidet noch heute an den Beinverletzungen und ist weiterhin arbeitsunfähig. Das Gericht ging deshalb von einer schweren Körperverletzung aus.

Es sprach dem verletzten Mann eine Genugtuung von 12'000 Franken zu, gefordert hatte er 40'000 Franken. Der Schütze haftet allerdings auch für den Erwerbsausfall des Opfers.

Punkto Gefährdung weiterer Passanten gab es einen Freispruch, weil es dazu an konkreten Beweisen mangelte. Gerichtspräsidentin Katharina Giovannone sagte aber auch, mit den Schüssen im öffentlichen Raum habe der Mann das Sicherheitsgefühl der Bewohner eines ganzen Quartiers in Frage gestellt. "Und das alles nur, weil Sie einmal gedemütigt worden, sind, bei einer Gelegenheit, die Sie selber verschuldet haben". Die Gerichtspräsidentin bezog sich dabei auf einen früheren Streit vor der Disco "Moon" am Claraplatz, der offenbar Auslöser der Schiesserei war. Der 32-Jährige war damals von der Polizei abgeführt worden.

Dass der 32-Jährige am Abend der Schiesserei in der Brombacherstrasse überraschend von den zwei Widersachern angegriffen wurde, glaubte ihm das Gericht nicht. "Sie waren einzig und alleine deswegen dort, weil Sie die beiden Männer treffen wollten", sagte Giovannone dazu. Der 32-jährige Schütze hatte stets behauptet, einer der beiden Männer habe die Hand hinter dem Rücken gehabt, er habe deshalb gefürchtet, dieser könnte eine Waffe ziehen. Einer der Männer räumte ein, links eine kleine Tasche am Körper getragen zu haben, diese habe er beim wegrennen mit der rechten Hand festgehalten. Der Staatsanwalt fand selbst dies unglaubhaft, doch die Urteilsbegründung sorgte Freitag für Schmunzeln im Gerichtssaal: Das überwiegend weiblich zusammengesetzte Gericht hielt es durchaus für wahrscheinlich, dass man eine links getragene, herumbaumelnde Tasche mit der Hand festhalte.

Der Mann hatte schon vor seiner Verhaftung eine Art Geständnis über seinen Anwalt abgegeben, eine Strafmassreduktion gab es deshalb aber nicht. Das Urteil kann noch an das Appellationsgericht weitergezogen werden.

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